Früherer US-Präsident Jimmy Carter zu Gast in Bochum

Jimmy Carter, hier bei einem früheren Besuch in Wattenscheid, hat am Freitag in Bochum mehr Anstrengung zur Befriedung des Nahen Ostens gefordert.
Jimmy Carter, hier bei einem früheren Besuch in Wattenscheid, hat am Freitag in Bochum mehr Anstrengung zur Befriedung des Nahen Ostens gefordert.
Foto: Stefan Arend
Die frühere amerikanische Präsident Jimmy Carter hat an Europa und die USA appelliert, sich weiter für den Frieden in Nahost einzusetzen. Deutschland könnte eine wichtige Rolle bei der Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina spielen, sagte Carter am Freitag in Bochum.

Bochum. Der frühere US-Präsident Jimmy Carter fordert mehr internationale Bemühungen zur Befriedung des Nahen Ostens. Vor allem die Vereinigten Staaten und Europa müssten ihre Anstrengungen verstärken. Die Situation sei "sehr ernst", sagte Carter am Freitag in Bochum.

Der 88-jährige Friedensnobelpreisträger war dort Gast einer Konferenz zum Thema Menschenrechte und Globalisierung, an der unter anderem auch der frühere polnische Staatspräsident Lech Walesa und Ex-NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) teilnahmen.

Carter: Deutschland spielt wichtige Rolle für den Frieden in Nahost

Carter warnte insbesondere vor einem drohenden Aus für die Zwei-Staaten-Lösung. Sie sieht ein friedliches Miteinander von Israel mit einem unabhängigen palästinensischen Staat vor. Er kritisierte Israels Politik als "falschen Weg".

Dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu warf er vor, keinen Palästinenserstaat zu wollen. Dies zeige sich auch in der Ausweitung israelischer Siedlungen auf palästinensisches Gebiet: "Das muss geändert werden."

Bei der Suche nach einer Lösung des Konflikts komme auch Deutschland eine wichtige Rolle zu. Carter gibt Israel offen die Hauptschuld für die bislang ungelöste Palästina-Frage. Den USA wirft er zugleich eine unkritische Parteinahme für die Interessen Israels vor.

Früheres Staatsoberhaupt ist von Obamas Wahlsieg überzeugt

Mit Blick auf die bevorstehende US-Präsidentenwahl bescheinigte der Demokrat Carter seinem Parteikollegen und Amtsinhaber Barack Obama gute Chancen auf einen Wahlsieg: "Ich bin von seiner Wiederwahl überzeugt."

Vor allem in den für den Wahlausgang wichtigen US-Bundesstaaten Ohio und Pennsylvania halte sich Obama sehr gut. Zudem habe sich der Hurrikan "Sandy" politisch als "kleiner Vorteil" für Obama erwiesen. Für sein Katastrophenmanagement sei er sogar von den Republikanern gelobt worden.

Von Bochum reist Jimmy Carter nach Haiti

Carter trug sich bei seinem Besuch in Bochum auch ins goldene Buch der Stadt ein. Als nächstes Ziel seiner internationalen Reisen nannte er Haiti. Dort wolle er den Wiederaufbau des 2010 von einem schweren Erdbeben heimgesuchten Landes unterstützen helfen.

Mit seinem von ihm gegründeten Carter Center für Menschenrechte ist er seit vielen Jahren als Vermittler in verschiedenen Konflikten aktiv. Im Jahr 2002 erhielt für seine Bemühungen um Frieden und Einhaltung der Menschenrechte den Friedensnobelpreis. (dapd)