Farbsprühereien verschmutzen das Bochumer Stadtbild

Unbekannte haben auch diese Wand an der Oskar-Hoffmann-Straße mit „Tags“ vollgesprüht. Fast der ganze Straßenzug ist von diesen Sprühereien betroffen. Fotos (3):Jürgen Theobald
Unbekannte haben auch diese Wand an der Oskar-Hoffmann-Straße mit „Tags“ vollgesprüht. Fast der ganze Straßenzug ist von diesen Sprühereien betroffen. Fotos (3):Jürgen Theobald
Foto: FUNKE Foto Services
  • An der runderneuerten Oskar-Hoffmann-Straße wurden viele Hauswände durch Graffiti-Sprühereien verschmutzt
  • Auch Aufleber auf Stromkästen und Verkehrsschildern verursachen hohe Schäden
  • Unbekannte haben direkt neben einer Polizeiwache den Schmähspruch „ACAB“ hingesprüht

Bochum..  Erst vor anderthalb Jahren ist die Oskar-Hoffmann-Straße runderneuert worden, doch schon jetzt sieht es dort an sehr vielen Stellen stark renovierungsbedürftig aus. Grund sind Farbsprühereien von unbekannten Leuten an fast allen Hauswänden. Die Straße ist nur ein Beispiel von tausenden anderen Stellen, die durch heimlich aufgesprühte Signaturen („Tags“) und Graffiti beschädigt worden sind.

Ein anderes Beispiel ist die in Bau befindliche Haltestelle „Gesundheitscampus“. Nur zwei Tage nach Errichtung eines weithin sichtbaren Betriebshäuschens haben sich dort Graffiti-Sprüher verewigt. Und auch Stromkästen, Ampelmasten und Verkehrsschilder werden als Flächen für Graffiti, Tags und auch Aufkleber benutzt.

„Die Verschmutzung durch Graffitis und Beklebungen an Verkehrszeichen hat aus Sicht des Technischen Betriebs – leider seit längerem – eine unschöne Größenordnung angenommen“, sagt Stadtsprecherin Tanja Wißing auf Anfrage. Mittlerweile rund 30 Prozent der 85 000 Verkehrsschilder seien „durch Beklebungen und ähnliches verunreinigt“. Von Januar bis Oktober 2016 sind rund 70 000 Euro für Material- und Personalkosten angefallen, um Verkehrszeichen von Verklebungen und Graffiti zu säubern. Die Reinigung von Sprühereien an städtischen Gebäuden hat in diesem Jahr bisher 38 000 Euro verschlungen.

Anzahl der Sachbeschädigungen steigt

Laut Polizei gab es im Jahr 2014 im Stadtgebiet 389 Anzeigen nur wegen Graffiti. Aufklärungsquote: 15 Prozent. Im Jahr darauf stieg die Fallzahl auf 466 Graffiti. Aufklärungsquote: 7,5 Prozent. Die Täter, sagt Polizeisprecher Jens Artschwager, seien männlich und unter 30 Jahre alt. Auch die Anzahl der Sachbeschädigungen insgesamt stieg zuletzt an: Von 3333 im Jahr 2014 auf 3607 im Jahr 2015.

Die Polizei ist auch selbst betroffen. Nur wenige Meter neben ihrer Wache an der Universitätsstraße haben Unbekannte den englischen Schmähspruch „ACAB“ auf ein Stromhäuschen gesprüht – und voller Hohn noch einen Pfeil in Richtung Wache hinzugefügt. „Alle Polizisten sind Bastarde“, heißt der Spruch übersetzt. „Extrem verletzend und unschön“ sei so etwas, sagt Artschwager. Er bedauert, dass die Justiz diesen Spruch unter den Schutz der Meinungsfreiheit gestellt hat. Die Stadtwerke wollen das „ACAB“ in Kürze entfernen.

„Beschmutzung der Stromkästen auf einem konstant hohen Niveau“

Auch sonst sind die Stadtwerke mit dem Problem ständig befasst. „Die Beschmutzung der Stromkästen“ bewege sich seit Jahren „auf einem konstant hohen Niveau“, sagt Stadtwerke-Sprecher Kai Krischnak. Die Reinigung der 8000 Kabelverteilerschränke sei wegen ihrer Empfindlichkeit sehr aufwendig. „Daher reinigen wir die Stromkästen nur bei extremen Verschmutzungen oder diffamierenden Graffiti.“

Besonders groß ist der Ärger, wenn Privatbesitz besprüht oder beklebt wird. Nico Ziegenfuss, dessen Bochumer Firma „Konzepte für Immobilien“ täglich Graffiti entfernt, spricht von rund 175 Euro Reinigungskosten für die ersten drei Quadratmeter, das sei ein branchenüblicher Preis. Einige wenige Graffiti, sagt er, sähen zwar „wirklich super aus“. Aber: „Was illegal ist, ist illegal.“

 
 

EURE FAVORITEN