Fremde Pflanzen erobern das Ruhrgebiet

Jürgen Heuser von der Biologischen Station östliches Ruhrgebiet beschaut sich einen japanischen Staudenknöterich. Die Pflanze ist in Europa eigentlich nicht heimisch; ihr hemmungsloses Wachstum verdrängt andere, heimische Pflanzen. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Jürgen Heuser von der Biologischen Station östliches Ruhrgebiet beschaut sich einen japanischen Staudenknöterich. Die Pflanze ist in Europa eigentlich nicht heimisch; ihr hemmungsloses Wachstum verdrängt andere, heimische Pflanzen. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Bochum. Grüne Einwanderer bereiten dem Leiter der Biologischen Station östliches Ruhrgebiet, Jürgen Heuser, Sorgen. Die fremden Pflanzen, sogenannte Neophyten, verdrängen heimische Gewächse und können sogar für den Menschen schädlich sein.

Strahlender Sonnenschein, alles grünt und die ersten Bäume schlagen aus. Während die meisten Menschen hemmungslos die ersten Frühlingstage genießen, beobachtet Jürgen Heuser das Pflanzenwachstum etwas kritischer. Der Leiter der Biologischen Station östliches Ruhrgebiet in Herne hat es auf „Neophyten“ abgesehen, „das sind Pflanzen, die hier eigentlich nicht hin gehören“, erklärt er. Auch in Bochum tummeln sich diese grünen Invasoren.

„Ist ja nicht weiter schlimm“, könnte man meinen, aber die „Einwanderer“ bereiten durchaus Probleme. „Sie haben hier oft keine natürlichen Feinde und können sich deshalb fast ungehindert ausbreiten“, erklärt Heuser. Besonders dort, wo Pflanzen gerade wieder anfangen Flächen zu besiedeln, setzten sie sich durch – etwa auf Industriebrachen. „Und von denen gibt es hier im Ruhrgebiet natürlich einige“, so Heuser. Besonders fünf invasive Pflanzen beobachten die Mitarbeiter der Biologischen Station auch auf Bochumer Gebiet: Herkules-Staude, Sommerflieder, Goldrute, Japanischer Staudenknöterich und Springkraut.

Herkules kann die Haut verbrennen

„Zur Zeit beschäftigt uns natürlich der Knöterich am meisten“, meint Heuser. Denn er sprießt schon im April. Vor allem an Wegesrändern wuchert er – gut zu erkennen an den typisch herzförmigen bis dreieckigen Blättern. Das Problem: heimische Pflanzen bekommen dann weder Platz noch Sonne. „Außerdem ist dem Gewächs schwer beizukommen“, findet Heuser. Es vermehrt sich auch über die Wurzeln, ein winziges Stück reicht aus und es wird eine neue Pflanze daraus.

Andere Neophyten, wie die Herkules-Staude bergen sogar direkte Gefahren für den Menschen, sie enthalten „Fototoxine“, Stoffe, die durch UV-Strahlen verbrennungsartige Verletzungen der Haut hervorrufen können – eine Berührung kann reichen. Allerdings blüht sie erst im Hochsommer. Dann ist er aber kaum zu übersehen, immerhin kann der Blütenstand bis zu drei Meter hoch werden, die Blätter bis zu zwei Meter lang.

Dagegen wirken Goldrute, Springkraut und Sommerflieder geradezu wie Musterknaben. „Das Problem bei ihnen ist hauptsächlich, dass sie heimische Arten verdrängen“, so Heuser. Das kann aber auch folgen haben: Das Springkraut etwa bietet Bienen nicht genug Nahrung und die Goldrute hält den Boden bei nicht so gut fest, wie heimische Konkurrenten.

Zwei Drittel der Arten nicht heimisch

„Es ist deshalb wichtig, dass wir die Neophyten im Auge behalten und notfalls bekämpfen“, sagt Heuser. In Bochum stehen verschiedene Areale unter Beobachtung. Genauere Erhebungen der Verbreitung der invasiven Pflanzen gibt es aber nicht. „Überall dort, wo Pflanzen ehemals genutztes oder bebautes Gebiet zurückerobern, wuchern die Neophyten“, führt Heuser aus. Er geht davon aus, dass auch auf Industriebrachen rund zwei Drittel der Arten nicht heimisch sind.

Es ist allerdings schwer, gegen die „Einwanderer“ vorzugehen. Immer wieder gibt es Ausreiß-Aktionen, aber die Neophyten halten sich. Es scheint, als sei kein Kraut gewachsen gegen die fremden Pflanzen.

 
 

EURE FAVORITEN