Fisch wird zum neuen Wahrzeichen von Bochum-Gerthe

Die Künstler Rafael Campana Ochoa, Henning Dahlhaus und Abel Morejon Gala (von links) posieren vor dem Mural-Kunstwerk, das sie entworfen
Die Künstler Rafael Campana Ochoa, Henning Dahlhaus und Abel Morejon Gala (von links) posieren vor dem Mural-Kunstwerk, das sie entworfen
Foto: FUNKE Foto Services
Zehn Meter hoch und 20 Meter lang ist das Wandbild, das nun eine Häuserfassade am Castroper Hellweg ziert. In dem Kunstwerk steckt viel Gesellschaftskritik.

Gerthe hat ein neues Wahrzeichen: Ein etwa zehn Meter hohes, 20 Meter langes Wandgemälde am Castroper Hellweg, im Herzen des Stadtteils – das Werk von drei Künstlern aus Kuba und dem Ruhrgebiet. Den Einheimischen gefällt’s: „Von mir aus könnten die noch ein paar mehr Wände so toll bemalen“, sagt etwa der Gerther Dirk Eggers.

Zwei Wochen arbeiteten Henning Dahlhaus, Rafael Compañá Ochoa und Abel Morejón Galá im Jugendzentrum U27 an den Skizzen. Drei Wochen bemalten sie die Wand. Da griff auch Christian Erdmann vom nahen Atelier Skala zum Pinsel. Nun ziert ein riesiger Fisch die Fassade: Er entsteigt einem Autofriedhof in der Tiefsee und verschlingt mit riesigem Maul eine ganze Großstadt.

Der Witz: Das farbenfrohe Ungetüm besteht bloß aus Müll. „Es geht um Wasserverschmutzung und Nachhaltigkeit“, erklärt der Bochumer Künstler Henning Dahlhaus. Wichtige, aber schwer verdauliche Themen – in dieser Umsetzung aber absolut ansprechend, findet auch die Gertherin Karin Burchart: „Schön, dass es nicht so moralinsauer ist.“

Dem Staunen folgt das Nachdenken

Das ist die Kunst bei den sogenannten Mural-Wandbildern, die in Latein-Amerika Tradition haben: zuerst staunt man über das detailreiche, farbenprächtige Kunstwerk. Dem Staunen folgt das Nachdenken: Der Müll frisst die Städte, die Menschheit wird von ihren Hinterlassenschaften vernichtet. Eine klare Botschaft.

Das war der Humanitären Cubahilfe wichtig. Der Verein hat das Projekt auf den Weg gebracht, auf Anregung des Eine-Welt-Netzwerks: In ganz Nordrhein-Westfalen entstehen derzeit solche Bilder; sie alle sollen die UN-Entwicklungsziele thematisieren und zum Nachdenken anregen: über Armut, Bildung und Gesundheit weltweit. Für den zweiten Vorsitzenden Uwe Paulsen ist Kuba in vielen Dingen ein gutes Beispiel: Das Gesundheitssystem in dem sozialistischen Land ist kostenfrei und jedem zugänglich, Bildung ebenfalls und die Säuglingssterblichkeit ist sogar niedriger als beim „Klassenfeind“ USA. Das werde hier im Westen oft übersehen, findet Paulsen. „Wir wollen ein anderes Bild zeichnen.“

„Fernsehen ist das eine, Realität das andere“, sagt der kubanische Künstler Abel Morejón Galá. Er weiß, dass auch dort nicht alles perfekt läuft. „Aber an unseren Ideen halten wir fest“, sagt er.

Feierliche Einweihungs-Fiesta

Besonders politisch ging es bei der feierlichen Einweihungs-Fiesta dann aber nicht zu: Es drehte sich alles um Musik, Rum und Sonnenschein. Wer wollte, konnte sich aber an den Ständen informieren, wie ein ganz anderes politisches System mit den Herausforderungen umgeht.

Dass auch bei uns nicht alles richtig läuft, daran erinnert das Mural-Wandbild. Und zwar auf eine ganz unaufdringliche, sehr kreative Weise.

 
 

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