Die Hochschule Bochum bekommt den Deutschen Solarpreis

Markus Rensinghoff
Auf Testfahrt im Norden Australiens unterwegs: Der ThyssenKrupp Sunriser der Hochschule Bochum.
Auf Testfahrt im Norden Australiens unterwegs: Der ThyssenKrupp Sunriser der Hochschule Bochum.
Foto: Hochschule Bochum
Das Solarcar-Team hat im Oktober viele Termine. Einer ist die Präsentation eines Autos in New York, ein weiterer die Teilnahme an der WM in Australien.

Bochum. Es gibt reichlich zu tun dieser Tage für alle Menschen der Hochschule Bochum, die sich mit den Solarautos der Hochschule beschäftigen. Nicht nur die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Australien steht im Oktober im Terminkalender des Solarcar-Teams.

Deutscher Solarpreis

In Schwelm wird dem Team am 17. Oktober, also einen Tag vor dem Start in Australien, der Deutsche Solarpreis in der Kategorie Transportsysteme verliehen. „Prof. Dr. Friedbert Pautzke, Initiator des Projektes an der Hochschule, wird die Auszeichnung von der europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien Eurosolar entgegennehmen“, sagt Diplomingenieur Stefan Spychalski, der Pressesprecher des Teams ist.

„Das ist aber noch nicht alles. In New York werden ehemalige Teammitglieder Ende Oktober den ThyssenKrupp Powercore Suncruiser, also den Vorgänger des aktuellen Solarcars, im Rahmen einer Präsentation zur Zukunft der Mobilität vorstellen.“ Organisiert wird diese Veranstaltung von National Geographic, eines der Leitmedien weltweit zu den Themen Umwelt, Natur und Wissenschaft. National Geographic USA plant eine Fernsehserie zu dem Thema.

Der Bau von mit Solarenergie angetriebenen Elektrofahrzeugen ist ein Alleinstellungsmerkmal der Hochschule Bochum in Deutschland. Sie konstruiert und baut sie seit 15 Jahren als einzige Hochschule des Landes. In Australien finden somit wieder zwei Jahre Vorbereitungen, tausende Stunden Arbeit ihren Abschluss.. Das Rennteam bereitet sich derzeit in Darwin intensiv vor. „Alle Fahrzeugkomponenten werden auf die Straßen und Klimaverhältnisse abgestimmt“, sagt Spychalski. Fahrertraining und simulierte Reparaturstopps am Straßenrand mit entsprechenden Sicherheitsübungen gehören zum Tagesprogramm. Der studentische Teamchef Max Ehl ist begeistert vom Engagement, mit dem sich alle ihren Aufgaben widmen: „Jeder hier weiß, dass wir nur mit perfekter Teamarbeit ganz vorne mitfahren können.“

Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge wird bewertet

In knapp zwei Wochen, am 18. Oktober ist es dann so weit. Die Bridgestone World Solar Challenge startet in Darwin im Norden des roten Kontinents. 3000 Kilometer fahren die Teilnehmer in den Süden nach Adelaide.Die Konkurrenz in der auf Alltagstauglichkeit ausgerichteten Cruiser-Klasse kommt aus aller Herren Länder, auch aus der Nachbarschaft.

Das niederländische Team aus Eindhoven, amtierender Weltmeister, geht mit einer Weiterentwicklung seines viersitzigen Familiensolarmobils Stella Lux an den Start. Aus Australien wird das Team Sunswift, vor zwei Jahren dritter hinter den Bochumern, mit dem modifizierten Sportwagen eVe um den Sieg kämpfen. Außerdem werden Solarcars unter anderem aus den USA, Japan, Großbritannien, Polen, der Türkei und dem Iran auf die Strecke gehen.

Wer am Ende Weltmeister in der Cruiser-Klasse wird, ergibt sich aber nicht nur aus der gefahrenen Zeit für die Strecke. Zusätzlich berücksichtigt werden die Personenkilometer, also wie viele Passagiere mitgenommen wurden. Ein Jurorengremium wird außerdem entscheiden, wie alltagstauglich die vorgestellten Fahrzeuge wirklich sind. Eine Formel mit entsprechenden Gewichtungsfaktoren ergibt dann den Sieger, wobei die Geschwindigkeit den größten Einfluss auf Sieg oder Niederlage hat.

Solarcars täglich von 8 bis 17 Uhr auf der Straße 

Die Regeln bei den Weltmeisterschaften der Solarcars auf öffentlichen Straßen erscheinen sehr einfach. Morgens um 8 Uhr dürfen die Teams los fahren, abends um 17 Uhr müssen sie anhalten. Egal wo sie gerade am Straßenrand Platz finden. Am nächsten Tag geht es wieder um 8 Uhr los, solange bis die Teams in Adelaide ankommen.

Ein Schiedsrichter, der bei jedem Team mitfährt, überwacht, dass alle Zeiten eingehalten werden und sich die Teams an die Straßenverkehrsregeln halten. Je nach Strecke und Geschwindigkeit kommen die Teams bis zu zweimal am Tag an Kontrollstopps vorbei. Hier müssen sie eine halbe Stunde anhalten. Es ist Zeit für den Fahrerwechsel und den Tankstopp für die Begleitfahrzeuge, die noch mit Verbrennermaschinen unterwegs sind. Wie schnell die Teams fahren können, entscheidet die zur Verfügung stehende Energie. 60 kg Batterien an Bord speichern gut 15kWh.

Einmal auf der Hälfte der Strecke in Alice Springs dürfen die Teams aus dem Netz aufladen. Der Rest der nötigen Energie muss mit dem 3 qm großen Solargenerator erzeugt werden. Knapp 900 Watt Leistung bei voller Sonneneinstrahlung liefert das Panel aus Galliumarsenid-Hochleistungssolarzellen. Welche Geschwindigkeit energetisch maximal möglich ist, um möglichst schnell im Ziel anzukommen, muss das Strategieteam während des Rennens immer wieder neu kalkulieren.