Eltern der VfL-Mädchen wehren sich gegen Frauenfußball-Aus

Die drei Fußball-Väter Jörg Laftsidis, Michael Fechner und Patrick Randau (von links nach rechts).
Die drei Fußball-Väter Jörg Laftsidis, Michael Fechner und Patrick Randau (von links nach rechts).
Foto: Dietmar Wäsche
Das geplante Aus für die Frauen- und Mädchen-Fußball-Abteilung beim VfL Bochum ruft Väter und Mütter der beim Verein kickenden Spielerinnen auf den Plan. Sie hoffen auf die Mitgliederversammlung am Montag, bei der über den Vorschlag entschieden wird. Die Spielerinnen haben einen Maulkorb bekommen.

Bochum. Wenn die Männer am Freitag-Abend im rewirpower-Stadion gegen den SV Darmstadt um Punkte in der Zweiten Bundesliga kämpfen, geht es für die Frauen und Mädchen, die seit 2010 das blau-weiße Trikot tragen, momentan um viel mehr: Sie kämpfen um ihre Existenz. Weil sich die Spielerinnen und Verantwortlichen auf Geheiß des Vereins bis zur entscheidenden Mitgliederversammlung am Montag (19.30 Uhr, Audimax) nicht mehr äußern sollen, ergreifen nun die Eltern das Wort.

„Die Mädchen sind todtraurig. Jetzt haben sie auch noch einen Maulkorb verpasst bekommen, da mussten wir etwas machen“, erzählt Vater Michael Fechner. Die Spielerinnen erhielten die Nachricht von der Trennung am Abend des 3. Oktober. Um noch rechtzeitig dagegen einen Antrag zu stellen, blieb kaum Zeit. Irgendwie hat es doch geklappt, jetzt müssen die Frauen zwei Drittel der Mitglieder hinter sich bringen, um die Entscheidung von der Ausbootung der Abteilung noch umzudrehen.

Vorwurf: Der VfL hält sich nicht an eigenen Leitfaden

Die Art und Weise, wie die Trennung kommuniziert wurde, stört die Eltern besonders. Die U17-Mädchen erfuhren nach einem Turniersieg von ihrem Rausschmiss, andere waren gerade im Stadion, als sie von der Nachricht im Internet lasen. „In seinem Leitfaden schmückt sich der Verein mit sozialer Verantwortung und Respekt – und dann gehen sie so mit Menschen um. Mit der U20-Frauen-WM in Bochum hat die Abteilung wohl ihren Dienst getan“, sagt Vater Jörg Laftsidis: „Die Mädchen kosten den Verein fast nichts. Wir fahren die Kinder selbst zu den Auswärtsspielen, bezahlen Übernachtungen bei Turnieren.“

Trotz der kurzen Reaktionszeit, gibt es einen Plan zur Rettung des Frauenfußballs beim VfL: Eine eigene Frauen- und Mädchenabteilung soll her, bislang ist diese der Nachwuchsabteilung angegliedert. „Nur so können wir eigene Sponsoren suchen, ein eigenes Ambiente schaffen. Wir haben schon Kontakte geknüpft, auch die Politik steht hinter uns“, sagt Fechner.

Mädchen haben ihr Herz an den Sport und Verein gehängt

Alternativen sind rar gesät. Auf ähnlichem Leistungsniveau sind in der Umgebung nur Gütersloh, Duisburg und Essen. „Wir müssten noch mehr Kilometer abspulen. Wenn beim VfL mit dem Frauenfußball Schluss ist, müsste auch meine Tochter ihren Traum an den Nagel hängen. Ihr Herz hängt daran“, sagt Vater Patrick Randau.

Am Sonntag spielen die Frauen in der Zweiten Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg (11 Uhr, Leichtathletik-Platz am Stadion). Dort soll das weitere Vorgehen besprochen werden. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Fechner.

 
 

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