Flüchtlinge machen auf ihre schwierige Lage aufmerksam

Andreas Rorowski
Auf ihre schwierige Lage haben mehr als 30 Flüchtlinge am Donnerstag bei einer Kundgebung auf dem Rathausplatz aufmerksam gemacht.
Auf ihre schwierige Lage haben mehr als 30 Flüchtlinge am Donnerstag bei einer Kundgebung auf dem Rathausplatz aufmerksam gemacht.
Foto: Andreas Rorowski
Sie fühlen sich schlecht informiert, beklagen die Unterbringungssituation und wollen arbeiten. Dennoch ist die Dankbarkeit der Flüchtlinge groß.

Bochum. Mehr als 30 Flüchtlinge aus den Unterkünften an der Querenburger Straße und „Auf dem Alten Kamp“ haben am Donnerstag vor dem Rathaus auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Die Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Iran leben seit mehreren Monaten in Behelfsunterkünften und drängen auf Besserung.

„Wir danken Deutschland“ steht auf einem der Plakate. „Wir sind den Deutschen sehr dankbar“, sagt Dikran Tokmakji, ein 24-jähriger Syrer, in Englisch. Aber die Lage in ihren Unterkünften sei schwierig, „Auf dem alten Kamp“ fühlen sich die 60 Männer vergessen. „Es kommen immer neue Leute, denen Wohnungen zugewiesen werden. Aber wir müssen bleiben und mit unseren Anträgen geht es nicht vorwärts.“

Dort wie auch an der Querenburger Straße, so ist zu vernehmen, sei es außerdem kalt, laut, schmutzig. „Aber vor allem fühlen sich die Menschen schlecht informiert“, sagt Amid Rabieh. Der 35-jährige Rabieh, Vorsitzender der Linken in Bochum, spricht „Farsi“, Persisch, und übersetzt das, was den Männern auf dem Herzen liegt.

Sie beklagen, dass es mit ihren Verfahren nicht vorwärts gehe und dass sie keine Wohnungen zugewiesen bekommen. „An dem Verfahren können wir nichts ändern“, erklärt Stadtdirektor Michael Townsend, der auf Englisch mit den Flüchtlingen spricht und dessen Erklärungen von einem Übersetzer weiter gegeben werden. Und Bochum weise erst Familien mit Kindern oder Kranken Wohnungen zu. Da die meisten Flüchtlinge alleinstehende Männer seien, warten noch viele von ihnen auf eine eigene Unterkunft.

"Wir wollen arbeiten"

„Wir wollen auch nicht dass uns der Staat unterstützen muss. Wir wollen arbeiten und selbst für uns sorgen“, sagt einer der Männer. Ein anderer zeigt in seinem Mobilfunkgerät ein Foto von einem von einem zerbombten Haus in der Heimat. Viele sorgen sich um ihre Familien. „Es ist die pure Verzweiflung, die sie hier auf den Platz bringt“, sagt Michael Townsend, der Verständnis für die schwierige Lage der Männer zeigt und ihnen sagt, die Stadt bemühe sich nach Kräften. „Ich versichere Ihnen, Sie sind in diesem Land sicher und Sie sind willkommen.“

Gleichwohl sieht Townsend weitere Schwierigkeiten auf die Verwaltung zukommen. „Wir dachten dass die Flüchtlingszahlen im neuen Jahr abnehmen. Aber es werden uns weiter wöchentlich 130 Menschen zugewiesen. Wenn das so weiter geht, weiß ich nicht, wie wir die im Sommer noch unterbringen sollen.“ Gestern Abend tagte erneut die Task Force. Eines der Themen: mögliche weitere Standorte für Unterkünfte.

Die Flüchtlinge betonen derweil, sie wollen nicht falsch verstanden werden. Ihre Dankbarkeit sei groß. Und: „Wir verurteilen die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln und sind sehr traurig darüber“, übersetzt Amid Rabieh.