Die zentrale Anlaufstelle zur Inklusion fehlt in Bochum

Markus Rensinghoff
Inklusion. Behinderte und nicht-behinderte Kinder lernen zusammen.
Inklusion. Behinderte und nicht-behinderte Kinder lernen zusammen.
Foto: dpa
Thorsten Haag leitet das „Haus der Begegnung“. Dort trifft sich regelmäßig das Netzwerk Inklusion. Auch er hätte gerne eine Tür, hinter der alle Fragen zum Thema beantwortet oder kanalisiert werden. „Die aber gibt es nicht“, sagt er. „Es wäre schön, wenn es sie geben würde.“

Bochum. Zwei Zukunftswerkstätten des „Netzwerkes Inklusion in Bochum“ haben bereits stattgefunden. Im Haus der Begegnung gab es eine Zukunftswerkstatt zum Handlungsfeld Arbeit und eine zum Handlungsfeld Wohnen. Es folgen die Handlungsfelder Barrierefreiheit und Bildung. Mit Thorsten Haag, dem Leiter des Hauses des Begegnung, sprach Redakteur Markus Rensinghoff besonders über das Handlungsfeld Bildung.

Die Zukunftswerkstatt Bildung bildet den Abschluss. Wer wird teilnehmen?

Angemeldet sind die üblichen Verdächtigen: die Wohlfahrtsverbände, das Gesundheitsamt, das Amt für Soziales, das Jobcenter, die Agentur für Arbeit. Festzuhalten bleibt, dass zu wenig Betroffene bei den Veranstaltungen dabei sind. Wir erreichen zu wenig Menschen, die basal mit den Problemen zu tun haben. Wir wollen ja nicht immer nur das Fachpublikum.

Also sollen auch Eltern und Schüler kommen?

Gerade die. Es wäre schöner, wenn sie breiter vertreten wären, damit sie ihre Bedürfnisse schildern können. Im Sinne der Teilhabe ist es wichtig, den Menschen die Angst zu nehmen, die Angst vor der Veranstaltung. Die Hemmschwelle ist hoch.

Bei den Zukunftswerkstätten geht es auch um konkrete Ansprechpartner für Menschen mit Behinderungen. Da gibt es bei der Bildung ja auch schon länger ganz viele.

Stimmt. Da gibt es viele und viele gute. Das Netzwerk will die Tradition in der Stadt und bei den Institutionen nicht mit Füßen treten. Wir wollen das nicht negieren. Das Thema Inklusion aber muss erst einmal sehr hoch aufgehängt werden, damit es wahrgenommen wird. Seien wir ehrlich: Bei Karl Meier, der in der Oskar-Hoffmann-Straße wohnt, muss viel passieren, bis er genau weiß, worum es geht.

Wer ist „der“ Ansprechpartner beim Thema Bildung?

Da geht ganz viel über das Haus der Begegnung. Hier sind viele Gruppen vertreten. Dazu kommen alle Verbände und Vereine, die sich mit Menschen mit Behinderung auseinandersetzen. Bei der Stadt gibt es konkrete Ansprechpartner, die auch online zu finden sind.

Aber den einen Ansprechpartner, die eine Tür mit der Aufschrift „Inklusion“, hinter der alle Fragen beantwortet werden, die gibt es nicht.

So gerne das die Menschen auch hätten – nein, sie gibt es nicht. Da sind viele unterschiedliche Ämter gefragt. Es wäre schön, wenn es eine Anlaufstelle geben würde, die die Anfragen kanalisiert – aber sie gibt es nicht. Die Stadt sagt, die Bürgerdienste erfüllen diesen Zweck.