Die Rückkehr zum verlosten Wolkenauto

Fluxuskünstler Geoffrey Hendricks 1979 im Bochumer Ruhrpark mit seinem Wolkenauto, das heute im Duisburger Lehmbruckmuseum steht.
Fluxuskünstler Geoffrey Hendricks 1979 im Bochumer Ruhrpark mit seinem Wolkenauto, das heute im Duisburger Lehmbruckmuseum steht.
Foto: Hartmut Beifuß
Fluxus-Legende Geoffrey Hendricks (81) besuchte im Museum Bochum seinen 1979 im Ruhr-Park präsentierten Kunst-Käfer. Durch Los-Glück im Besitz des Duisburger Lehmbruck-Museums.

Bochum.. „Ich habe für Bochum einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen“, sagt Geoffrey Hendricks. Ganz spontan war der 1931 in Littletown, New Hampshire geborene Künstler zu einem Besuch im Museum erschienen. Hier bestieg er jenen berühmten VW-Käfer, den er als „Wolkenauto“ 1979 bei den 6. Bochumer Kunst-Wochen im Ruhr-Park gezeigt hatte und der nun dem Lehmbruck-Museum gehört.

Hendricks, in die Kunstgeschichte als der „Wolkenmaler“ eingegangen, gehörte zu den maßgeblichen Protagonisten der Fluxus-Bewegung. Die feierte am Wochenende in Wiesbaden den 50. Jahrestag ihrer Begründung.

70er - Einzelausstellungen in Bochum

Im Anschluss an diese erinnerungsträchtige Begegnung im Hessischen, wo er auch eine Performance für Nam June Paik zeigte, besuchte Hendricks nun auch die aktuelle Bochumer Fluxus-Schau im Museum. Die ist ja Inge Baecker gewidmet, jener Galeristin, die Hendricks Anfang der 70er erstmals in ihre Garagen-Galerie in Hamme holte. Baecker zeigte in den darauffolgenden Jahren Einzelausstellungen des Wolkenmannes.

Bekannt wurde Hendricks durch seine Bilder vom Himmel, die er nach und nach auch auf Objekte übertragen hat. „Ich habe den Himmel auf die Erde geholt“, lachte der 81-jährige, der eifrig fotografierend die Ausstellung durchwanderte. „Wir stellten damals mit unseren Aktionen die Institution des Museums in Frage“, erzählte er verschmitzt, „jetzt hängen wir selber drin“. Ein Schicksal allerdings, das die Fluxus-Künstler mit vielen Avantgardisten teilen.

Heute ein Teil der Kunstgeschichte

Trotzdem sei er sehr stolz, nun Teil der (Kunst)Geschichte zu sein, erzählte der agile Amerikaner, der angesichts der vielen Objekte, Bilder und Dokumentationen längst vergangener Happenings viele Anekdoten über seine Weggefährten zu erzählen vermochte. Von einem ehemaligen Weggefährten wurde er im Museum persönlich begrüßt: der Bochumer Architekt Karl Gehse gehörte damals zum Umfeld der Künstler rund um Inge Baecker. Gehse war etwa auch beteiligt an jener aufsehenerregenden Schau 1979 im Ruhr-Park. Hier hatte der Architekt den Reifenturm von Allen Kaprow mitentworfen, der später in Flammen aufging. Bei der gleichen, „Mobilität“ betitelten Kunstaktion im Einkaufspark hatte Hendricks sein „Wolkenauto“ präsentiert, einen wölkchenverzierten hellblauen VW-Käfer. Der stand nicht zum Verkauf, sondern wurde nach einer gemeinsamen Idee von Baecker und Hendricks verlost. An dem Preisausschreiben durften allerdings nur eine beschränkte Zahl von Museumsbeschäftigten teilnehmen. Unter den richtigen Einsendungen zog Hendricks dann das Lehmbruck-Museum. „Wir lachten und freuten uns damals“, erzählte der „Künstler“, „die hatten damals schon eine kleine Sammlung von mir, das passte also“.

Die Kunst der Gegenwart beobachtet Hendricks immer noch, ist interessiert an Internet und neuen Medien. „Wir haben das alles aber lange vorher schon mit unseren Fluxus-Arbeiten antizipiert“, sagt er stolz. Fluxus forever.

 
 

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