Ex-BMW-Mitarbeiter bestreitet Bestechlichkeit

Foto: imago stock&people

Bochum. Im Prozess um einen mutmaßlichen schweren Korruptionsfall bei der BMW AG hat am Montag ein Ex-Mitarbeiter (62) alle Vorwürfe zurückgewiesen. Ein weiterer BMW-Mitarbeiter (54) will wegen angeblicher Verstrickung in den Fall 10.000 Euro an ein Kinderhospiz zahlen.

„Mein Mandant bestreitet die Tatvorwürfe. Er hat keinerlei Bestechungsgelder erhalten.“ Das sagte am Montag der Verteidiger eines Ex-Einkäufers (62) von BMW, dem Bestechlichkeit vorgeworfen wird. Erstmals seitdem er vor über einem halben Jahr in der Bochumer Staatsanwaltschaft festgenommen und sofort inhaftiert worden war, hat er sich jetzt vor dem Bochumer Landgericht zur Anklage geäußert.

Diese geht davon aus, dass der Münchner seit 2002 raffgierig die Hand aufgehalten hatte, wenn Zulieferer dicke Aufträge von BMW erhalten wollten. Ausflüge nach Mallorca, teure Reisen zu Formel 1-Rennen, ein BMW Z4 und mehrere 100 000 Euro - all dies soll der Angeklagte von Zulieferbetrieben erhalten haben. Dafür habe er ihnen Millionen-Aufträge zugespielt.

Angeklagt sind auch drei Vertreter (50, 56, 59) von Zulieferfirmen. Sie hatten bereits zugegeben, den BMW-Mann geschmiert zu haben. Doch der 62-Jährige stellte sie am Montag durch seine Aussage als Lügner hin. Er sei nur ein kleiner Angestellter gewesen und habe gar nicht über große Aufträge entscheiden dürfen, ließ er über seinen Verteidiger mitteilen.

„Er hat Geld gekriegt, um Frauen zu beschaffen“

Der Anwalt räumte zwar ein, dass sein Mandant von einem Zulieferer tatsächlich Geld kassiert habe. Aber damit habe er für ihn nur vergnügliche Stunden mit käuflichen Damen arrangiert. „Das war die Rolle, die er in diesem Konzert gespielt hat. Er hat Geld gekriegt, um Frauen zu beschaffen.“

Richter Dr. Markus van den Hövel zeigte sich ungläubig: „Momentan ist das alles sehr wenig plausibel.“ Der Verteidiger ging daraufhin in die Vollen: „Ich habe den Eindruck, Ihr Urteil steht schon fest - und Sie suchen nur nach einer Begründung.“ Der Richter hielt die Attacke - sinngemäß - nicht für satisfaktionswürdig.

Angeklagt war auch ein weiterer BMW-Mitarbeiter (54). Laut Anklage hatte er stark überhöhte Einkaufspreise toleriert, um einen notleidenden Zulieferer zu sanieren. Mutmaßlicher UntreueSchaden: zehn Millionen Euro! Der Angeklagte, damals ein Vorgesetzter des 62-jährigen BMW-Einkäufers, will jetzt nach einem entsprechenden Angebot der 2. Strafkammer 10 000 Euro an ein Kinderhospiz im Sauerland zahlen. Danach wird das Verfahren gegen ihn ohne Urteil eingestellt. Eine Schuld räumte der Angeklagte aber nicht ein; er zahle nur „aus prozessökonomischen Gründen“.

Der Prozess geht weiter.

 
 

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