Eine Stadtschreiberin für das Bochumer Westend

Dorte Huneke.
Dorte Huneke.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Dorte Huneke ist die erste Stadtschreiberin im Westend. Die 1975 geborene Autorin und Übersetzerin lebt seit 2012 in Bochum, der Liebe wegen. Das Stadtschreiber-Projekt wird unterstützt vom Senioren-Treff Albert-Schmidt-Haus finanziert durch den Stadtumbau Bochum-Westend.

Bochum.. Auf ihrem Internet-Blog erkundet und präsentiert Huneke Stahlhausen, Griesenbruch und Goldhamme und zeigt, dass diese Stattteile keinesfalls „die Bronx“ sind, für die einige sie halten. Sie berichtet von Despina, der griechischen Schneiderin, die seit 1976 ihren Laden am Springerplatz betreibt. Über den Künstler Marcus Kiel und vom Betrübnis der Truppe vom FKT und auch über Nejla Elif Usta, die seit 20 Jahren in Stahlhausen arbeitet, und ohne die es den Spielplatz an der Gremmestraße wohl nicht gäbe

Und Dorte Huneke kennt sich aus mit Städten. Sie verbrachte schon Lebensphasen in Kanada, England und Argentinien, zuletzt dann viel Zeit in Berlin und Istanbul als Kuratorin. Sie scheut nicht davor zurück, ihre neue Heimat mit diesen Metropolen zu vergleichen: „Es ist hier bunt und kulturell gemixt, es sind nur fünf Minuten in die City, trotzdem gibt es noch Lücken und es geht manchmal fast dörflich zu, manchmal ist es eben auch total Berlin“, sagt Huneke.

Für jede Art von Besuch hätte ihr Stadtteil etwas anzubieten: Mit Eltern könnte man zur feinen Osteria al Vecchio Torchio am Springerplatz gehen, dann im Westpark zur Industriekultur, eventuell zur Ruhrtriennale. Subkulturell interessierte Freunde könnten sich für eine Freiluft-Festivität im FKT, für das Rottstr5-Theater oder eine Galerieeröffnung begeistern.

Begeisterung für die neue Heimat

Man merkt der Schreiberin deutlich die Begeisterung für ihre neue Heimat an. Diese ist aber keine ungefilterte, keine naive. Davon zeugt das von ihr kürzlich herausgegebene Buch „Ziemlich deutsch - Betrachtungen aus dem Einwanderungsland Deutschland“, das die Bundeszentrale für politische Bildung publiziert hat.

Für diese Textsammlung sprach sie unter anderem mit IFAK-Vorstand Ulrich Pieper über Stahlhausen, erinnert schon im Vorwort an Reinhard Meys großartigen Song „Hauptbahnhof Hamm“ von 1967 und beschrieb den Gremme-Spielplatz in Stahlhausen als Modellprojekt demokratischer Stadtplanung.

Bis zum Ende des Jahres schreibt sie nun regelmäßig ihre Reportagen, dann soll hoffentlich der Stadtschreiber-Staffelstab weitergereicht werden. Es gibt genug Geschichten aus dem Westend.

 
 

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