Förderverein und Propst streiten über Verbleib der Fenster der Marienkirche

Jimena Salloch
Bis 2005 schmückten die Buntglasfenster die Marienkirche. Foto: Michael Korte
Bis 2005 schmückten die Buntglasfenster die Marienkirche. Foto: Michael Korte
Foto: Michael Korte
Der Förderverein Pro-Marienkirche und Propst Michael Ludwig liegen über Kreuz. Der Propst verweigert jegliche Auskunft über den Verbleib der Buntglasfenster des Hochchores, die 1968 eingebaut worden waren.

Bochum. Die drei Buntglasfenster des Hochchores der Marienkirche Bochum-Mitte sind seit 2005 verschwunden. Zurück blieb die schnöde Schutzverglasung. Bereits vor sechs Jahren ließ der ehemalig Propst Herrmann Josef Bittern die wertvollen Glasfenster ausbauen. „Aus Wut, damit die Kirche zerfällt“, sagt Volkhard Lange, Vorsitzender des Fördervereins Pro-Marienkirche. „Aus Sicherheitsgründen, damit die Scheiben des Gotteshauses nicht eingeschlagen werden“, sagt der derzeitige Propst der Propsteikirche „Peter und Paul“, Michael Ludwig. Zu nah stünde das Gotteshaus schließlich am Bermudadreieck.

Noch größer als die Frage, warum die Buntglasfenster nicht mehr an Ort und Stelle hängen, bleibt wohl diese: Wo sind die kostbaren Scheiben geblieben? Bereits seit Jahren richtet sich der Förderverein der Marienkirche mit diesem Anliegen immer wieder an die Pfarrei: ohne Erfolg. Eine Antwort bekamen die Mitglieder bis heute nicht. Auch auf WAZ-Anfrage weigerte sich Propst Ludwig, den Lagerungsort der Fenster, die 1968 zum 100-jährigen Jubiläum der Kirche eingebaut wurden und durch Spendengelder finanziert worden sind, zu benennen. „Das sage ich auch Ihnen nicht“, so die Antwort. In Sicherheit seien sie, in Kartons gelagert. Doch wo?

Fenster wurden unerlaubt ausgebaut

Fakt ist: Die Fenster wurden unerlaubterweise im August 2005 ausgebaut. Ein Rückblick: Im Streit um den Abriss der Marienkirche setzte der damalige Propst Bittern in einer öffentlichen Sitzung im großen Ratssaal der Stadt den Politikern die Pistole auf die Brust mit den Worten: „Wenn kein Abriss genehmigt wird, nehme ich morgen die Fenster raus und lasse das Haus verfallen.“ Eine Umnutzung der Kirche, wie es auch der Förderverein bis heute fordert, wollte er keinesfalls zustimmen, verwarf Alternativ-Vorschläge als „brotlose Kunst“ und forderte: „Ich will einen Vorschlag sehen, der zwei Millionen mitbringt.“ (die WAZ berichtete am 6. April 2005). Vier Monate nach dieser Drohung ließ er tatsächlich die Scheiben ausbauen und das, obwohl die Stadt im April ein einjähriges Moratorium auferlegt hatte und die Marienkirche zu diesem Zeitpunkt somit nicht hätte verändert werden dürfen. Den Ausbau der Verglasung beobachtete seinerzeit Architekt Dieter Oligmüller aus seinem Büro an der Viktoriastraße. „Die Fenster wurden von einem Düsseldorfer Unternehmen abtransportiert“, sagt er. Auch er wüsste bis heute zu gerne, wo sich die Scheiben, angefertigt vom Künstler Heinrich Wilthelm, befinden.

Förderverein macht sich weiter auf die Suche

Das Bistum Essen kann zum Verbleib der Fenster der Gemeinde St. Peter und Paul nichts sagen. Zur Frage, ob es denn üblich sei, dass der Lagerungsort ausgebauten Kircheninventars derart geheim gehalten wird, antworte Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums Essen. „Nein, eigentlich nicht.“ Zwar bleibt es jeder Pfarrei unbenommen, wie sie ihr Interieur neu einsetzt, meist ginge es an eine Nachbargemeinde. Auch verkaufen dürften sie es, wenn Kirchenvorstand, die Pfarrei sowie der Propst zustimmen. Doch das sei laut Wissen des Bistums Essen nicht geschehen.

So wird sich der Förderverein Bochum-Mitte, mit Volkhard Lange als Vorstand, weiterhin auf die Suche nach der Verglasung machen. Eine Antwort bekommt er vom Propst Ludwig nicht. „Ich rede nicht mit Lange“, sagt Propst Ludwig. „Der macht nur Ärger.“ Lange hingegen zeigt sich enttäuscht darüber, dass die Kirche nicht zu dem Dialog bereit sei, den sie in der Öffentlichkeit stets anpreise. Der gläubige Christ betont: „Ich kann dieses Bodenpersonal mittlerweile überhaupt nicht mehr verstehen.“