Für mehr Bildungsfreiheit

Katrin Bölstler
Schon im Sommer sind rund 400 Schüler für eine bessere Bildung auf die Straße gegangen. Foto: Matthias Graben / FotoPool
Schon im Sommer sind rund 400 Schüler für eine bessere Bildung auf die Straße gegangen. Foto: Matthias Graben / FotoPool
Foto: Waz-FotoPool
Erneut gehen jetzt viele Schüler, Studenten und Auszubildende auf die Straße, um für ein besseres Bildungssystem zu protestieren. Im Bündnis mit vertreten ist die Bezirksschülervertretung (BSV) Bochum. Sprecher Jonathan Röder (17) erklärt im Gespräch mit WAZ-Volontärin Katrin Bölstler, wogegen protestiert wird.

Bochum. Erneut gehen jetzt viele Schüler, Studenten und Auszubildende auf die Straße, um für ein besseres Bildungssystem zu protestieren. Im Bündnis mit vertreten ist die Bezirksschülervertretung (BSV) Bochum. Sprecher Jonathan Röder (17) erklärt im Gespräch mit WAZ-Volontärin Katrin Bölstler, wogegen protestiert wird.

Herr Röder, was ist die BSV?

Röder: Die BSV vertritt alle Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen in Bochum. Sie wurde gegründet, da sich in der Schulpolitik so viel ändert, dass einige von uns es für nötigt halten, eine eigene Interessenvertretung zu haben.

Was treibt sie an, sich ein Jahr vor ihrem Schulabschluss noch so für Schulpolitik ins Zeug zu legen?

Ich glaube, dass es mir wie vielen jungen Leuten im Moment geht. Wir nehmen die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft und in der Schule wahr und möchten nicht mehr länger passiv sein, unser Leben selbst in die Hand nehmen. Bei mir führte mich mein Weg zuerst in die BSV, dann für kurze Zeit in die SPD und jetzt engagiere ich mich vor allem in der Bildungsarbeit, gebe Seminare oder organisiere eben den Streik mit.

Was sind die konkreten Forderungen des Bündnisses?

Ich bin kein offizieller Sprecher des Bündnis Bildungsstreik Bochum, aber die Forderungen des Bündnis decken sich weitgehend mit denen des BSV. Wir alle wollen eine Schule für alle, also ein Schulmodell, das nicht selektiert und in dem nicht von vorneherein fest steht, wie man sich später entwickelt. Die BSV kritisiert zudem, dass die rot-grüne Regierung weiterhin an dem Kooperationsvertrag der Bundeswehr mit den Schulen festhält, obwohl sie vor den Wahlen das Gegenteil versprochen hat. Wir sehen es sehr kritisch, dass die Bundeswehr angebliche Informationsveranstaltungen in Schulen abhalten darf, bei denen meiner Meinung nach aber eher Schüler sehr einseitig beeinflusst werden.

Wer steht hinter dem Bündnis Bildungsstreik in Bochum?

Das Bündnis ist eine Interessenvertretung von Schülern und Studenten, aber auch von Auszubildenden. Wir haben in unseren Reihen einige IG-Metaller und Opelaner, die nicht weniger sauer sind über die aktuelle Bildungspolitik.

Was sind Ihre konkreten Forderungen?

Wir fordern die Abschaffung jeglicher Zulassungsbeschränkungen im Studium und die Abschaffung aller Bildungsgebühren. Zudem fordern wir die Abschaffung von G8 und der Regelstudienzeit.

Was spricht gegen G8?

Da der Lehrplan nicht gekürzt wurde, wir aber ein Jahr weniger Zeit haben, ist der Leistungsdruck auf uns Schüler enorm gewachsen. Nicht wenige Schüler haben Depressionen oder andere stressbedingte Krankheiten. Aufgrund des hohen Lernpensums und dem langen Nachmittagsunterricht bleibt kaum noch Zeit für Freizeit und Freunde. Gleichzeitig hat das Mobbing an den Schulen stark zugenommen, da besonders schwache Schüler nach einem Ventil suchen, um Druck abzulassen. Der Leistungsdruck spaltet uns, es gibt kein Miteinander mehr, sondern nur noch ein Gegeneinander.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie dieses Mal?

Das ist schwer zu sagen. Beim letzten Mal haben viele Schulleitungen ihren Schülern die Teilnahme verboten. Dieses Jahr hat sich jedoch die Lehrergewerkschaft GEW mit uns solidarisiert und wir hoffen auf etwa 500 bis 1000 Teilnehmer aus dem gesamten Stadtgebiet. Die BSV hat für den 17. November um 9 Uhr morgens eine Schülervollversammlung am Hauptbahnhof einberufen. Alle Bochumer Schüler haben laut Schulgesetz das Recht, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Ob sie danach zum Streik bleiben, ist ihre Sache.