Herne

Diese Strafe droht Marcel H. (19), wenn er verurteilt wird

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  • Marcel H. konnte endlich gefasst werden
  • Der 19-Jährige soll einen Jungen (9) in seinem Keller brutal erstochen haben - in einer Herne Wohnung fand die Polizei Mittwochabend eine weitere Leiche
  • Essener Anwalt sagt: Nach jetzigem Erkenntnisstand liegt besondere Schwere der Schuld vor

Herne. Marcel H. (19) wurde endlich gefasst. Jetzt wird der mutmaßliche Kindermörder intensiv befragt.

Doch mit welchen Konsequenzen muss er jetzt rechnen?

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Die Klärung der Schuldfähigkeit

„Zunächst muss ein Gutachter klären, ob der Mann überhaupt schuldfähig ist“, sagt Nikolai Odebralski. Der Essener Rechtsanwalt hat sich auf Strafrecht spezialisiert.

„Der Gutachter klärt dann, ob der Täter zur Tatzeit im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war.“

Stellt sich heraus, dass ein Täter nicht zurechnungsfähig war und zum Beispiel eine Psychose hat, kommt er in der Regel nicht in U-Haft - sondern wird bis zur Verhandlung in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen.

Wird der Täter wie ein Jugendlicher oder ein Erwachsener behandelt?

„Das kommt immer auf den Einzelfall an“, sagt Odebralski. Eine Faustregel sagt: Je näher das Alter eines Verdächtigen an 18 Jahren ist, desto eher wird sein Prozess nach Jugendstrafrecht verhandelt. „Mit 19 Jahren liegt der Verdächtige genau in der Mitte zwischen 18 und 21. Da wären beide Fälle möglich.“

Weitere Kriterien: Wohnte der Verdächtige zur Tatzeit allein oder noch bei seinen Eltern? Ist er finanziell von seinen Eltern abhängig, oder führt er ein wirtschaftlich selbstbestimmtes Leben?

Hauptunterschied zwischen Behandlung nach Jugendstrafrecht oder Erwachsenenstrafrecht: Die Dauer einer möglichen Haftstrafe. „Nach dem, was bislang bekannt ist, können wir vermuten, dass es in einem möglichen Prozess um Mord mit einer besonderen Schwere der Schuld gehen würde“, so Odebralski.

Nach Jugendstrafrecht drohe dem Täter dann im Falle eines Schuldspruches eine Höchststrafe von 15 Jahren. „Im Jugendstrafrecht fällt der sogenannte generalpräventive Aspekt weg.“ Das heißt: Es geht im Urteil nicht um eine abschreckende Wirkung für die Gesellschaft beziehungsweise um eine Strafe, die von der Gesellschaft erwartet wird.

Sondern: „Bei der Jugendstrafe geht es vornehmlich um den pädagogischen Effekt. Die Strafe ist nur auf den Täter bezogen.“

Falls das Erwachsenenstrafrecht angewandt werden würde, sähe die Sache anders aus: In einem solchen Fall kann ein Täter nicht damit rechnen, nach 15 Jahren vorzeitig entlassen zu werden. Die durchschnittliche Haftdauer liegt bei Mord mit besonderer Schwere der Schuld bei 25 Jahren.

Was, wenn der Täter nicht zurechnungsfähig war?

„In einem solchen Fall wird der Verurteilte in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht“, erklärt Odebralski. Daraus werde er erst entlassen, wenn die Ärzte ihm bescheinigen, dass er nicht mehr gefährlich ist.

„Das kann nach fünf Jahren sein, aber auch erst nach 30 oder 40 Jahren“, erklärt der Anwalt. (pen)

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