Eine Hollywood-Ikone wird besichtigt

Jürgen Boebers-Süßmann
Nermina Kukic und  Ingmar Kurenbach  gestalten den „Hopper"-Abend.
Nermina Kukic und Ingmar Kurenbach gestalten den „Hopper"-Abend.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.  Das Theater Rottstraße 5 realisiert zum n.a.t.u.r.-Festival erneut eine Premiere in der Rotunde des Katholikentagsbahnhofs. Mit der Produktion „Hopper“ setzen sich Nermina Kukic und Ingmar Kurenbach mit Leben und Werk des Hollywood-Schauspielers auseinander. Premiere am 17. Mai, Dennis Hoppers Geburtstag.

Hollywood ist bekanntlich eine gigantische Projektionsfläche für Träume, Wünsche und Vergeblichkeiten, für Angst und Hass, Liebe und Einsamkeit. Kaum ein Künstler hat diese so schönen wie schäbigen Attribute der Traumfabrik so sehr repräsentiert wie Dennis Hopper (1936-2010). Einem der sperrigsten Stars der Film- und Kunstwelt (Easy Rider, Apocalypse Now, Blue Velvet, Speed) widmet sich die neue Produktion des Theaters Rottstr. 5. „Hopper“ ist ihr so logischer wie bündiger Titel, und die Hauptrolle spielt – eine Frau!

Komplexe Annäherung

Nermina Kukic, die im Off-Theater mit „The Waste Land“ bereits einen gehaltvollen T.S. Eliot-Abend hinlegte, hat auch die Hopper-Annäherung konzipiert. „Er war ein Künstler, dessen Exzentrik und Charisma man sich nicht entziehen konnte“, sagt Kukic – vielleicht, weil er alles auf einmal war: Filmschauspieler und Regisseur, Maler und Fotograf, Psychopath und Visionär, Beatnik und Junkie, Dickschädel und Saufkumpan. „Aus allen Facetten setzt sich unser Bild eines Mannes zusammen, der schwierig, aber auch einzigartig war“, findet Kukic.

Eben dieses Ambivalente habe sie an Dennis Hopper interessiert. So zeichnet sie gemeinsam mit dem Musiker Ingmar Kurenbach ein Porträt des Künstler, das nicht dessen Biografie nacherzählt, sondern aus vielen Schnipseln ein - sein? - Leben zusammensetzt. „Das wird eine komplexe Annäherung“, verspricht Kukic, „das wird keine blinde Huldigung“. Und Regisseur Hans Dreher ergänzt: „,Hopper’ ist keineswegs schleimendes Tribut. Vielmehr wird durch sinnliches Ritual und durchaus rätselhaftes Spiel Leben und Umfeld des Mimen untersucht.“

Ingmar Kurenbach, Theatermusiker am Schauspielhaus, zeichnet für die klangliche Gestaltung des Abends verantwortlich; gleichzeitig tauschen er und die Schauspielerin auch die Rollen. „Warum sollte ich nicht den Mann spielen?“, fragt Nermina Kukic. Für die taffe Schauspielerin sind der Geschlechterwechsel und die Macho-Rollenaneignung gerade die Herausforderung. Und der Musiker steht vor der Aufgabe, nicht nur den Soundtrack zu meistern, sondern aktiv mitzuwirken im Bühnenspiel. Mann und Frau, Hopper und Hollywood, die Kunstfigur und der Mensch Dennis H. – das wird wohl ein eindringlicher Abend.

Der übrigens auch jene ansprechen soll, die mit Dennis Hoppers Leben nur oberflächlich vertraut sind. Das gilt auch andersherum, denn auch Hopper-Kenner sollten nicht zu viel an Wiedererkennung erwarten. „Born to be Wild“ zum Beispiel, die Hymne, die sich seit Easy Rider mit Hopper verbindet, wurde als erstes aus dem Soundtrack aussortiert.