Einenkel nennt Informationspolitik der Opel-Spitze "Wahnsinn mit Methode"

Klaus Buske
Rund 1000 Opelaner suchten am Dienstag Fragen auf viele Antworten - doch der Werksleiter wollte nur hinter geschlossenen Türen informieren.
Rund 1000 Opelaner suchten am Dienstag Fragen auf viele Antworten - doch der Werksleiter wollte nur hinter geschlossenen Türen informieren.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Rund 1000 Opelaner suchten am Dienstag Fragen auf viele Antworten. Der Werksleiter jedoch wollte keine Fragen öffentlich beantworten und lud in eine Halle ein. Dort wetterte Betriebsratchef Rainer Einenkel über die Informationspolitik der Opel-Spitze. Das Umgehen mit der Belegschaft bezeichnete er als „mieses Spiel“.

Bochum. Vier Stunden still standen die Bänder am Dienstag im Bochumer Opel Werk. Zur Betriebsinformation hatte der Betriebsrat fünf vor Zwölf Uhr eingeladen: im Freien, auf dem Platz hinter Tor 1. Rund 1000 Opelaner der Frühschicht versammelten sich. Aber kein Opel-Vorstand kam. Und auch Werksleiter Manfred Gellrich erschien nicht, um die Fragen der Belegschaft zu beantworten. Auch nicht, als sich die Spätschicht (ab 14 Uhr) informieren lassen wollte.

Werksleiter Gellrich hatte für 13 Uhr selbst zu einer Betriebsinformation in einer Halle eingeladen. Opel-Sprecher Alexander Bazio: „Wir haben ein schwebendes Einigungsstellenverfahren. Da können wir nicht in die Öffentlichkeit.“ „Der Wahnsinn hat nicht nur Methode, er sitzt auch im Chefsessel“, wetterte Bochums Betriebsratchef Rainer Einenkel zur Eröffnung des Treffens über die Informationspolitik der Opel-Spitze.

„Wir wollen endlich Ruhe haben“

Es sei ein „Irrsinn“, Bochum platt zu machen. Und es sei „ein mieses Spiel“ gewesen mit den Schicksalen der 430 Menschen im Zentrallager zu spielen, so Einenkel. Trotzdem sei es nicht gelungen, die Belegschaft zu spalten. Man werde der Opel-Führung nicht den Gefallen tun, anzufangen mit Ausständen, um erst isoliert und später geköpft zu werden. Einenkel: „Die Rüsselsheimer Kollegen haben den Schlüssel in der Hand, dieses miese Spiel zu beenden.

„Der Kollege Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug ist eingeladen zur Belegschaftsversammlung am 10. Juni,“ so Einenkel. Und weiter: „Wir wollen hier endlich Ruhe haben. Wir wollen weiter Autos bauen. Wir wollen verbindliche Zusagen“. Verlässliche Zusagen bräuchten diejenigen, die gehen wollten, eine Perspektive bräuchten die restlichen 80 Prozent im Werk.

Eine Perspektive fürs Zentrallager

Gegen 16 Uhr wurde die Versammlung unterbrochen - mit dem Ziel am nächsten Dienstag, 28. Mai, erneut fünf vor Zwölf Uhr zur Betriebsinformation zusammen zu kommen. Einenkel: „Wenn das Wetter gut ist, wieder unter freiem Himmel.“

Am 27. Mai, wird die Einigungsstelle tagen, die ursprünglich nur das Aus für die Getriebefertigung beraten sollte - mit ausgeweitetem Arbeitsprogramm: Altersteilzeitregelungen und Abfindungen mit einer „vernünftigen Transfergesellschaft“, eine ergebnisoffene Klärung der Frage, wie lange die Fahrzeugproduktion in Bochum läuft und die Perspektive fürs Zentrallager. Der Opel-Vorstand habe, zwei Tage bevor er ankündigte, den Zafira ab 2015 in Rüsselsheim bauen zu wollen, noch der ergebnisoffenen Erörterung der Frage zugestimmt, wie lange in Bochum noch Autos produziert werden.