Flüchtlingskinder lernen Deutsch bei Uni-Projekt in Bochum

75 Flüchtlingskinder nehmen derzeit an den „Forschertagen“ der Ruhr-Universität teil – und lernen ganz nebenbei die deutsche Sprache.
75 Flüchtlingskinder nehmen derzeit an den „Forschertagen“ der Ruhr-Universität teil – und lernen ganz nebenbei die deutsche Sprache.
Foto: FUNKE Foto Services
  • 75 Kinder aus zehn Nationen nehmen teil
  • Auf dem Stundenplan stehen Biologie, Chemie, Physik und Geographie
  • 30 Studierende und sechs Dolmetscher sind aktiv

Bochum. Seit Montag experimentieren und forschen Flüchtlingskinder aus dem gesamten Ruhrgebiet in vier Fachbereichen an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Organisator Thomas Völkner ist überwältigt von der positiven Resonanz und den motivierten Helferinnen und Helfern. In langwieriger und mühevoller Kleinarbeit initiierte er die „Forschertage“ mit der Unterstützung des kommunalen Integrationszentrums und des Alfried-Krupp-Schülerlabors.

Vier Tage lang erhalten die Kinder von Studierenden für das Lehramt Einblicke in die Bereiche Biologie, Physik, Chemie und Geografie, wobei sie jeden Tag einem anderen Fach zugeordnet werden. Beispielsweise erkundete am Dienstag eine der Biologiegruppen die Aquakultur und deren Fauna im Botanischen Garten. „Wir wollen den Kinder zeigen, wie interessant es ist, in der Natur zu sein“, erzählte Fabian Golle.

Experimente mit Milch

Der Biologiestudent hat zusammen mit Kommilitonen sogar ein Begleitheft erarbeitet, in welchem die vermittelten Inhalte noch einmal leicht verständlich erklärt werden. „Wir wussten nicht, wie hoch der Alphabetisierungsgrad der Kinder ist, deshalb haben wir uns für eine simple und eingängige Informationsvermittlung entschieden.“

Zeitgleich zur Entdeckungstour der Biologen durch den Botanischen Garten bezogen die Physiker und Chemiker Stellung im Labor. Während die ersten in verschiedenen Experimenten Gläser zum Klingen brachten oder den Bernoulli-Effekt erprobten, experimentierten die anderen mit Milch und deren Inhaltsstoffen. „Wir möchten den Kindern mit ihnen bekannten Alltagsprodukten die Möglichkeiten der Chemie nahe bringen“, erklärte Laura Schröder ihre Wahl. Die Doktorandin der Chemiedidaktik ließ die interessierten Nachwuchsforscher in einem anderen Experiment Butter und Buttermilch aus Milch herstellen, die diese dann sogar probieren durften. „Wir wollen hier eine Andockstation schaffen und Interesse an der Wissenschaft wecken“, fasste Physikstudentin Demet Göksen die Intention der „Forschertage“ zusammen.

Sprachbarriere ist kein Hindernis

Dieses Vorhaben schien durchaus gelungen, so hatten alle Kinder erkennbar Freude und lachten viel. Vor allem auch bei den Geografen, die die Kinder Erdproben entnehmen und durch Fühlen deren Konsistenzen testen ließen. Die Ergebnisse wurden dann gemeinsam gesammelt.

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Die Sprachbarriere stellte dabei nie ein Hindernis dar. „Wir verständigen uns mit Händen und Füßen. Das klappt wunderbar“, erklärte Mohamed Ali Saidi. Der Bildungsreferent und Studierende der Geografie ist sogar in seiner Freizeit als ehrenamtlicher Flüchtlingsbegleiter bei der Bildungseinrichtung Velper tätig.

 
 

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