Herne

Ekelhaft! Wie Betrüger mit dem Tod des kleinen Jaden (9) bei Facebook Geld verdienen

Betrüger verdienen bei Facebook Geld mit dem Tod von Jaden aus Herne. (Symbolbild)
Betrüger verdienen bei Facebook Geld mit dem Tod von Jaden aus Herne. (Symbolbild)
Foto: Tobias Hase / dpa
  • Eine angebliche Gedenk-Seite gab bei Facebook vor, um den getöteten Jaden (9) aus Herne zu trauern
  • Sie sammelte auf diese Weise mehr als 11.000 Fans
  • Dann verwandelte sie sich plötzlich zu einer Seite, die Geschenk-Ideen mit Amazon-Links postet und dabei Geld verdient
  • Der ermordete Junge wurde von Anfang an für das Geschäftsmodell missbraucht

Herne. Vor einem Monat wurde der kleine Jaden (9) aus Herne brutal ermordet. Das Mitleid war nicht nur im Ruhrgebiet gigantisch.

Doch nun bereichern sich anonyme Betrüger bei Facebook am Mitgefühl der Trauernden. Dazu gründeten sie kurz nach Jadens Tod die Facebookseite „Jaden aus Herne“ - angeblich um der Trauer Raum zu geben.

Der Sinn der „Trauerseite“? Jedenfalls keine Trauer.

Auf der Seite wurde drei Tage nach Jadens Tod ein Foto des Jungens mit den Worten „Du warst noch so jung und bist von uns gegangen. Du bist jetzt an einem besseren Ort Ruhe in Frieden .. Würde mich freuen wenn ihr das Foto teilen würdet“ gepostet.

Tausende Facebook-Nutzer drückten daraufhin „Gefällt mir“. Doch um Anteilnahme ging es gar nicht. Das berichtete das Online-Portal Mimikama zuerst.

Fans für eine abgewandelte Version der Seite

Der Sinn der Facebookseite war das Teilen der Nachricht, um möglichst viele Fans für die Seite zu sammeln.

In späteren bearbeiteten Versionen des Jaden-Fotos wurden die Nutzer immer wieder zum Teilen des Beitrags animiert. Es ging darum, den Post 10.000 Mal zu teilen, dann 20.000 Mal, später wollten die Betreiber der Seite in einer wiederum bearbeiteten Version, dass 100.000 Shares erreicht werden.

Das Ergebnis: Immer mehr Nutzer wurden auf die Seite aufmerksam und liketen sie ebenfalls.

In Frieden ruhen lassen? Ist klar.

Vor einigen Tagen zeigten die Betreiber ihr wahres Gesicht. Zunächst kündigten sie an, die Seite zu schließen, "um den Jungen nun in Frieden ruhen zu lassen".

Und plötzlich verfolgt die Seite ein ganz anderes Ziel: Dort werden mittlerweile Geschenk-Ideen vorgestellt. Zelte, Sneaker, Spardosen und Handys sieht man dort. Alle mit eigenem Link zu Amazon.

Alle Beiträge über Jaden gelöscht - bis auf Follower und Likes

Die ursprünglichen Beiträge über Jaden sind restlos gelöscht. Auch der Seitenname ist geändert. Von „Jaden aus Herne“ ist nur noch das „aus“ übrig geblieben. Die Seite heißt nun „Aus - Einzigartige Geschenkideen“.

Vermutlich wurde das „aus“ übrig gelassen, um unter dem Radar von Facebook zu bleiben. Denn die Änderungen werden von Facebook kontrolliert. Je weniger Worte des ursprünglichen Titels geändert werden, desto unauffälliger.

Ursprünglicher Link führt auf die Shopping-Seite

Es erinnert zwar nichts mehr an die ursprüngliche Seite (Stand: 4. April 2017), doch auch der Ursprungslink führt auf die Shoppingseite: https://www.facebook.com/Jaden-aus-Herne-616724865192666/.

Und so wird das Geld verdient

Geld verdienen die Betreiber der Seite mit den Amazon-Links, die sie bei Facebook posten. Wer das tut, kann von Amazon quasi an dem Verkauf mitverdienen, wenn jemand genau diesen Link anklickt und dadurch dann etwas kauft.

Social-Media-Experte Jan Stranghöner sagt: „Das ist mega pietätlos. Das Ziel ist an der Stelle, sogenanntes Affiliate-Marketing für Amazon zu machen. Ein Provisionsgeschäft. Im Prinzip geht es darum, Reichweite und Aufmerksamkeit für Amazon zu generieren.“

Kein Aufwand für den Betreiber

Er erklärt: „Der Betreiber dieser Seite hat keinen Aufwand. Der klaut sich ein Bild, haut das rein und das war’s. Die Jungs zeichnen sich oft nicht durch Seriosität aus.“

Laut Stranghöner kann es sein, dass der Ersteller der angeblichen „Gedenk-Seite“ auch die anschließende Seite betreut. Es könne aber auch sein, dass jemand die alte Seite für einen festen Preis verkauft hat. „Faustregel sind etwa 50 Cent pro Fan“, sagt Stranghöner. In dem Fall also etwa 5.500 Euro.

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