Forscher der Ruhr-Uni Bochum entdecken Hormon, das Männer treu macht

Forscher der Ruhr-Uni Bochum sind dem Bindungsphänomen auf der Spur.
Forscher der Ruhr-Uni Bochum sind dem Bindungsphänomen auf der Spur.
Foto: Thinkstock
Weshalb sind sich Paare treu? Alles ein biologischer Mechanismus, sagen Forscher der Ruhr-Uni Bochum und des Bonner Universitätsklinikums. Sie sind dem Bindungsphänomen auf der Spur - und sehen des Rätsels Lösung im Hormon Oxytocin. Dieses mache Männer monogam.

Bochum/Bonn. Nicht etwa Moralvorstellungen halten Liebende, Paare oder Eltern zusammen - des Rätsels Lösung liegt im Hormon Oxytocin. Dieser Meinung sind zumindest Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum, des Bonner Universitätsklinikums und der Universität Chengdu (China). Sie fanden heraus, dass das als Kuschelhormon bekannte Oxytocin bei Männern eine wichtige Rolle für Treue und monogames Verhalten spielt.

Haben Männer eine erhöhte Oxytocin-Dosis im Gehirn, erscheint die eigene Partnerin im Vergleich mit anderen Frauen attraktiver, wie die Experten in der Fachzeitschrift "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") berichten. Die Forschergruppe hatte 40 heterosexuellen Männern, die in einer Partnerschaft lebten, ein Oxytocin-Nasenspray verabreicht und die Auswirkungen des Hormon-Schubs dokumentiert.

Monogamie bei Säugetieren nicht sehr verbreitet

Eigentlich sei Monogamie bei Säugetieren nicht sehr verbreitet, sagte der Leiter der Studie, Professor René Hurlemann vom Universitätsklinikum Bonn. "Der Mensch bildet da eine Ausnahme." Die Wissenschaft rätsele daher seit langem, warum Paare treu und zweisam sind. Die Ergebnisse der Studie deuteten darauf hin, dass Oxytocin eine Ursache dafür sein könnte.

Das Kuschelhormon sorge auch dafür, dass beim Anblick der eigenen Partnerin das Belohnungszentrum im männlichen Gehirn aktiviert wird. Dadurch werde auch die Zweierbindung und monogames Verhalten gestärkt. "Dieser biologische Mechanismus ist einer Droge sehr ähnlich", sagt Hurlemann. Bei Anblick von Kolleginnen oder Bekannten bleibe diese Wirkung aus. "Sowohl in der Liebe wie auch beim Konsum von Drogen streben Menschen nach der Stimulation des Belohnungssystems im Gehirn."

Depressionen und Trauer nach Trennung

Dies könne auch erklären, warum Menschen nach einer Trennung von ihrem Partner in eine Depression oder tiefe Trauer verfallen: "Das Belohnungssystem ist mangels Oxytocin-Ausschüttung unterstimuliert und quasi auf Entzug“, so Hurlemann. Allerdings wäre eine Therapie mit dem Bindungshormon möglicherweise kontraproduktiv: Oxytocin-Gaben könnten das Leiden eventuell noch verstärken, weil die Sehnsucht nach dem geliebten Partner dadurch nur noch größer würde.

Auf den ersten Blick habe Monogamie keinen großen Sinn. Aus klassischer Sicht der Evolutionsbiologie haben Männer einen Vorteil, wenn sie ihre Gene durch viele verschiedene Partnerinnen möglichst stark verbreiten. Doch spielt auch ein anderer Aspekt eine große Rolle: „Wenn Oxytocin die Paarbindung stärkt, wächst dadurch die Stabilität der Ernährer und damit die Überlebenschance des Nachwuchses“, erläutert Hurlemann. Und über die Kinder werden wiederum die eigenen Gene weiterverbreitet. (mit dpa)