Eine Mahnung mit Nachdruck

Schriftsteller Wolfgang Welt in Bochum im Stadtteil Langendreer vor dem Opel-Werk.
Schriftsteller Wolfgang Welt in Bochum im Stadtteil Langendreer vor dem Opel-Werk.
Foto: WAZ FotoPool
30 prominente Unterzeichner findet der öffentliche Aufruf, Wolfgang Welt den Literaturpreis Ruhr zu verleihen. Peter Handke hat unterschrieben. Und auch Dietmar Dath, Friedrich Küppersbusch und Frank Goosen.

Bochum. Ein weithin einmaliger Vorgang in der weiten Literatur(preis)welt. Da, wo oftmals subkutane kulturpolitische Diplomatie wirkt, haben sich nun dreißig überwiegend höchst prominente Unterzeichner gefunden, die öffentlich den Literaturpreis Ruhr 2014 für den Bochumer Schriftsteller Wolfgang Welt fordern. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören auch Peter Handke, Dietmar Dath und Friedrich Küppersbusch. Auch ehemalige Preisträger wie Frank Goosen, Fritz Eckenga und Norbert Wehr unterstützen die Aktion. Eine ungewöhnliche Mahnung.

Die Idee stammt vom Schriftsteller Marc Degens, geboren 1971 in Essen. Aus Enttäuschung über die Nicht-Vergabe des Preises 2013 an Welt kam ihm der Einfall, „ein Bedürfnis öffentlich zu machen. Der sechzigste Geburtstag wäre doch ein sehr guter Moment für den Preis gewesen.“

Unterschriften schnell zusammen

Knapp zwei Monate habe er gebraucht, die Liste voll zu bekommen, die von bekannten Journalisten (etwa Willi Winkler und Hilmar Klute von der SZ, Katja Kullmann) bis zu bundesweit agierenden Herausgebern, Literaturwissenschaftlern, Lektoren und Literaten reicht.

„Es ist eine Herzensangelegenheit“, sagt Degens. Denn Wolfgang Welt sei gerade für diesen Preis prädestiniert. Der kurze Text des Aufrufs begründet das schlicht: „Mit seinem Schreiben inspiriert Wolfgang Welt weit über das Ruhrgebiet hinaus zahlreiche Leser und Schriftsteller. Ausdruck dieser Bedeutung ist auch der Sammelband „Über Alles oder Nichts’, der zu Wolfgang Welts sechzigstem Geburtstag letztes Jahr erschien. Einen Literaturpreis hat Wolfgang Welt bis heute nicht erhalten. Wir, die Unterzeichner, schlagen deshalb Wolfgang Welt für den Literaturpreis Ruhr, der bedeutendsten Auszeichnung der Region vor. Wolfgang Welt hat den Preis verdient – und das Ruhrgebiet Wolfgang Welt.“

Im Vordergrund des ungewöhnlichen Vorstoßes stehe nicht, so Degens, großen Druck auf die Jury auszuüben. Es sei ihm aber sinnvoll erschienen, diesen öffentlichen Weg zu nehmen, um der großen Wirkung des Schreibers in ganzer Breite Ausdruck zu verleihen. Es sei daneben schlichtweg Zeit für den Preis: „Die Uhr tickt“.

Am 20. Juni endet der Vorschlagsturnus für den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis Ruhr. Für die Jury dürfte der öffentliche Vorschlag eine zwiespältige Angelegenheit sein.

 
 

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