Ein Hund im Büro kann nicht alles verändern

Michaela Heinz mit Chihuahua-Hündin Daisy.
Michaela Heinz mit Chihuahua-Hündin Daisy.
Foto: Stephanie Jungwirth
Vierbeiner im Büro können das Wohlbefinden der Arbeitnehmer steigern. Aber, so ein Arbeitsmediziner: das tut auch eine Umarmung.

Bochum.. Wer das Büro von Michaela Heinz betritt, wird erstmal kläffend empfangen. Chihuahua-Hündin Daisy sorgt im Büro der Geschäftsführerin einer Firma für Medienproduktion dafür, dass ihr Frauchen einen nicht ganz so stressigen Arbeitstag hat. „Sie stellt sicher, dass ich mindestens zweimal am Tag an die frische Luft komme, Vitamin D tanke und gleich viel besser drauf bin“, sagt Michaela Heinz. Für sie als Geschäftsführerin ist es auch kein Problem, wenn Mitarbeiter ihre Hunde mit zur Arbeit bringen.

Dass dies sogar gesundheitsfördernd ist, dafür wirbt der Bundesverband Bürohund e. V.. Der Verband möchte mit der Eingliederung von Hunden im Büro „dem dramatischen Anstieg von psychischen Erkrankungen und Burnout im Arbeitsleben“ entgegenwirken. Die Vereinigung sieht sich dabei als gleichrangige Interessenvertretung von Unternehmern, Arbeitnehmern und Hunden.

„Im normalen Büroalltag vollkommen utopisch“

Ein Bürohund, so wird mit Verweis auf verschiedene wissenschaftliche Studien betont, erhöhe die Zufriedenheit der Mitarbeiter, schaffe ein besseres Arbeitsklima und wirke stark stressmindernd, was zu einer deutlich niedrigeren Rate von Herz- und Schlaganfällen führe. Unter anderem wird dabei auf die Ausschüttung des Hormons Oxytocin im menschlichen Körper verwiesen, was durch das Streicheln eines Hundes ausgelöst werden soll. Vorsitzender Markus Beyer erklärt: „Bei einem Hundehalter, der gerade einen Hund streichelt wird das selbe Hormon ausgeschüttet wie bei der Geburt eines Babys.“ Allerdings weiß er auch: „Keiner von uns glaubt, dass ein Hund alles verändern kann.“

Dr. Thomas Katzenbach vom Arbeitsmedizinischen Zentrum Rhein-Ruhr sieht die Idee vom Bürohund als Stresskiller kritisch. Der Arbeitsmediziner bestätigt zwar, dass durchaus das Hormon Oxytocin freigesetzt werden kann, wenn Herrchen sein Hund streichelt. „Aber das wird auch bei allen möglichen Körperkontakten freigesetzt. Etwa durch Umarmungen. Und wieso gerade Hunde? Man kann doch auch sein Kaninchen mit ins Büro nehmen und dort streicheln.“ Das viel gelobte Hormon, welches nach Darstellung des Bundesverbandes Bürohund vor allem Burnout und psychischen Erkrankungen entgegenwirken soll, kann nach Aussagen des Arbeitsmediziners auch Neid, Schadenfreude und aggressives Verhalten herbeiführen.

„Das ist im normalen Büroalltag vollkommen utopisch, sowohl von der allergischen als auch von der hygienischen Seite betrachtet. Der Anteil der Allergiker nimmt dramatisch zu. Wir müssen die Gesundheit im Betrieb fördern, aber nicht so. Ich kenne keine einzige relevante medizinische und vor allem objektive Studie, die diese Thesen unterstreicht.“

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