Expeditionen zu verlorenen Orten

Roswitha Schmid aus Baiersbronn trägt dieses Foto-Stillleben aus einer verlassenen Fabrik zur Ausstellung bei.
Roswitha Schmid aus Baiersbronn trägt dieses Foto-Stillleben aus einer verlassenen Fabrik zur Ausstellung bei.
Foto: Roswitha Schmid
Bochum.Die Ausstellung UrbExpo zeigt in der Rotunde Fotografien schwer zugänglicher Stätten.

Stefanie StüberEs ist nicht ganz legal, findet im Verborgenen statt und kann gefährlich werden: Die Rede ist vom Urban Exploring – so nennt sich das Erkunden verlassener Gebäude und Orte im städtischen Raum.

Fasziniert vom Verfall

Die Explorer sind fasziniert von dem Verfall und der Geschichte dieser sogenannten Lost Places, ihre Fotografien bewahren die Plätze vor dem Vergessen. Es gibt unterschiedliche Vorlieben. Die einen besuchen alte „Geister“-Häuser oder Kliniken, andere bevorzugen Bunker und Militäranlagen, und vor allem in und um Bochum häufig anzutreffen - die Liebhaber von alten Fabrikruinen der sterbenden Kohle- und Stahlindustrie.

Austausch nur unter Pseudonym

Normalerweise bleibt man unter sich. Das hat gute Gründe. Ungern verraten die Explorer den Ort, an den sie gerade pilgern. Außerdem sind ihre Ausflüge meistens illegal. Der Eintritt zu den Gebäuden ist häufig verboten, ihre Begehung aufgrund des maroden Zustands manchmal gefährlich. Ausgetauscht wird sich unter Pseudonym in einschlägigen Foren im Netz.

Die Szene tritt an die Öffentlichkeit

Deshalb ist die in der Rotunde am 10. August beginnende Ausstellung „URBEXPO“ des Bochumer Fotografen Olaf Rauch schon eine kleine Besonderheit, denn die Szene tritt an die Öffentlichkeit. „Zwar gibt es derzeit eine Ausstellung in Hamburg mit dem Titel „Lost Places“, aber explizit das Thema Urban Exploring auf 400 m2 zu behandeln, das gab es meines Wissens bisher nicht“, sagt Rauch. Wie kommt es, dass sich die Beteiligten plötzlich nun doch vor einem breiten Publikum präsentieren wollen. „Sie finden die Idee gut und haben kein Problem mit der Öffentlichkeit“, antwortet Rauch. Anders sieht es allerdings mit der geplanten Konferenz aus. Obwohl sie zum Schutz der Anonymität der Explorer als geschlossene Gesellschaft ausgewiesen ist und nur mit Anmeldung besucht werden kann, stößt Rauch auf Widerstand.

Noch wird heiß diskutiert

Viele sind dagegen. Noch wird heiß diskutiert. Vielleicht wolle man nicht über den Tellerrand hinausschauen, spekuliert er. „Explorer tummeln sich ja nur in Spezialforen.“

Egal, in der Rotunde sieht es derweil schon ganz manierlich aus, gerade werden die letzten Bilder gehängt. Unterschiedliche künstlerische Ansätze von Fotografen aus Deutschland und den Niederlanden werden in über 80 Arbeiten gezeigt.

Freude auf die Ausstellung

Da ist zum Beispiel Maik Busolts Fotografie einer kaputten Puppe in einer Pfütze, die mit ihren toten Augen ins Leere starrt. Auf Rolf Arno Spechts Bildern versinken die Objekte im Nebel. Auch Rauch selbst ist natürlich vertreten. „Seit 2004 ist das mein zentrales Thema “ sagt er und man sieht ihm die Freude auf die Ausstellung an.

Zu sehen sind Arbeiten von Maik Busolt, Karl Eisenhardt, Anna Fleischmann, Jascha Hoste, Roman Küffner, Olaf Rauch, Roswitha Schmid, Rolf Arno Specht und Michael Waldau.

Geöffnet: Ab Freitag 10. bis 19. August (Mo-Fr 16-19 Uhr und Sa, So 12-18 Uhr). Vernissage mit Live-Musik: 10. August, 20 Uhr.

Von Stefanie StüberStefanie Stüber

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