Frida Gold über das Songschreiben und Zukunftspläne

Heimspiel für Frida Gold in der Zeche Bochum am vergangenen Samstag. Sängerin Alina (Mitte), rechts neben ihr Gitarrist Julian.
Heimspiel für Frida Gold in der Zeche Bochum am vergangenen Samstag. Sängerin Alina (Mitte), rechts neben ihr Gitarrist Julian.
Foto: WAZ
Für die Band Frida Gold aus Hattingen ist Songwriting ein regelrechter Kampf und kein demokratischer Prozess. Im Interview sprechen die beiden Kreativköpfe Alina Süggeler und Andreas Weizel über Karriere, Heimat, 1Live und ihre Zukunftspläne.

Bochum/Hattingen.. Heimspiel für Frida Gold. Ausverkauftes Haus in der Zeche Bochum. Die Kreativköpfe der Elektro-Pop-Band Alina Süggeler (Gesang) und Andreas „Andi“ Weizel (Bass) sprechen mit WAZ-Redakteur Nikos Kimerlis über ihre Karriere, die spätestens nach der Hitsingle „Wovon sollen wir träumen“ (Goldstatus) steil nach oben geht.

Hallo ihr beiden. Und herzlichen Glückwunsch zur ersten Million.

Alina: Million? Wie das?

Zumindest an Klicks habt Ihr es geschafft. Bei Google erhält man beim Eintrag „Frida Gold Interview“ aktuell mehr als 1,26 Millionen Treffer.

Andi: Wow, das hatten wir gar nicht gewusst. Ehrlich. Ein tolles Ergebnis.

Habt ihr eigentlich eine grobe Vorstellung davon, wie viele Konzerte und Interviews Ihr in 2011 gegeben habt?

Alina: Mehr als 150 Konzerte waren es, glaube ich. Die Zahl der Interviews kann keiner von uns mehr zählen.

Wie kann es denn da sein, dass heimische Radiosender es zunächst vermieden haben, Eure Songs zu spielen?

Alina: Tja, offenbar hat man sich bei 1Live ziemlich schwer getan mit uns. Ich frage mich auch, warum das so gehandhabt wurde, schließlich wurde im Nachhinein immer herausgestellt, dass wir eine Ruhrgebiets-Gruppe sind. Vielleicht waren wir einigen einfach zu poppig, unsere Musik denen zu Elektro-lastig.

Verlosung Und jetzt bekommt ihr auch noch die 1Live-Krone . . .

Andi: Langsam. Wir sind erst einmal nur nominiert (Kategorie: Beste Single, Anm. d. Red.). Mal schauen, was nächste Woche daraus wird.

In den Medien wird mal verbreitet, Frida Gold kämen aus Hattingen, mal aus Bochum. Könnt Ihr das Rätsel endgültig auflösen?

Alina: Sicher. Unsere Wurzeln liegen in Bochum. Hier haben Andi und ich uns lieben gelernt, haben wir zusammen gewohnt. Und hier sind auch unsere Musik und unsere Songs entstanden. Insofern sagen wir gerne Bochum. Wir haben aber auch nichts dagegen, uns als Band aus dem Pott nennen zu lassen, denn auch zu Hattingen haben wir als Gruppe einen enge Beziehung.

Apropos Hattingen. Könnt Ihr da noch problemlos bewegen und ungestört proben, etwa beim örtlichen CVJM?

Alina: Das geht tatsächlich immer noch. Ich wohne ja zurzeit in Hattingen und habe dort nur gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen begegnen uns mit sehr viel Respekt und lassen uns in Ruhe. Keiner tritt uns laufend die Türen ein.

Also Heimat als Ruhe- und Kreativinsel für neue Songs?

Andi: Ganz sicher.

Alina: Aber nicht nur. Wir haben uns vorgenommen, im Frühjahr mal weit weg ans Meer zu fahren oder uns New York anzuschauen. Eben schöne Orte, an denen wir inspiriert werden können.

Womit wir beim Thema neues Album wären. Wer hat beim Komponieren eigentlich die Hosen an?

Andi: Songwriting ist kein demokratischer Prozess, sondern ein echter Kampf. Wir ergänzen uns da eigentlich prima, fordern uns aber dafür auch ständig gegenseitig heraus. Anstrengend, aber gut. Alina treibt mich an, Melodien und Texte zu Ende zu schreiben.

Ihr habt gerade „Gold“ von Spandau Ballet gecovert. Gibt das die künftige Richtung vor, oder darf man auf Überraschungen hoffen, etwa ein wenig Rock?

Alina: Das musikalische Gewand von Gold ist für uns schon richtungsweisend. Eine 180-Grad-Wende wird es daher nicht geben. Wir bleiben unserem Popstil treu.

Trotz Deiner Neigung für ständige Wechsel – auch bei bei Outfits? Siehe die extrem kurzen Haare jetzt.

Alina: Modische Wechsel kommen von meiner Lust nach ständiger Veränderung. Die Outfits sind Ausdruck meiner Gefühle. Und denen gebe ich mich gern hin.

Also auch kein Wechsel mehr hinter die Kamera für Model-Shootings, oder etwa für ein Männermagazin?

Alina: Anfragen in der Richtung gibt es genug. Aber es ist immer eine Frage des Zeitpunkt und der Wertigkeit, was man wann bewirbt. Ich schließe es nicht aus und sage daher: Das kann warten.

Zu Gunsten von neuen Schaufenster-Konzerten, so wie damals im Jungle in Bochum?

Andi: Gut möglich. Das war eine echt super Sache. Wir haben gefallen daran gefunden, Musik in einem anderen Kontext zu stellen. Von daher werden solche Auftritte sicher wieder folgen. Vielleicht im Frühjahr 2012 und auch wieder hier im Sektor.

Und bei Bochum Total?

Alina: Möglich, wobei sich da die Frage der Überpräsenz stellt. Wir haben dort ja erst in diesem Jahr gespielt.

Und immerhin seid ihr mit Kylie Minogue getourt, habt mit Udo Lindenberg gespielt. Das dürfte manch größere Tür öffnen, oder?

Andi: Ja, das war eine ganz tolle Erfahrung für uns. Konkret kann ich nicht sagen, was dadurch als Nächstes kommt, aber es stimmt sicher, dass so große Namen ein Türöffner sind.

Wie sind diese Stars denn so im direkten Umgang. Konntet ihr Udo unter den Hut und in die Augen schauen?

Alina: Völlig unkompliziert. Udo hat sogar Hut und Sonnenbrille während der Arbeit abgenommen. Er hat sich im Vorfeld außerdem mit unserer Musik und der Band intensiv beschäftigt, sehr cool, er kannte viele Songs. Wir durften sogar Lieder von ihm verändern. Und Kylie hat überhaupt keine Star-Allüren.

Gab es da nicht mal den Wunsch von Andi, mit Kylie zu Abend zu essen, was ist daraus geworden?

Andi: Nichts. Aber dafür kam Gitarrist Julian glaube ich in den Genuss einer sehr angenehmen Umarmung.

Weihnachten verbringt ihr . . .

Alina und Andi: Definitiv zu Hause, keine Frage.

Und danach?

Alina: Gibt es zum Jahresabschluss noch ein großen Auftritt. Mehr dürfen wir aber noch nicht verraten.

Last but not least, welche CD oder Platte habt Ihr selbst zuletzt gekauft und gehört.

Andi: Mylo Xyloto von Coldplay. Echt gut.

Alina: Talk That Talk von Rihanna. Mag ich eben.

 
 

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