Fischgeruch in der Papiertonne

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Papier und Verpackungsmüll sind wichtige Wertstoffe. Doch in den Blauen und Gelben Sammeltonnen finden USB-Müllwerker allzu oft Abfälle, die dort nicht hingehören. Auf 22 Prozent wird die Fehlwurfquote beziffert.

Bochum.. Meter um Meter schiebt der Müllwagen seine 19,5 Tonnen durch die Einfamilienhaussiedlung in Laer. Die Temperatur ist am Vormittag auf 27 Grad geklettert. Der starke Dieselmotor scheint die stehende Luft noch weiter aufzuheizen.

Die USB-Mitarbeiter Markus Przygola, Michael Jost und Marc Clasen sind damit beschäftigt, die blauen Papiertonnen zu leeren. Der Transporter hebt sie am Haken hoch und verschlingt ihren Inhalt. Häufig ist darunter etwas, das dort nicht hingehört: Getränkedosen, Plastiktüten, Verpackungen – auf 22 Prozent wird die Fehlwurfquote bei Wertstofftonnen bemessen. Heißt: Eine Tonne ist im Schnitt zu einem Viertel mit Müll gefüllt, der dort nichts zu suchen hat. Er verunreinigt das Material, macht eine Wiederverwertung schwierig.

Maden im Papiermüll

„Letzte Woche haben wir Fischgedärme und Maden in einer Papiertonne entdeckt“, erzählt Marc Clasen. Solch appetitliche Funde seien aber eher selten. In Berührung mit dem Abfall kommen die Müllwerker nicht. Es ist aus gesundheitstechnischen Gründen untersagt, bei Verdacht auf Fehlwürfe darin zu wühlen. Wie sie trotzdem merken, ob etwas fehl am Platze ist? „Durch das Gewicht“, erklärt Clasen. „Wir wissen, wie sich eine Tonne anfühlt, die nur mit Papier gefüllt ist.“ Ist sie schwerer oder besonders leicht, gerät sie unter Verdacht, Illegales zu beherbergen. „Auch durch Gerüche oder Geräusche kriegen wir das mit.“

Wohnt ein Fremdwurf in der Tonne, kommt ein roter Aufkleber drauf, der die Anwohner darum bittet, ihn zu entfernen. Tun sie das nicht, wird der Müll kostenpflichtig in einer Sonderfuhre abgeholt. „Kommt dies häufiger vor, schaltet sich das Umweltamt ein und entzieht die Papiertonne“, erzählt Silke Seyock, Reinigungsmeisterin bei der USB-Müllabfuhr.

Mülltrennungs-Broschüre in sechs Sprachen

Die Zahl der notorischen Fehlwerfer, denen das Umweltamt als letzte Instanz die blaue Kiste wegnimmt, sei jedoch gering. „Zudem wird Müll häufig nicht aus Absicht, sondern aus Unsicherheit falsch entsorgt“, weiß Seyock. Sprachhürden seien eine Ursache dafür. „Daher bringen wir unsere Broschüre, die die richtige Mülltrennung erklärt, bereits in sechs Sprachen heraus.“ Auch kulturelle Unterschiede spielten eine Rolle, in anderen Ländern funktioniere die Infrastruktur einfach anders. „Aber auch Ignoranz ist ein Grund“, ergänzt USB-Sprecher Jörn Denhard. „Einige Menschen wissen offenbar nicht, was es bedeutet, Ressourcen zu sparen.“

Nicht nur beim Papier, auch in vielen Wertstoff- und Restmülltonnen sowie Gelben Säcken lagern Fremdlinge. Zwischen den Wertstoffen stapelt sich – ironischerweise – häufig Papier. Bauschutt hingegen wird oft in der Restmülltonne entsorgt. „Da schreiben wir die Besitzer an“, so Seyock. „Restmüll lassen wir aber eher selten stehen.“

Müllwagen brannte

Richtig gefährlich wurde es im vergangenen Jahr, als ein carbidhaltiges Rattengift mit dem feuchten Restmüll reagierte. Der Wagen brannte und musste auf der Stelle seine Ladung ausschütten.

An diesem Vormittag bleibt es ruhig. Der Müllwagen macht weiter langsam seine Meter. „Jetzt geht es in die nächste Siedlung“, erzählt Marc Clasen, steigt auf das Trittbrett und wird wegkutschiert.

Blau, gelb, grau: Was in die Tonnen gehört

68.000 Blaue Tonnen hat der USB in Bochum aufgestellt. Sie sind für alle Arten von Papier, Zeitungen, Zeitschriften, Prospekte, Kartons und Pappen bestimmt. Die Leerung alle vier Wochen ist kostenlos.

Immer wieder landet Haus- und Verpackungsmüll in den Blauen Tonnen. Das erschwert die Verwertung des Altpapiers. Die Fehlwurfquote liegt bei 22 Prozent.

Ähnliche Dimensionen erreichen die Fehlwürfe bei der 2011 eingeführten Wertstofftonne bzw. Gelben Sack. Hauptübel: Papier und Pappe, die in die Blaue Tonne gehören.

Oft Bauschutt in Grauen Tonnen

44.000 Wertstofftonnen stehen in Bochum. Die Leerung durch die USB-Tochter Rau erfolgt alle zwei Wochen. Hinein gehören alle bisherigen „gelben“ Verpackungen, nunmehr ergänzt um Wertstoffe aus Kunststoff und Metall (u.a. Eimer, Pfannen, Töpfe, Armaturen, Spielzeug und Aluminiumschalen).

Immer wieder kommt es auch in den 70.000 Grauen Tonnen zu Fehlwürfen. Trauriger Spitzenreiter hier: Bauschutt (dessen Entsorgung auf den stadtweit sechs Wertstoffhöfen kostenpflichtig ist). Auch „gelber“ Verpackungsmüll landet oft in den Restmülltonnen – und damit in den Öfen der Verbrennungsanlagen.

Die USB-Müllwerker nehmen in allen Tonnen regelmäßig Stichproben vor. Wird „falscher“ Müll entdeckt, werden die Behälter nicht geleert bzw. die Gelben Säcke nicht abgeholt. Die Anwohner werden per Aufkleber informiert.

Alle Infos rund um die Mülltrennung auf www.usb-bochum.de.

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