Frank Goosen brilliert mit Trapattoni-Nummer beim Zeltfestival Ruhr

Thomas Schmitt
Frank Goosen beim Zeltfestival Ruhr 2011. Foto: Ingo Otto
Frank Goosen beim Zeltfestival Ruhr 2011. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Frank Goosen ist Stammgast auf dem Zeltfestival Ruhr in Bochum. Sein Auftritt vom Samstag gehört sicherlich zu den Höhepunkten des diesjährigen Festivals. Natürlich spielte der VfL Bochum eine wichtige Rolle.

Bochum. Die künstlerische Bewältigung der aktuellen VfL-Krise ist mindestens so groß(artig) wie die Krise selbst. Mit einer fast zehnminütigen Brandrede à la Trapattoni lispelte sich Frank Goosen am Samstagabend vor mehr als 2000 begeisterten Zuhörern italo-mäßig seinen Fußball-Frust von der Seele. Was der VfL Bochum spiele „isse nich schön“, aber ein echter Fan „musse immer wieder kommen“ – „Im Sommer und wenn scheiße kalt.“

Die neue Nummer geriet zum Höhepunkt des Best-of-Programms „Heimat, Fußball, Rockmusik“ Goosen: „Das mittlere Thema wollte ich eigentlich streichen.“. Der Bochumer Kabarettist und Autor zahlreicher Bücher über Bochum, das Ruhrgebiet und Fußball strapazierte zwei Stunden lang intelligent und heimatverliebt wie immer das Zwerchfell seiner Fans.

Fußball ist seine große Leidenschaft

Die bewährte Sicht auf seine Heimatstadt von der Brücke am Lohring („Schön ist das nicht.“) gehörte ebenso dazu wie Anekdoten aus der Familiengeschichte über „Rolladen“ und Rosenkohl („Wenn sich das Auge schon weigert.“) und die pickeligen 17-Jährigen, die sich im Fußballstadion am Zapfhahn wundern, dass Männer in der Halbzeit Bier trinken. „Da gehsse besoffen Bier holen und komms nüchtern zurück.“

Fußball, das ist unumstritten die große Leidenschaft des 45-Jährigen, der seit Ende 2010 im Aufsichtsrat des VfL Bochum auch im echten Leben Verantwortung übernommen hat. Was ihn nicht daran hindert, sich, seine Freunde Mücke und Scotty und alle anderen Fans sowie den Verein köstlich auf die Rolle zu nehmen.

„Eine Stimmung wie mille Jahre nicht mehr“

Die Gabe über sich und seine Marotten zu lachen, das Ruhrgebiet zu sehen und zu lieben, wie es war und wie es ist, das ist Goosens Stärke, sein Rezept für den anhaltenden Erfolg – der sich beim VfL bekanntlich nicht einstellen will. Das quält den Mann, liefert ihm zugleich aber auch Steilvorlagen für Großartiges – „Giovanni“ Goosen gehört dazu.

Ironisch lässt der Meister der freien Rede dabei die vergangene Saison Revue passieren: unter anderem das 1:4 gegen „Ingolstatte“, der grandiose 1:0-Sieg gegen „Cottebusse – eine Deehmütigung“ und die Relegationsspiele gegen Gladbach. „Eine Stimmung wie mille Jahre nicht mehr“, hat er im Mai ausgemacht, um zum Auftakt der neuen Saison nach dem Spiel in Düsseldorf festzustellen: „Iss sich selbe Scheiße wie letzte Saison.“

Leseprobe aus seinem neuen Roman

Nach „ich habe Pause“ thematisiert Goosen im zweiten Teil des Abends die 70er und 80er-Jahre. Protagonisten sind dickbusige Frauen im Blümchenkittel und Tanten in knallengen Häkel-Pullis. Nebenbei erfahren die Besucher, was Goosen wirklich werden wollte: „Hustinettenbär!“

Als Zugabe gibt es noch etwas Neues: eine Leseprobe aus seinem demnächst erscheinenden Roman „Sommerfest“. Den gelungenen Abend beendet Goosen mit einem Ratschlag von seiner Omma: „Habt euch lieb, aber macht hinterher auch wieder sauber!“