Doncasters entlässt Leute

Vor zwei Jahren hatte die IG Metall eine Kampagne mit dem Titel „Prekäre Beschäftigung – Stopp!“und am „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ vor dem Doncasters-Werkstor demonstriert.
Vor zwei Jahren hatte die IG Metall eine Kampagne mit dem Titel „Prekäre Beschäftigung – Stopp!“und am „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ vor dem Doncasters-Werkstor demonstriert.
Foto: WAZ
Zehn Prozent der Mitarbeiter des Turbinenschaufelhersteller Doncasters Precision Castings haben die Kündigung erhalten. IG-Metall-Bezirksvorsitzende Eva Kerkemeier wirft dem Unternehmen „Kapitalismus pur“ vor.

Nach der Entlassung von 90 Leiharbeitern 2013 hat der Turbinenschaufelhersteller Doncasters Precision Castings im Stadtteil Wiemelhausen nun auch 46 Mitarbeitern seines etwa 460-köpfigen Stammpersonals gekündigt. Zuvor hatte der Betriebsrat nach zähen Auseinandersetzungen und Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht Bochum und dem Landesarbeitsgericht Hamm einen Sozialplan unterschrieben, der Abfindungshöhen und den möglichen Wechsel in eine Transfergesellschaft vorsieht.

Betriebsrat und IG Metall hatten die Gerichte nicht davon überzeugen können, eine Einigungsstelle für Kurzarbeit einzurichten. Die Arbeitsrichter folgten der Position des Unternehmens. Das hatte die Personalmaßnahmen als strukturelle Veränderung geschildert.

IG-Metall-Beauftragte Eva Kerkemeier spricht von verhärteten Fronten und einem spürbar schlechten Klima im Unternehmen. Dessen Leitung wirft sie ein „brutales und rücksichtsloses Verhalten vor, das ich so lange nicht mehr erlebt habe“. Vor den Kündigungen habe es keine Sozialauswahl gegeben. Außerdem sei zwei Mitgliedern des Wahlvorstands – im März hatte es die jüngste Betriebsratswahl gegeben – sowie dem Schwerbehindertenobmann fristlos gekündigt worden, in ihrer Funktion genießen sie eigentlich besonderen Schutz. Kerkemeier spricht von „Kapitalismus pur“, von Missachtung der deutschen Sozialordnung und davon, dass Doncasters keineswegs rote Zahlen schreibe. Eine Anfrage der Redaktion an die Geschäftsführung blieb am Freitag unbeantwortet.

Doncasters Precision Castings ist ein Tochterunternehmen der britischen Doncasters Group, die im Besitz der Beteiligungsgesellschaft Dubai International Capital ist. Bei der Betriebsratswahl im März waren bei der Firma nach Auskunft des Betriebsratsvorsitzenden Dirk Stüther (46) insgesamt 464 Beschäftigte wahlberechtigt. Nachdem das Doncasters schon im Vorjahr von einer Personalreduzierung von 60 bis 85 Personen gesprochen hatte, befürchtet er nun, dass die Belegschaft auf etwa 400 Beschäftigte schrumpfen wird. Vor knapp zwei Jahren hatte es 474 Mitarbeiter gegeben, jeder dritte war damals ein Leiharbeiter. Damals hatte die IG Metall eine Kampagne mit dem Titel „Prekäre Beschäftigung – Stopp!“ organisiert hatte am „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ vor dem Doncasters-Werkstor demonstriert.

 
 

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