Förderschule in Bochum wird vorübergehend Erstaufnahmelager

Andreas Rorowski
2013 wurde die Förderschule an der Lewackerstraße in Linden geschlossen.
2013 wurde die Förderschule an der Lewackerstraße in Linden geschlossen.
Foto: WAZ
140 Flüchtlinge kommen am Donnerstag oder Freitag nach Bochum. Die Stadt nimmt sie kurzfristig auf, weil die zentralen Erstaufnahmelager des Landes überfüllt sind. Sozialdezernentin Britta Anger sagt: „Das ist eine Notmaßnahme.“

Bochum wird kurzfristig 140 Flüchtlinge aufnehmen und hat dazu die ehemalige Förderschule an der Lewackerstraße in Linden als Erstaufnahmelager hergerichtet. „Das ist eine Notmaßnahme“, erklärt Sozialdezernentin Britta Anger. Die zentralen Aufnahmeeinrichtungen des Landes seien überfüllt.

Am Freitag habe die Bezirksregierung angefragt, ob die Stadt helfen könne, erbeten wurde Platz für 200 Personen. „Sie hätte auch eine Zwangsanordnung vornehmen können“, so Anger. Übers Wochenende seien dann Möglichkeiten zur Unterbringung geprüft worden. Die Lewacker-Schule biete sich als vorübergehende Einrichtung an, alle notwendigen Schritte seien eingeleitet worden.

"Können Flüchtlinge aufnehmen"

„Wir sind vorbereitet und können Flüchtlinge aufnehmen“, so Anger. Im Laufe des Dienstags wurden in der früheren Schule die ersten Vorbereitungen getroffen. Das Gesundheitsamt kümmert sich um die medizinische Versorgung. Feuerwehr und Zentrale Dienste statten die Schule mit Betten, Möbeln und Decken aus. Dolmetscher stehen bereit, die Reinigung des Gebäudes ist organisiert. Ein notwendiger, zusätzlicher Fluchtweg werde noch eingebaut. Das DRK stellt Verpflegung und Betreuung sicher. Je vier bis acht Personen sollen in den Klassenzimmern mit einer Größe von etwa 60 qm untergebracht werden. Sollten nicht nur Familien, sondern auch Einzelpersonen ankommen, würden die Räume noch mit Trennwänden unterteilt, so Anger.

Am Donnerstag oder Freitag treffen die Flüchtlinge ein, die überwiegend aus Syrien, aber auch aus Serbien, Mazedonien, Irak und Eritrea stammen. Sie bleiben voraussichtlich zwei bis drei Wochen. Anger: „Die Kosten übernimmt zu 100 Prozent das Land.“

"Ihre Schicksale berühren uns"

„Wir lassen die Flüchtlinge nicht allein. Ihre Schicksale berühren uns sehr“, sagt Stadtdirektor Michael Townsend. „Angesichts der humanitären Katastrophen, die wir jeden Tag im Fernsehen erleben, müssen wir handeln. Die Stadt Bochum ist sich ihrer Verantwortung bewusst und wird alles dafür tun, den vertriebenen Familien, denen oft nichts als ihr Leben geblieben ist, zu helfen.“

1200 Menschen sind bislang in den vorhandenen städtischen Übergangsheimen und zusätzlich angemieteten Wohnungen untergebracht. 620 Flüchtlinge hat die Stadt seit Jahresbeginn aufgenommen.

Am Donnerstagabend lädt die Stadt zu einer Info-Veranstaltung um 18.30 Uhr in die Bezirksverwaltungsstelle Südwest, Hattinger Straße 389, ein. Sozialdezernentin Britta Anger, Ute Bogucki; die Leiterin des Amtes für Soziales und Wohnen, und Bezirksbürgermeister Marc Gräf werden über die aktuelle Situation berichten.