Eroberer zücken in Bochum ihre Smartphones

Voller Tatendrang. Anke Winking und Daniel Lechner gehörten zur 300-köpfigen Spielerschar beim „Mission Day“.
Voller Tatendrang. Anke Winking und Daniel Lechner gehörten zur 300-köpfigen Spielerschar beim „Mission Day“.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Ingress-Spieler wandeln zwischen der realen und der virtuellen Welt
  • Am Sonntag trafen sich 300 von ihnen in Bochum, um ihre Kräfte zu messen
  • Unter ihnen war ein 29-jähriger Österreicher, der sich rühmt, weltweit die meisten Missionen erfüllt zu haben

Bochum.. Bochum ist besetzt vom Widerstand. Der „Resistance“ oder, wie sie auch genannt werden: die „Schlümpfe“. Gemeint ist das Team des Smartphone-Spiels „Ingress“, in dem eine blaue gegen eine grüne Mannschaft um den Besitz außerirdischer Portale wettstreiten, somit Gebiete erobern – und nicht zuletzt eine Menge Spaß haben. Um die Portale zu erobern, müssen die Spieler aber in der echten Welt samt Smartphone dorthin gehen. So zum Beispiel an diesem Sonntag, als sich insgesamt 300 Spieler aus verschiedenen Ländern zum „Mission Day“ am Bergbaumuseum trafen.

Mit dabei: Christian Linzatti. In vier Jahren „Ingress“ hat er für das grüne Team, „die Erleuchteten“ oder salopp „die Frösche“, schon sage und schreibe 10.900 Missionen hinter sich gebracht,in zig verschiedenen Städten vom österreichischen Linz bis in die Niederlande; wo er, um die Portale „zu hacken“, 9.500 Kilometer zurückgelegt hat. Unter Ingress-Spielern ist „Burli“, so sein Spielername, schon längst eine echte Berühmtheit. Und der 29-jährige Österreicher will seinen Status verteidigen: „Ich hab die meisten Missionen weltweit, und das soll auch so bleiben“, sagt er lachend und macht sich auch schon auf den Weg, „bewaffnet“ mit seinem Smartphone.

Zwölf Missionen müssen erfüllt sein

In Bochum liegen die Portale bei verschiedenen Sehenswürdigkeiten: am Bergbaumuseum, dem Rathaus oder im Geologischen Garten. Ziel des Mission-Day ist es, dass jeder Spieler mindestens zwölf der insgesamt 19 Missionen erfüllt. Das heißt auch: Dieses Mal spielen die Teams nicht gegeneinander, sondern jeder erfüllt ohne Konkurrenzdruck die Missionen – und lernt ganz nebenbei auch noch Bochumer Sehenswürdigkeiten kennen. Auf den Weg machen sich die Spieler aber gemeinsam in kleinen Grüppchen. Zur Belohnung winkt am Ende dann ein Abzeichen. „Wie früher bei den Wanderern“, sagt eine Frau und lacht.

Tatsächlich findet man unter den Spielern sämtliche Altersgruppen, vom Studenten in den mittleren Zwanzigern bis zum 41-jährigen IT-Experten. Die Spieler kennen sich untereinander – mindestens mit ihrem Spielernamen. „Das Ganze ist halt wie ein großes Klassentreffen“, freut sich Björn Könnecke, besser bekannt als Terence Kill, der das Happening in Bochum mitorganisiert hat.

Großer Zusammenhalt

„Wir sehen uns zwar selten, aber wir kennen uns alle.“ Daher sei auch der Zusammenhalt in der Spielergemeinschaft sehr hoch. Einmal, so erzählt er, sei einem jüngeren Spieler dessen Smartphone gestohlen worden. Als er davon in der Online-Gemeinschaft erzählte, legten alle zusammen, damit sich der Unglücksrabe ganz schnell ein neues Handy kaufen konnte. „Da ist es auch egal, ob man für die Erleuchteten oder den Widerstand kämpft“, sagt Björn Könnecke. Wenn’s hart auf hart kommt, dann halten Frösche und Schlümpfe eben zusammen.

 
 

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