Eine Zukunft für das Programmkino?

Tom Thelen

Dem Film kommt das Kino abhanden. Darüber schrieb Lars Henrik Gass, Chef der Oberhausener Kurzfilmtage kürzlich ein Buch. Das Kino als mentaler, ästhetischer und sozialer Raum gehe verloren in Zeiten von Blue-Ray, Download und Smart-Phone. Über die Zukunft des (Programm)Kinos sprach die WAZ mit Nina Selig, zur Zeit Chefin des Endstation Kinos in Langendreer. Das ist übrigens entgegen landläufiger Vorurteile weder Kommunales Kino noch ein Anhängsel des Bahnhofs Langendreer.

WAZ: Verändert sich das Kino schon im Alltag?

Nina Selig: Absolut. Das Klientel ändert sich. Das studentische Publikum ist nahezu weggebrochen. Andere „klassische Cineasten“ haben ihr Heimkino und eigene Blue-Ray-Filmsammlungen.

Was kann man da tun?

Es reicht nicht mehr aus, nur Filme zu zeigen. Wir bieten viele Filmgespräche mit Regisseuren an und kooperieren mit Partnern aus der Bochumer Kulturszene. Etwa ab Ende September mit SlowFood, mit denen wir eine Reihe kulinarischer Filme zeigen. Wir müssen raus aus der Randlage als Einzelkämpfer. Auch wollen wir mehr in den Stadtteil gehen, etwa Senioren als Publikum gewinnen.

Wie sieht denn das Programm im Endstation aus?

Wir setzen Schwerpunkte. Einerseits Dokumentationen. Der erfolgreichste Film im Vorjahr war entsprechend die Bienen-Doku „More than Honey“ mit über 1000 Zuschauern. Gefolgt von „Vergissmeinnicht“, einer Doku, in die ganze Pflegeschul-Klassen gingen. Andererseits wird etwa auch das Nachwuchskino gefördert, hier war „Dicke Mädchen“ sehr erfolgreich.

Die Filmstiftung NRW zählt das „Endstation“ zu den drei besten Kinos des Landes. Stolz?

Ja klar, auch das damit verbundene Geld ist notwendig. Uns ist aber auch wichtig, das viel zu ernste Bild der Leute vom Programmkino - so verkopft und hoch-intellektuell - zu ändern. Da ist auch viel Spaß. Wir zeigen sehr viele Komödien, natürlich auch solche, die man eben woanders nicht sieht.

Mit Kinderprogrammen soll der Nachwuchs ins Kino gelockt werden. Klappt das?

Manchmal sind gerade Kinder von Dokus „geflasht“. „Das ist ja anders als Film sonst, das ist ja echt!“ hat letztens ein Junge gesagt. Aber auch Schulklassen haben in Zeiten von G8 weniger Zeit fürs Kino.

Es geht aber trotzdem noch weiter mit dem Kino?

Die Zuschauerzahlen sind niedrig, aber noch stabil. Doch der Druck wird immer größer auf immer weniger Kinos.