Bochum

Eckart von Hirschhausen besucht Hospiz in Bochum: Danach erhebt er schlimme Vorwürfe

Eckart von Hirschhausen besucht ein Hospiz in Bochum. Danach erhebt der Mediziner schwere Vorwürfe gegen Kollegen.
Eckart von Hirschhausen besucht ein Hospiz in Bochum. Danach erhebt der Mediziner schwere Vorwürfe gegen Kollegen.
Foto: imago images

Bochum. „Stellen Sie sich vor, Sie sind weg, es gibt Sie nicht mehr. Sie sind tot. Für wen ist das schlimm? Für sie selber oder für alle, die noch weiterleben?“ Diese und andere existentielle Fragen stellt Deutschlands wohl bekanntester Mediziner Dr. Eckart von Hirschhausen im ersten Teil seiner neuen ARD-Reportagereihe.

Eckart von Hirschhausen besucht ein Bochumer Hospiz

Worum genau geht es bei der Reportage? Die Doku im Ersten wird Dr. Eckart von Hirschhausen unter anderem in ein Gefängnis führen. Und in der ersten Folge auch an einen Ort, den Menschen in der Regel zum Sterben aufsuchen: ein Hospiz. Ein dramatischer Einstieg und ein schwieriges Thema, an dem viele Reporter scheitern.

Dr. Eckart von Hirschhausen besucht dazu ein Hospiz in Bochum. Kurz nach dem Dreh nahm sich von Hirschhausen Zeit für ein Interview mit DER WESTEN. Er erhebt schlimme Vorwürfe wegen – aus seiner Sicht – unnötigen Behandlungen. Das Interview:

Sie haben sich ein Hospiz als ersten Ort für Ihre Reportagereihe ausgesucht. Wieso gerade einen Ort, der eigentlich für das Ende des Lebens steht?

„Das Besondere an diesen Reportagen ist, dass ich mich ohne ein festes Drehbuch an Orte begebe, wo wir als Gesellschaft ungern hinschauen. Das Hospiz ist genauso ein Ort, mit dem wir uns aber dringend beschäftigen sollten. Ich bin dort nicht als Moderator oder Komiker unterwegs, sondern als Mensch, ungeschminkt, mit offenen Augen und ohne fertige Antworten.

So war ich bereits für die ersten drei Folgen im Altenheim, auf einer Kinderintensivstation und der Psychiatrie und für die nächsten beiden Folgen jetzt dem Tod sehr nah und der Isolation, als ich mich in ein Gefängnis begeben habe. Ich war sehr beeindruckt, wie sich überall oft spontane und existentielle Gespräche und Begegnungen ergeben, die man so gar nicht planen kann.“

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Haben Sie Angst vor dem Tod?

„Ja und Nein, aber nach dieser Reportage weniger. Und was mir auch noch klarer geworden ist, ist wie viel von dem, wonach wir alle lange streben und unglaublich viel Zeit vertrödeln, angesichts des Todes total unwichtig wird. Und davor haben wir Angst, nicht vor dem Tod selbst: dass wir einsehen müssten, die falschen Prioritäten gehabt zu haben. Keiner hat doch auf dem Sterbebett jemals gesagt: Ich hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen oder mit 'Social Media'. Eigentlich wissen wir das ganz genau, sind aber Meister des Verdrängens.“

Wie stellen Sie sich den Tod vor?

„Alle Aussagen über den Tod haben einen systematischen Fehler: Sie kommen von Lebenden. Was mich angeht: Ich glaube an ein Leben nach dem Tod – zumindest in Teilen und bin deshalb erklärter Organspender. Und was den Nachruhm angeht, bin ich lieber zu Lebzeiten überschätzt als andersherum.“

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Das ist Eckart von Hirschhausen:

  • Eckart Axel von Hirschhausen ist 52 Jahre alt
  • Er wurde am 25. August 1967 in Frankfurt am Main geboren
  • er lebt in Berlin
  • Er ist ein deutscher Moderator, Arzt, Zauberkünstler, Kabarettist, Comedian und Schriftsteller
  • Im Jahr 2008 gründete er die Stiftung „Humor hilft heilen“
  • Er studierte Medizin. Unter anderem am Royal Free Hospital in London
  • Zudem ist er ein bekannter Vertreter von „Scientists for Future“
  • Er arbeitete als Kolumnist unter anderem für den „Stern“, den „Playboy“ und die „Berliner Morgenpost“

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Es gibt derzeit den Vorschlag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, eine Art Strafe für „zu viele“ Arztbesuche einzuführen. Was denken Sie über den Vorstoß?

„Ich würde lieber eine Strafe für ärztliche Eingriffe einführen, die zu viel sind. Im Hospiz habe ich die Schattenseite der Übertherapie bei Krebs kennengelernt. Die Palliativmediziner erzählten mir, wie viele Menschen im Krankenhaus sterben und bis zum letzten Tag noch teuerste Medikamente bekommen, die an ihrer Lebenserwartung nichts ändern, aber die Lebensqualität verschlechtern. Jeden Tag werden auch nutzlos zu viele Herzkatheter geschoben und Rücken operiert. In dem Film zeige ich, wie am Ende des Lebens mehr Humanität in die Humanmedizin kommen kann.“

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Auf Social Media erfuhr Hirschhausen viel Lob für das Format:

„Hirschhausen im Hospiz - wie das Ende gelingen kann“ wurde am Montag, dem 16. September um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Die ganze Sendung ist auch in der Mediathek abrufbar.

Die nächste Folge der Reportage-Reihe „Hirschhausen im Knast – wen wir wirklich im Leben brauchen“ zeigt die ARD am 23. September.

 
 

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