Flüchtlinge integrieren sich beim Fußball

Trainer Sven Beeskow (vorn) bei der Lagebesprechung mit seiner Mannschaft.
Trainer Sven Beeskow (vorn) bei der Lagebesprechung mit seiner Mannschaft.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Werner Sport-Verein ermuntert Flüchtlinge zum Fußballspielen. Damit konnte auch die 2. Mannschaft gefestigt werden.

Bochum.. „Was große Vereine durch Fußball an Integration ermöglichen können, sollten auch kleine Vereine hinbekommen“, findet Peter Gajewski, der Geschäftsführer des Werner Sport-Vereins Bochum 06 (WSV).

Der 68-Jährige nahm deshalb im August 2014 gern die Idee von Jugendtrainer Abdi Aref (21) auf, Flüchtlinge aus umliegenden Heimen zum Fußball spielen beim WSV zu ermuntern. Gemeinsam mit dem damaligen Trainer Sven Beeskow der 2. Herrenmannschaft verfolgten sie da ein doppeltes Ziel: Den jungen Asylsuchenden einen Ort zum Fußball spielen, Deutsch lernen und zum Freundschaften schließen bieten. Und der Verein profitiert auch: Die kurz zuvor mit zehn Spielern vom SV Altenbochum 01 zum WSV gewechselte 2. Mannschaft gilt es, in der Kreisliga C spielfähig zu machen.

Zu Fuß ging es über die Berge in die Türkei

Die Idee kam gut an. Acht junge Männer, die derzeit im Flüchtlingsheim Grevendieksfeld auf ihre Anerkennung warten, freuen sich über das Angebot und kommen bis heute gerne. Zum Beispiel Hamsa aus Marokko, David aus Eritrea sowie Khabat und Mohamad aus Syrien. „Es macht Spaß, zusammen Fußball zu spielen und sich über geschossene Tore zu freuen“, erklärt Khabat. Der 24-jährige Lehramtsstudent für Englisch und Arabisch floh im Sommer 2014 vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat, weil er keine Waffe in die Hand nehmen wollte: „Ich bin ein friedlicher Mensch.“ Zu Fuß ging es über die Berge in die Türkei.

Beim WSV fand er einen Ort, wo er sich – als Mensch und als offensiver Mittelfeldspieler – sicher fühlt. Sein Fazit: „Ich wurde hier gut aufgenommen. Die Leute sind sehr hilfsbereit. Ich kann hier gut Deutsch lernen und mehr über Deutschland erfahren. Keiner sagt: ,Du Scheiß-Ausländer’.“

Mohamad, der eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre hat, sieht das ebenso. Nach einer Flucht, die ihn von 2012 bis 2014 durch Auffanglager in Griechenland und Italien führte, freut sich der 37-Jährige auf seinen WSV, aufs Training, auf die Spiele, aufs gemütliche Zusammensitzen und die privaten Treffen darüber hinaus.

„Ich habe jetzt deutsche Freunde"

Der gelernte Schneider, der in Afrin (Syrien) im eigenen Unternehmen Abendkleider, Anzüge und auch Jeans auf Maß anfertigte: „Ich habe jetzt deutsche Freunde. Peter hilft, wo er kann. Abdi unterstützt mich beim Deutsch lernen.“ Nun sucht er eine Arbeitsstelle. Für bessere Deutschkenntnisse besucht er täglich einen Kurs.

.Die deutschen Kollegen sind ebenfalls zufrieden. „Bis jetzt passt es gut. Wir sind neue Freunde“, erklärt Stürmer Maik Lange, der derzeit als Gerüstbauer den Kölner Dom einrüstet. „Die spielen richtig guten Fußball“, merkt Spielführer Sven Fenninger an. Von Vorteil ist zudem, dass Afri und der langjährige WSV-Stürmer Asma Suphi Arabisch und Türkisch sprechen. Asma, der gerade eine Mechanikerausbildung macht: „Sie fühlten sich dadurch persönlich schneller angenommen.“

Bilanz von Trainer Sven Beeskow: „Das war für beide Seiten ein Gewinn. Die neuen Spieler machen richtig gute Fortschritte beim Deutsch lernen. Der WSV konnte die 2. Mannschaft im Spielbetrieb halten.“ Gajewski freut sich über das gelungene Miteinander: „Unsere Hilfe kommt bei Menschen an, die durch Krieg und Flucht viel erlebt haben.“

EURE FAVORITEN