Drei Bochumer Schulen wollen „Vielfalt fördern“

Treffen an der Nelson-Mandela-Schule: Die Mitglieder der drei Steuerungsgruppen der drei beteiligten Schulen des Projektes „Vielfalt fördern“ (2.v.r.: Michael Post)
Treffen an der Nelson-Mandela-Schule: Die Mitglieder der drei Steuerungsgruppen der drei beteiligten Schulen des Projektes „Vielfalt fördern“ (2.v.r.: Michael Post)
Foto: FUNKE Foto Services
Projekt stellt „tiefgreifenden Eingriff in den Schulalltag da“. Fortbildung für Lehrer dauert zwei Jahre.

Bochum.. Besonders groß ist das Schild nicht. Vielfalt fördern steht drauf, zudem sind viele bunte Pfeile zu sehen. Sie sind so angeordnet, dass sie einen Stern entstehen lassen. Fast direkt daneben im Treppenhaus der Nelson-Mandela-Schule hängt das Schild: Schule mit Courage. Schule ohne Rassismus. Es ist deutlich größer und die Idee, die dahinter steckt, sorgt für Bewegung an der Schule. Sie bewegt aber bei weitem nicht so viel, wie das Projekt „Vielfalt fördern.“

Michael Post, Lehrer an der Nelson-Mandela-Schule sagt dazu: „Das Projekt Vielfalt fördern ist der bislang tiefgreifenste Eingriff in den Schulalltag.“

Auf der offiziellen Seite im Internet wird es so beschrieben: „Die Kooperationspartner, das Ministerium für Schule und Weiterbildung und die Bertelsmann Stiftung, möchten mit ihrem Projekt die Schulen und Lehrkräfte dabei unterstützen, sich besser auf die wachsende Heterogenität der Schülerschaft einzustellen. Damit soll ein Beitrag zur Verbesserung von Chancengleichheit, sozialer Gerechtigkeit und Leistungsfähigkeit des Schulsystems in Nordrhein-Westfalen geleistet werden.“

Andere Herangehensweise vermitteln

Post formuliert das deutlich griffiger. „Das Projekt ist letztlich die Zusammenfassung, was durch verschiedene Studien bereits festgestellt wurde. Man muss Schule wieder stärker an die Realität anpassen. Die Schüler kommen nicht mehr vorsortiert bei uns an. Das Spektrum geht weit auseinander. In der Vergangenheit wurden die Schülerinnen und Schüler alle über einen Kamm geschert. Jetzt soll eine andere Herangehensweise vermittelt werden.“

Eine, bei der zum Beispiel nicht mehr alle Schüler das gleiche Arbeitsblatt bekommen, sondern eins, das ihren individuellen Fähigkeiten entspricht. „Ob Sitzenbleiben Sinn macht wird zum Beispiel auch thematisiert und klar ist, dass wir als Lehrer anders arbeiten müssen“, sagt Post. „Wir müssen stärker in Teams arbeiten. Und das nicht nur in Jahrgangsteams. Der Lehrer ist dann weniger Einzelkämpfer.“ Um Schüler genauer einschätzen zu können, bedürfe es aber eben auch einer anderen Diagnostik.

Fortbildung dauert zwei Jahre

Dort setzt das Projekt und die Fortbildung auf dem Weg zur Umsetzung an. „Dazu haben alle beteiligten Schulen Steuerungsgruppen gebildet“, sagt Post. In Bochum beteiligen sich neben der Nelson-Mandela-Schule auch die Realschule Höntrop und die Sekundarschule Südwest am Projekt. „Im ersten Modul der Fortbildung geht es um die Zusammenarbeit der Kollegen, um kollegiale Unterrichtsbesuche“, sagt Post. „Im zweiten um die Diagnostik, im dritten und vierten darum, wie man seinen Unterricht entsprechend verändern muss.“

Das geht indes nicht von heute auf morgen. Vor zwei Jahren gab es eine erste Infoveranstaltung zum Thema. Nun läuft an den drei Schulen in Bochum in den nächsten beiden Jahren die Fortbildung, jeweils moderiert von Lehrern, die von außen kommen und nicht an der jeweiligen Schule selber arbeiten. „Bei der Lehrerfortbildung ist viel im Wandel“, sagt Post. „Es ist ein Prozess, bei dem wir mit der Teilnahme an diesem Projekt weiter sind als andere.“

18 Regionen nehmen teil

Seit dem Schuljahr 2012/13 wird die Fortbildung Schulen mit Sekundarstufe I in den fünf Pilotregionen Bonn, Borken, Düsseldorf, Gütersloh und Hamm angeboten. Die Bezirksregierungen haben die Erprobung im darauf folgenden Jahr auf fünf weitere Kreise und Städte ausgeweitet: Seit Beginn des Schuljahres 2013/14 nehmen Schulen aus dem Hochsauerlandkreis, der Stadt Bielefeld, dem Kreis Kleve, dem Oberbergischen Kreis und der Stadt Gelsenkirchen an der Fortbildung teil. Inzwischen sind in der dritten Welle weitere Regionen, u.a. auch Bochum, in das Projekt aufgenommen worden. In den mittlerweile 18 Projektregionen in NRW können sich alle Schulen mit Sekundarstufe I (bis auf Gymnasien) um eine Teilnahme an der Fortbildungsmaßnahme bewerben.

Perspektivisch soll „Vielfalt fördern“ allen kreisfreien Städten und Landkreisen in NRW zur Verfügung stehen und fester Bestandteil der „Menükarte“, d.h. des Fortbildungsangebots für Lehrkräfte in NRW sein.

Sukzessive wird das Angebot allen 53 Regionen des Landes zugänglich gemacht. Bezirksregierungen, Kompetenzteams und Regionale Bildungsbüros arbeiten jeweils zusammen.

 
 

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