Flüchtlinge machen in Heimkehrer-Dankeskirche Theater

Christopher Becker
Einige Flüchtlinge führten das Stück selbst auf.
Einige Flüchtlinge führten das Stück selbst auf.
Foto: FUNKE Foto Services
Für die Weihnachtsfeier mit Menschen aus der Turnhalle in Weitmar-Mark und ehrenamtlichen Helfern hat Hajo Salmen ein kurzes Bühnenstück vorbereitet.

Bochum-Weitmar. Sie haben sogar einen Tannenbaum weihnachtlich geschmückt. Berührungsängste mit der christlichen Kultur sind ihnen fremd. Kein Wunder also, dass nicht nur ein Weihnachtsbaum in der Turnhalle steht, sondern auch 45 Flüchtlinge ins Pfarrhaus der Heimkehrer-Dankeskirche zur Adventfeier kamen.

Höhepunkt dabei war sicherlich das Theaterstück, das Hajo Salmen für diesen Anlass geschrieben hatte und von den Flüchtlingen selbst in deutscher und arabischer Übersetzung aufgeführt wurde. Den Mythos der Heiligen Drei Könige wusste Salmen in die Gegenwart zu übertragen: Statt Weihrauch, Gold und Myrrhe („..da weiß sowieso niemand, was das ist“) hatten die Reisenden Dankbarkeit, Kraft und Hoffnung im Gepäck. Sie suchten in Bochum einen hell-leuchtenden Stern, hätten aber bis vor Kurzem nur den Opel-Astra finden können oder aktuell das Starlight-Express-Theater. Am Ende kamen die drei Weisen aus dem Morgenland dennoch an.

Miteinander vertiefen

Vor allem Regisseur Omar Albayati, geflohen aus Bagdad, ging in der Umsetzung des Stoffs auf der Bühne auf. „Er war anfangs sehr zurückhaltend, hat eine spannende Entwicklung durchlaufen“, schilderte Salmen. Albayati ist Profi, arbeitete im Irak als Kameramann. Nach der Aufführung zeigte er noch einen von ihm produzierten Kurzfilm. Gerne würde er auch in Deutschland künstlerisch tätig werden, seine Geschichte, die Hintergründe anderer Flüchtlinge aus der Turnhalle an der Karl-Friedrich-Straße szenisch festhalten. „Generell könnte ich mir vorstellen, nach den guten Erfahrungen ein Theaterprojekt mit den Flüchtlingen auf den Weg zu bringen. Mal sehen, ob wir dafür Unterstützung finden“, kündigte Salmen an.

Doch ging es in der Weihnachtsfeier nicht nur um Schauspiel. Die Verknüpfung der Kulturen stand im Vordergrund. So machten Flüchtlinge, ehrenamtliche Helfer, die evangelischen Gemeinden und die Flüchtlingshilfe Südwest aus dem Abend ein Gemeinschaftsprojekt. Die katholische Kirche stellte die Räume zur Verfügung, zudem griff der Kochclub am Herd unter die Arme. Schließlich sei es Wunsch der Flüchtlinge gewesen, selbst für die Verpflegung zu sorgen; es gab einen Mix aus mexikanisch-orientalischer Küche.

„Wir wissen, dass viele Menschen, die hier sind, sich sorgen machen um ihre Familien, ihre Zukunft. Trotzdem hoffen wir, heute Abend eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, die uns Kraft gibt, durch das, was schwierig ist, hindurchzukommen“, sagte Stefanie Klausmeier aus den Reihen der ehrenamtlich Engagierten.

In den Sprachkursen hätten sich viele bereits kennengelernt. Bei der Weihnachtsfeier galt es, das Miteinander noch einmal zu vertiefen. „Zu sehen, wie so viele Menschen aus unterschiedlichen Gruppen zusammenkommen, das gibt Hoffnung“, setzt Klausmeier nun auf Impulse, die weit über die Weihnachtszeit hinausgehen.