Die Ruhe vor dem Sturm

Michael Weeke
Vor dem Hintergrund der Spekulationen um mögliche Werksschließungen bei Opel versammelte sich am Samstag, 31. März 2012 die Belegschaft des Bochumer Werkes zu einer Betriebsversammlung im Bochumer Ruhr-Congress. Beschäftigte verlassen die Versammlung.
Vor dem Hintergrund der Spekulationen um mögliche Werksschließungen bei Opel versammelte sich am Samstag, 31. März 2012 die Belegschaft des Bochumer Werkes zu einer Betriebsversammlung im Bochumer Ruhr-Congress. Beschäftigte verlassen die Versammlung.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum. Eine unwirkliche Ruhe, das berichteten Opel-Mitarbeiter, herrschte bei dieser denkwürdigen Betriebsversammlung am Samstag im Ruhrcongress. Es war so still, wie 2500 Opel-Mitarbeiter nur sein können. Doch die Journalisten draußen brauchten keinen Ton, über die Hallenmonitore sahen sie einen Stummfilm, einen vielsagenden: Als letzter hatte sich Werksdirektor Manfred Gellrich nach vorn gestellt, hinter dem Pult mit dem Opel-Blitz stand er und mehrfach zuckten seine Schultern, vollführten seine Arme Gesten, die vor allem eins verrieten: Ratlosigkeit.

Arbeitsdirektor Holger Kimmes hatte die erhoffte Klarheit über das Jahr 2014 ebenso wenig bringen können, wie NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider, der den Beschäftigten zwar demonstrativ den Rücken stärkte, sonst bei seiner Stippvisite in Bochum recht vage geblieben sein soll.

Vier unterschiedliche Modelle

Da konnte Betriebsratschef Rainer Einenkel hernach vor dem in seltener Stärke lauernden Medienrudel umso schärfer in Richtung GM-Spitze, wo er die Quelle für die neuerliche Schließungsdebatte um das Bochumer Werk ausgemacht hat, auftrumpfen: „Das ist eine Wahnsinnspolitik, das schädigt den Ruf der Marke. Wer solche Politik macht, gehört auf eine Kündigungsliste.“

Erst gerade am Wochenende laut gewordene Hinweise auf das Alter des Werks seien „dummes Zeug“. Bochum sei profitabel, das einzige Werk, das an fünf Tagen die Woche über drei Schichten produziere und zwar vier unterschiedliche Modelle. Auch ein Herunterrechnen der Beschäftigtenzahlen könne er nicht unwidersprochen lassen: Hier arbeiteten 4.200 Opelaner und dazu kämen bis zu 800 Beschäftige von Firmen, die direkt im Werk arbeiteten.

Millionenschwere Beträge

Einenkel, der weiß, dass die nächsten gut zwei Monate die Entscheidung bringen werden, zeigte am Samstag, flankiert von zwei hochrangigen IG-Metall-Vertretern Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft. Aber es müsse auch klar sein: „Natürlich ist bei der momentanen Lage keines der Werke sicher. Aber wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Eins ist ganz klar: Wird Bochum geschlossen, ist Opel am Ende. Das würde die Marke nicht überleben.“ Doch noch sei Zeit.

Bei den Verhandlungen gehe es auch um millionenschweren Beträge. Allein die Bochumer Belegschaft stemmt durch Verzicht 20,6 Mio Euro im Jahr. Geld, das sie auch für den Erhalt des Standortes eingesetzt wissen will.