Die Kita, die niemals schließt

Altenbochum..  Betreuung rund um die Uhr – das ist das Konzept, mit dem das Pilot-Projekt St. Maximus der Kita Liebfrauen im Sommer gestartet ist. Im nächsten Jahr soll die flexible Betreuung auch über Nacht möglich werden. Die Altenbochumer Kita schafft damit eine Angebot, das sich den Lebenssituationen und dem Bedarf der Menschen anpasst. Ob alleinerziehend, im Schicht- oder Nachtdienst – vielen Menschen könnte die Idee helfen.

„Die Familien haben so ein Angebot gebraucht“, findet Barbara Wagner vom Kita Zweckverband im Bistum Essen, dem Träger der Liebfrauen-Kita: „Viele haben niemanden, bei dem sie das Kind außerhalb der üblichen Kita-Öffnungszeiten unterbringen können. Wir wollen den Menschen helfen, Beruf und Familie zu vereinbaren.“

Zurzeit bietet die Kita Randzeitbetreuung für zehn Kinder von drei bis sechs Jahren an, das heißt auch vor sieben und nach 17 Uhr. Aktuell wird in der Kita umgebaut, außerdem ein Schlafraum mit sanitären Einrichtungen angebaut. Wenn die Arbeiten im März nächsten Jahres abgeschlossen sind, können bis zu fünf Kinder auch über Nacht bleiben. Sie werden dann von zwei Erzieherinnen, die in einem Nebenraum übernachten, betreut.

Das Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung, im nächsten Jahr auch am Wochenende. Das sogenannte „24-Stunden-Kita“-Projekt bedeutet aber nicht, dass die Eltern fortan auf Erziehung verzichten können oder die Kita zum Kinder-Hotel bei Urlaubswünschen wird. Maximal zehn Stunden können die Kinder pro Tag abgegeben werden. Eine Nacht (22-6 Uhr) zählt als fünf Stunden. „Für uns ist das ein unheimlich spannendes Projekt. Die Idee wird auch von den Familien gut angenommen“, sagt Kita-Leiterin Kerstin Rakoschek.

Aktuell wird das Angebot vor allem in den frühen Stunden genutzt, nach dem Ausbau haben sich weitere Interessenten auch für die Übernachtungsmöglichkeit angekündigt. Für die zusätzliche Betreuung wurden zweieinhalb neue Stellen geschaffen, zwei weitere sollen folgen.

Möglich geworden ist das Projekt durch Mittel des Bundeswettbewerbs „KitaPlus“. Nach einer positiven Befragung der Eltern und Erzieherinnen hatte sich die Kita beworben und den Zuschlag erhalten. Das Konzept stammte vom Kita Zweckverband. Die Bundesförderung ist auf drei Jahre ausgelegt, per annum stehen 200 000 Euro zur Verfügung.

Vier Gruppen gibt es in der Kita neben der Randzeitbetreuung. Einige Dinge mussten neu gedacht und angeschafft werden, immerhin gibt es nun auch morgens und abends Verpflegung, Zähneputzen und vieles mehr. Jedes Kind hat seinen eigenen Abläuf, auch beim Schlafengehen. „Wir schauen genau hin, welche Rituale und Gewohnheiten die Kinder haben“, sagt Wagner: „Jetzt müssen wir erproben, ob das, was wir im Kopf hatten, auch so funktioniert. Das Projekt lebt davon, dass es sich entwickelt. Wir wollen den Familien ein Partner sein und eng mit ihnen zusammenarbeiten.“

Zusätzlich sollen Kooperationen gefunden werden, Vorbild ist die 24-Stunden-Kita in Essen, die mit der Philharmonie zusammenarbeitet. Wer das während der Förderzeit kostenlose Angebot nutzen will, muss nicht zwingend Mitglied der Kita sein. „Doch man sollte mit der Kita verbunden sein. Die Kinder sollen nicht in eine ungewohnte Situation geraten“, sagt Wagner.

Kontakt: 0234 355 064

 

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