Entscheid zum Denkmalschutz wohl noch in diesem Jahr

Michael Weeke
Der ehemalige Rheinische Bahnhof  (Nordbahnhof) auf einer Postgartendarstellung vermutlich um das Jahr 1915.
Der ehemalige Rheinische Bahnhof (Nordbahnhof) auf einer Postgartendarstellung vermutlich um das Jahr 1915.
Foto: ortumgesellschaft
Die Prüfung durch die Denkmalbehörde läuft. Unterdessen gibt es zahlreiche Debatten über die Art und Weise eines möglichen Gedenkortes für die Judendeportationen an diesem Ort

Bochum. Während die Prüfung der Denkmalwürdigkeit des Nordbahnhofs durch Stadt und dem Landschaftsverband als obere Denkmalbehörde läuft, geht die Diskussion um eine Nutzung zumindest von Teilen oder Räumen des Bahnhofs als ein Gedenkort für die Deportationen von Juden während der NS-Zeit weiter.

Am Rande einer Veranstaltung zum „Jüdischen Leben in Deutschland in Vergangenheit und Gegenwart“ in Halberstadt, Sachsen-Anhalt, äußerte sich Dr. Peter Fischer, der viele Jahre lang beim Zentralrat der Juden für die Entwicklung von Gedenkstätten zuständig war, zur Idee einer Gedenkstätte im Nordbahnhof: „Für mich ist ganz wichtig, dass bei einem solchen Projekt die städtische Bürgerschaft mit einbezogen wird.“

Er könne sich etwa einen Prozess mit Arbeitsgruppen vorstellen, wie mit diesem authentischen Ort umgegangen werden könne. Der Historiker Prof. Julius Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam, ergänzte dazu: „Ich bin sehr dafür, nachzudenken, was man mit historischen Orten machen kann. Ich bin davon überzeugt, dass es für alles intelligente Lösungen gibt.“ Gleichzeitig verwies er mit Blick auf die Erinnerungskultur in Deutschland allgemein darauf, dass Gedenken auch bescheiden bleiben müsse.

Abrissantrag liegt weiter auf Eis

Als ein gelungenes Beispiel einer Gedenkeinrichtung an einem Ort der Deportation gilt die Gedenkstätte „Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald in Berlin. Dort wurde der halb verfallene Bahnsteig rekonstruiert und mit Stahlgussobjekten versehen, die an die einzelnen Transporte, die von diesem Ort ausgingen, erinnern sollen.

Der Bochumer Historiker Prof. Bernd Faulenbach, der diese Einrichtung gut kennt, und der sich mit anderen für einen Gedenkort im oder am Nordbahnhof einsetzt, will nun zunächst das Ergebnis der Überprüfung der Denkmalwürdigkeit abwarten.

Nach Auskunft der Stadt sei möglicherweise noch in diesem Jahr mit einer Entscheidung des Amtes für Denkmalpflege in Münster zu rechnen. Die Prüfung laufe jedenfalls bereits.

Wie berichtet, hatten die Brüder Fiege, die den stillgelegten Bahnhof vor fünf Jahren gekauft hatten, einen Antrag auf Abriss gestellt, nachdem sich verschiedene Konzepte doch haben nicht verwirklichen lassen. Nachdem sich jedoch aus der Bochumer Öffentlichkeit heraus ein großer Protest artikuliert hatte und eine erneute Prüfung der Denkmalwürdigkeit – unter Einbeziehung der mittlerweile eindeutig belegten Bedeutung des Bahnhofs als Ort von Deportationen – läuft, liegt der Abrissantrag auf Eis.