Feiertage für stolze Kumpel

Mit einem festlichen Umzug begingen Bergleute am Sonntag den 8. NRW-Knappentag. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Mit einem festlichen Umzug begingen Bergleute am Sonntag den 8. NRW-Knappentag. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
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Bochum.. Das Bergbaumuseum war erstmals Schauplatz des NRW-Knappentages. 2000 Teilnehmer waren bei der 8. Auflage dabei.

Fast drei Jahrzehnte hat Kurt Stemplewski unter Tage malocht, vor Kohle, zuletzt auf Auguste Victoria. „Die Fingernägel“, grinst der 63-Jährige, „werden nie wieder richtig sauber.“ Am Wochenende hat sich der Ex-Kumpel herausgeputzt. Voller Stolz. Voller Überzeugung. In schmucker schwarzer Tracht zählte er zu den 2000 Teilnehmern des 8. NRW-Knappentages am und im Bergbaumuseum.

Nur alle drei bis fünf Jahre kommen die landesweit über 90 Berg- und Knappenvereine zu dem Großereignis zusammen. Bei ihrer Gründung vor 150 Jahren waren die Verbünde noch Gewerkschaft, Sozial- und Rentenversicherung in einem. Ihr Anliegen heute: die bergmännische Tradition zu pflegen und aufzuzeigen, dass „Zukunft nur der gestalten kann, der sich an seine Wurzeln erinnert. Vergangen heißt nicht vergessen“, so Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz in ihrem Grußwort.

Ausrichter war erstmals keiner der Mitgliedsvereine, sondern der Landesverband selbst. „Damit stellen wir die Bedeutung heraus, die dieser Knappentag im Kulturhauptstadtjahr für uns einnimmt“, betonte der 2. Landesvorsitzende Johannes Hartmann. „Der Knappentag als offizieller Bochumer Ruhr-2010-Beitrag dokumentiert, dass der Bergbau ein starker Teil der Kultur in unserer Region war und ist“, ergänzte die städtische Kulturhauptstadt-Beauftragte Sandra Hinzmann.

Hannelore Kraft als Schirmherrin des Knappentages („Hier bin ich als Kind des Ruhrgebiets mit ganzem Herzen dabei“) schlug die Brücke zur aktuellen Politik. Die SPD-Ministerpräsidentin forderte - entgegen der Empfehlung der EU-Kommission - die strikte Einhaltung des Kohlekompromisses bis 2018. Sollte es bereits ab 2014 zu weiteren Zechenstilllegungen kommen, wären die Folgen „für die ganze Region katastrophal“.

Verlässlichkeit, Solidarität, Kameradschaft, Glauben: Tugenden, die im Festzelt am Fuße des Museums-Fördergerüsts beschworen und gelebt wurden, u.a. bei einem bergmännischen Abend und Zapfenstreich des RAG-Orchesters am Samstag sowie bei einem ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen.

Gestern Nachmittag setzte sich die größte Revier-Bergparade der letzten Jahre in Richtung Innenstadt in Bewegung. Mit dabei: Kurt Stemplewski. Als strahlender Knappe. Diesmal sogar mit Geleucht.

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