Die neuen Pläne für den Kemnader Stausee

Kemnader Stausee mit Herz-Insel.
Kemnader Stausee mit Herz-Insel.
Foto: Hans Blossey
Was am Kemnader Stausee Neues zu erwarten ist, fragten unsere Leserbeiräte Udo Kunstmann und Uwe Siebler im Interview mit Wilfried Perner, Geschäftsführer der Freizeitgesellschaft Kemnade.

Bochum. Er gilt nicht nur den Bochumern als Idylle zum Verweilen - der Kemnader Stausee im Süden der Stadt. Das 125 Hektar große Gewässer, 1976 bis 1979 angelegt, hat viel zu bieten - von den Booten in den beiden Häfen Heveney und Oveney über die Wettermessstation auf der Halbinsel bis hin zum Freizeitbad in Heveney mit Sauna und Riesenrutschen. Rundherum am See tummeln sich die Wanderer, Angler, Jogger, Skater und Radfahrer in allen Jahreszeiten. Doch was mag sich, abgesehen vom Wasserspaß, dort künftig tun? Unsere Leserbeiräte Udo Kunstmann und Uwe Siebler fragten dazu „Seeherrn“ Wilfried Perner, Geschäftsführer der Freizeitzentrum Kemnade GmbH. Rolf Hartmann fasste das Gespräch zusammen.


Wie ist eigentlich die Gesamtverbindung zwischen Freizeitzentrum Kemnade, Haus Herbede und der Wassersportschule?

Wilfried Perner: Das Freizeitzentrum wurde gegründet, um die Freizeiteinrichtungen am See zu betreiben, zur Leibesertüchtigung unserer Bürger. Die Wassersportschule ist eine der wesentlichen Träger am See, sonst ginge vieles nicht. Sie wird von Segellehrern organisiert, die angemessen, aber nicht übermäßig bezahlt werden. Die Segelboote sind die Highlights am See. Es war eine gute Entscheidung, die Wassersportschule als eigene GmbH zu führen. Auch Haus Herbede wird als eigene GmbH geführt. Das Freizeitzentrum hatte das Gebäude erworben und mit Hilfe der Stadt Witten als Tagungstreffpunkt renoviert.


Wie ist der Stand zur Errichtung der Inline Skaterbahn?

Perner: Ich rechne mit normalem Ablauf. Die Planungsleistungen nehmen Zeit in Anspruch. Die Südseite in Herbede wird noch mal untersucht, damit wir dort lebende Tiere nicht stören, ihre Laich- und Nistplätze. Der Schwan braucht seine Fluchtstraße, sonst haut er ab. Ich denke, wir können im Frühjahr durchstarten. Es wird Behinderungen geben, weil wir mehrere Baustellen haben. Aber die Skaterbahn auf zwölf Kilometer wird ein touristisches Highlight für das ganze Ruhrgebiet.


Wie wird die Skaterbahn finanziert und ist die Benutzung kostenlos?

Perner: Die Bahn kostet vier Millionen Euro. 3,2 Millionen Zuschuss gibt das Land und die EU. Der Rest kommt von den Gesellschaftern Regionalverband Ruhr, Bochum, Witten und Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Beleuchtung erfolgt durch regenerative Energie. Die Betriebskosten gehen auf unser Konto. Es wird Servicestationen für die Inliner geben.

Findet das Zeltfestival Ruhr in 2012 wieder statt und ist an eine Ausweitung gedacht? Und was ist mit Kemnade in Flammen und dem Hafenfestival Heveney?

Perner: Wir haben das Zeltfestival Ruhr wieder fest, wieder mit dem Veranstalter. Eine Ausweitung findet nicht statt, aber wir wollen den Gästen den See näher bringen.

Bei Kemnade in Flammen gab es Kritik, weil das Feuerwerk nicht so war wie sonst. Wir dachten, wir machens kürzer, haben aber gemerkt, dass die Zuschauer das nicht wollen. Im kommenden Jahr haben wir wieder das übliche Feuerwerk. Das Hafenfestival ist gut etabliert, da können wir auf vergangenes Jahr aufbauen, achten verstärkt auf Sicherheit. Mit der Gema müssen wir uns beschäftigen, bisher herrscht Frieden an der Front.
Wie laufen die Arbeiten im Bereich Blue Beach Parkplätze?

Perner: Wir legen einen Lärmschutzwall an der Autobahn und entlang der Seestraße, wo es 230 bis 250 Parkplätze geben wird.

Was war mit der für den 9. Dezember angesetzten Zwangsversteigerung von Blue Beach?

Perner: Wir haben uns mit der Bank und dem neuen Betreiber zusammengesetzt, wir wollen mit dem neuen Betreiber der Halle fortsetzen.

Nützt die Aussetzung von 5000 Rotfedern im Kampf gegen die Elodea im Hinblick auf die Nutzung des Sees durch Wassersportler und Wasserschule?

Perner: Wasser und Wasserfläche gehören dem Ruhrverband. Die Elodea kommt und geht. Keiner weiß, warum sie manchmal nicht kommt. Also: Die dicke chemische Keule will keiner, die zweite Lösung wären Graskarpfen, aber diese Fische sind hier nicht heimisch, also versuchen wir es mit den Rotfedern. Die Karpfen können jetzt sagen: Das Büfett ist eröffnet. Aber ein Mähboot einzusetzen, ist sehr teuer und wir müssen uns das Boot mit dem Hengsteysee und Baldeneysee teilen. Ein Kampf gegen Windmühlenflügel.


Wie kam es zum urplötzlichen Grillverbot am See?

Perner: Nicht urplötzlich. Wir haben nur die Schilder auf das Doppelte vergrößert. Wir hatten acht Grillplätze, da wurden aber die Grillroste geklaut. So wurde dann überall wild gegrillt. das brachte riesige Abfallmengen, Belästigung durch Qualm. Da hieß es: Von dem Qualm können viele Indianer lange telefonieren. Wir sind jetzt dabei, Flächen auszugucken, wo wir Grill per Pfand herausgeben, die Plätze sollten nicht weit von den Parkplätzen liegen, das sollte schön sein.

Wie wird das Mondscheinschwimmen im Freizeitbad angenommen?

Perner: Das ist ein Renner, mit unterschiedlichen Themen besetzt. Zuletzt hatten wir die Las Vegas-Nacht, dazu einen Spieltisch mit Leuten, die einem das Spiel erläuterten. Dann eine Nacht in Venedig. Eine Nacht in der Karibik oder Hawaii könnte ich mir gut vorstellen.


Am Kemnader See sind 18 Schilder im Rahmen der Rusis zur schnelleren Notfallhilfe aufgestellt. Welche Erfahrungen hat man damit gemacht?

Perner: Bei uns wurde festgestellt, wenn was passiert, dann meist älteren Leuten. Wie will einer beschreiben auf der Südseite, wo er ist und wie man dahin kommt? Deswegen haben wir das gemacht. Das läuft gut. Aber in diesem Jahr haben wir mit Hilfe der Feuerwehr zwei Drittel der Schilder erneuern müssen - sie waren vollgesprüht oder geklaut.


Werden weitere Gastronomiebetriebe eingerichtet und gab es nicht einmal die Idee am Ufer des Stausees ein Hotel zu bauen?

Perner: Mir persönlich ist daran gelegen, Gastronomie einzurichten, wo man ein bisschen besser gucken kann. Eine wunderschöne Gastronomie direkt am See, ein Gebäude mit Steg im Wasser im Bereich Heveney. Ein Hotel haben wir in unserem Plan. Aus Witten kommt der Ruf nach einer Übernachtungsmöglichkeit für Radfahrer. Auch Teilnehmer der Wassersportschule könnten dann da wohnen.