Fotografien spüren eindringlich der Ästhetik des Verfalls nach

Ein gruseliges Beispiel: „lost urology« ein Bild von Peter Untermaierhofer
Ein gruseliges Beispiel: „lost urology« ein Bild von Peter Untermaierhofer
Foto: Peter Untermaierhofer
Die dritte UrbExpo in der Rotunde widmet sich wieder den Bildern von Lost Places. Fotografen kommen diesmal aus Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und Slowenien. Über siebzig Bilder gehen genau dahin, wo alle anderen schon weg sind.

Bochum. Der Ästhetik des Verfalls ist nun schon die dritte UrbExpo gewidmet. Die Spielart der Dokumentarfotografie, die sich verlassenen Orten widmet, wird immer populärer, wofür auch die große Zahl von 500 Bewerbungen spricht, die Initiator und Kurator Olaf Rauch in diesem Jahr erhalten hat. In der Schau, die im Vorjahr an gleichem Ort 1300 Besucher hatte, sind diesmal 74 meist großformatige Fotografien zu sehen.

Die buchstäblichen Schrott-Plätze, die verlassenen Industrieanlagen, alte Kasernen und Krankenhäuser, stillgelegte Hotels und kaputten Läden üben in mehrfacher Hinsicht besondere Faszination aus. Einerseits - vielleicht die stärkste Wirkung - erinnern sie den Betrachter an die eigene Zeitlichkeit, die eigene Vergänglichkeit. Die verrottende Fabrik als ein Vanitas-Symbol des Industriezeitalters.

Erinnerung an die gesellschaftliche Verantwortung

Zum andern will Kurator Rauch in ihnen auch eine Erinnerung an die gesellschaftliche Verantwortung sehen, wenn er darauf hinweist, dass die meisten der hier dokumentierten Orte solche waren, die für Menschen von existenzieller Bedeutung waren.

Weiterhin dürften die Fotografien auch eine Lust an der Authentizität befriedigen, ist doch der Dokumentargestus tief in sie eingeschrieben. Zum Ehrenkodex der oft am Rande der Illegalität arbeitenden Fotografen gehört es, nicht ins Vorgefundene einzugreifen. Außer Fußspuren soll nichts zurückbleiben.

Wahllos bunte Graffiti

Ein wenig schade ist es deshalb, dass die aktuelle Schau, nicht mehr so großartig in die Rotunde passt, wie es noch in den Vorjahren der Fall war. Hier im alten Katholikentagsbahnhof, der mit dem rauen, aufgelassenen Mauerwerk zwei Jahre lang perfekten Hintergrund bieten konnte, ist ziemlich wahllos gesprayt worden, bunte Graffiti haben viel Anmutung ziemlich dreist platt gemacht.

Dass sich die Schau überhaupt halten konnte ist neben den Rotunde-Machern vor allem den Stadtwerken zu verdanken, die als Sponsor in die (knapp vierstellige) Bresche gesprungen waren, nachdem das Kulturbüro aufgrund der Haushaltsprobleme komplett absagen musste. Die Heimatbasis Bochum will Rauch nicht aufgeben, doch es gibt derzeit schon Gespräche, mit der Schau auch auswärts zu begeistern. Schließlich ist sowohl die Künstlerszene, wie auch die Fanschar weit verstreut. Die Szene durchlebt daneben auch eine Phase, die aus der Indiemusik bekannt ist: der vermeintliche Underground kritisiert die Schau als „Ausverkauf“. Das klassische Indie-Mainstream-Problem. Dazu müssten die Abverkäufe aber kräftig anziehen.

 
 

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