Experten prüfen Unfallschwerpunkte

Christoph Husemeyer

Ein junger Mann kommt mit seinem Motorrad von der Straße ab. Seine Beifahrerin prallt gegen einen Laternenmast und stirbt noch an der Unfallstelle. Um tragische Fälle wie diesen (geschehen Ende März an der Hüller-Bach-Straße in Hordel) zu vermeiden, sucht und prüft eine Verkehrsunfallkommission gefährliche Stellen auf den Straßen.

Eine „Vision Zero“ (die Abschaffung aller Verkehrstoten bis zum Jahr 2050), mit der Schweden derzeit für Aufsehen sorgt, sei kaum realisierbar, sagt Ralf Böhm von der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde Bochum. „Es gibt tragische Einzelfälle, die sich auch mit bester Verkehrsraumgestaltung und Überwachung nicht vermeiden lassen.“ Beispielsweise ein Senior mit Herzinfarkt, der mit seinem Auto in den Gegenverkehr gerät.

In Bochum sind die Verkehrsteilnehmer vergleichsweise sicher unterwegs, wie Polizeistatistiken belegen. Nirgendwo in den NRW-Großstädten ist das Risiko, bei einem Unfall verletzt zu werden, geringer als im Bereich der Kreispolizeibehörde Bochum. Das sei auch der Arbeit der Verkehrsunfallkommission zu verdanken, sagt Böhm.

Das Gremium setzt sich aus Vertretern von Polizei, Straßenverkehrsbehörde und Straßenbaubehörde zusammen. In Bochum kommen bei Bedarf beispielsweise Bogestra, ADAC, die Landesbehörde Straßen NRW oder das Planungsamt hinzu. „Unfallorte mit Schwerstverletzten und Toten werden immer sofort untersucht“, so der Experte. Gebe es an einer Stelle in einem Jahr drei ähnliche Unfälle mit schwerem Sachschaden, Verletzten oder Schlimmerem, trete die Kommission ebenfalls zusammen. „Fachleute überprüfen diese „Unfallhäufungsstellen’ und leiten gegebenenfalls Maßnahmen ein, um die Situation vor Ort zu verbessern“, erklärt Ralf Böhm. Geschehen ist das beispielsweise an der Herner Straße/Ecke Falk-straße, wo in den vergangenen Jahren mehrere Fußgänger beim Überqueren der Straße verunglückten. Dort sorgt nun eine Fußgängerampel für mehr Sicherheit. Weitere Möglichkeiten zur Entschärfung einer Gefahrenstelle sind etwa zusätzliche Fahrbahnmarkierungen oder der Bau eines Kreisverkehrs.

Damit Unfallhäufungsstellen gar nicht erst entstehen, arbeite die Kommission präventiv, so Böhm. „An einer auffälligen Stelle treffen sich Vertreter von Stadt und Polizei bereits, wenn der Grenzwert von drei Unfällen noch nicht erreicht ist.“ Ein solcher Bereich sei derzeit der Zeppelindamm/Ecke Zollstraße in Höntrop, wo in diesem Jahr zwei Radfahrer mit linksabbiegenden Autos zusammenstießen und schwer verletzt wurden. „Nach einer Begehung soll dort nun die Ampelschaltung geändert werden.“ Somit werde das Möglichste getan, um schwere Unfälle zu vermeiden.