Flammen in Klinik: Ursache scheint geklärt

Jürgen Stahl
Insgesamt 300 Einsatzkräfte rückten ab 2.30 Uhr in der Nacht zum Freitag zum Großbrand im Bergmannsheil aus. Zwei Todesopfer sind zu beklagen
Insgesamt 300 Einsatzkräfte rückten ab 2.30 Uhr in der Nacht zum Freitag zum Großbrand im Bergmannsheil aus. Zwei Todesopfer sind zu beklagen
Foto: dpa
  • Nach dem Großbrand im Bergmannsheil scheint die Ursache für das Feuer geklärt
  • Die Polizei spricht von selbstmordabsichten bei einer 69-jährigen Patientin
  • In deren Krankenzimmer war der Brand in der Nacht zum Freitag ausgebrochen

Bochum. Feuerwehrmänner sind hartgesotten. Es bedarf furchtbarer Momente, um die Helfer außer Fassung zu bringen. Die Nacht zum Freitag lieferte ein solches Schreckensszenario. Vielen der schwerkranken Patienten hätten Panik und Verzweiflung in den Augen gestanden. Sie bangten um ihr Leben. „Die Rettung verlangte uns alle Kräfte ab“, schildert Einsatzleiter Gottfried Wingler-Scholz. Und doch kam bei der Katastrophe im Bergmannsheil für zwei Menschen jede Hilfe zu spät. Sie starben im Krankenzimmer.

Warum? So lautete die meistgestellte Frage, als am Morgen die Flammen im Obergeschoss von Haus 1 bis auf wenige Brandnester gelöscht und alle 126 Patienten evakuiert waren. Warum brach gegen 2.30 Uhr ein derart verheerender Brand auf der Station für Septische Chirurgie aus, auf der Patienten insbesondere mit Knochengelenksentzündungen behandelt werden? Eine – noch vage – Antwort gab die Feuerwehr erst am Abend. Danach seien bei einer 69-jährigen Hagenerin, in deren Zimmer das Feuer ausgebrochen war, „suizidale Absichten nicht auszuschließen“.

Feuer wütete rasend schnell

Gegenüber der WAZ hatte bereits am Mittag eine Krankenschwester im Bergmannsheil berichtet, dass die Patientin gegen 2.30 Uhr in der Nacht „lichterloh brennend“ in ihrem Krankenzimmer vorgefunden wurde. Dabei habe sie „gewirkt, als wenn sie tanzt“, so die Mitarbeiterin. Die Seniorin starb – ebenso wie ein 41-jähriger Patient aus Marl, der im Nachbarzimmer lag.

Wie es zudem heißt, könnten Gasflaschen, die für die Versorgung von Beatmungspatienten auf der Station gelagert worden seien, dazu geführt haben, dass sich die Flammen rasend schnell ausbreiteten. „Bei unserem Eintreffen nach sechs Minuten war der Brand viel weiter fortgeschritten als es normal der Fall wäre“, sagte Gottfried Wingler-Scholz von der Feuerwehr.

Mit zwei Toten und 16 zum Teil schwer Verletzten ist es eine der größten Unglücke in Bochum in den letzten Jahrzehnten. Und doch sprechen Augenzeugen von Glück im Unglück. Über dem 6. Stock befinden sich Operationssäle und ein Technikraum. Hätten auch dort Patienten schlafend in ihren Betten gelegen, wäre die Zahl der Opfer vermutlich deutlich höher ausgefallen.

Größtes Lob hält Oberbürgermeister Thomas Eiskirch für alle Einsatzkräfte und auch die Pfleger und Ärzte bereit. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens hätten sie die Patienten durch das verqualmte Treppenhaus ins Freie getragen. „Auch dieser unglaubliche Einsatz hat Schlimmeres verhindert.“