Die Horrorzentrale von Querenburg

Nadja Juskowiak
Familie Hartings: Nicole, Marc (oben), Carl (unten links) und Titus (rechts) schätzen den schaurigen Auftritt.
Familie Hartings: Nicole, Marc (oben), Carl (unten links) und Titus (rechts) schätzen den schaurigen Auftritt.
Foto: Privat
Familie Hartings verwandelt sich an Halloween in „die Schlotters“ und lädt zur Familienzusammenkunft ein. Grausige Gestalten wie Vampire, Zombies, Leichen, Geister und lebende Mumien bevölkern das Haus und bringen entsetzliche Speisen mit. Architektin im Dekofieber richtet Gruselparty detailverliebt aus.

Bochum. In Querenburg lebt ein zugezogenes Adelsgeschlecht. Die Sippe ist ein düsteres Volk. Graf und Gräfin von Schlotter zu Dunkel-Querenburg laden in der Nacht zu Halloween die ganze Familie in ihr bescheidenes Stadthaus ein. Grausige Gestalten sind darunter wie Monster, Vampire, Leichen, Geister und lebende Mumien.

Es ist das fünfte Mal, dass Nicole, Marc, Carl und Titus Hartings Halloween feiern und sich dabei mächtig ins Zeug legen. Alles fing im Sommer an, als Carl fünf Jahre alt wurde. „Ich wollte eine gruselige Geburtstagsparty feiern“, berichtet der Neunjährige. Seine Mutter bastelte Monster – es waren lustige Monster. „Carl guckte mich nur an und meinte: ,So doch nicht!’. Es sollte gruselig sein, richtig unheimlich“, schildert die 42-Jährige.

Kulinarische Scheußlichkeiten

Um Carls Wunsch doch noch zu entsprechen, feierten die Hartings im gleichen Jahr ihre erste Halloween-Party mit Lagerfeuer und Kürbissuppe. Grusel, das ist klar, den finden Carl und Titus lustig. „Ich finde die Vogelspinne am besten“, ruft der sechsjährige Titus und setzt sich das pelzige und wagenradgroße Ungetüm auf den Kopf. Beide Jungs wollen in diesem Jahr als gesichtslose, schwarze Geister in langen Kapuzenumhängen Angst und Schrecken verbreiten.

Aus einer intimen Halloween-Runde bei dem ersten Fest ist eine Gesellschaft von 50 gruseligen Freaks geworden. Die Partydeko hat es in sich: Nicole Hartings liebt Dekorationen und lässt ihrer Leidenschaft seither zu Themen wie Tod, Ekel, Grausamkeit und Geisterstunde freien Lauf. „Ich lege zum Beispiel Plastikschlangen oder Dinos in farbige Flüssigkeit ein, das sieht großartig aus“, freut sie sich allein über den Gedanken an die mysteriösen Viecher. Im Wohnzimmer des Architekten-Paares stehen zwei Umzugskartons gefüllt mit unheimlichen Dingen. An der Wand lehnt ein Ölgemälde vom Sperrmüll.

Hartings haben die Winterlandschaft ergänzt mit dem Schloss der Schlotters, einem Grabkreuz und Fledermäusen. „Die Gräfin“ kramt eine kleine Tüte raus, in der Gebissteile auf ihren Einsatz warten: „Eine Freundin von mir ist Zahntechnikern und hat mir echte Vampirfänge gemacht und meinem Mann Werwolfzähne.“ Dank professionellem Abdruck passen sie wie gewachsen.

Die Gründe der Hartings für das Spektakel sind simpel wie nachvollziehbar:„Eine Halloween-Party ist ein willkommener Anlass, sich zu verkleiden und es macht Spaß, Leute dazu aufzufordern“, sagt Nicole Hartings. Auch ihr Mann hat als gebürtiger Rheinländer Freude an dem Fest. „Das Schöne ist, dass die meisten sich nichts von der Stange kaufen. Mir gefällt das ganze Rahmenprogramm. Besonders eklig fand ich die Würstchenfinger mit den Mandelnägeln“, sagt der 44-Jährige.

Derart kulinarische Scheußlichkeiten liefern die Gäste, welche außer Wurstfingern auch schon Gehirnmuffins auf Lager hatten. In diesem Jahr werden Graf und Gräfin von Schlotter auf die Mitbringsel ihrer Verwandten besonders zählen müssen. Denn die Geschichte schreibt sich fort: „Dem Graf und der Gräfin ist das Geld ausgegangen und ihnen wurde der Strom abgestellt, das heißt, die Gäste müssen selbstleuchtend kommen.“ Das Motto: „Glow in the dark“. Nicole Hartings hält mit diebischer Freude ein nachtleuchtendes Beil in die Höhe.