Die alte Ruhrlandhalle ist in Bochum unvergessen

Jürgen Boebers-Süßmann
Friseurwettbewerb 1967 in der Ruhrlandhalle. Foto Stadt Bochum Presseamt
Friseurwettbewerb 1967 in der Ruhrlandhalle. Foto Stadt Bochum Presseamt
Erinnerungen aus der jüngeren Geschichte ruft die Ruhrlandhalle wach. Die Mehrzweckhalle war Ort zahlreicher TV-Shows, Konzerte und Bälle.

Bochum. Die Ruhrlandhalle konnte einem – als Bauwerk betrachtet – ein bisschen provinziell vorkommen; inhaltlich war sie für Generationen von Bochumerinnen und Bochumern eine feste Adresse, was die Freizeitgestaltung anging.

Bochum, aufstrebende Mittelstadt im vom Bergbau-Niedergang gebeutelten Ruhrgebiet, setzte vor einem halben Jahrhundert mit der Ruhrlandhalle ein fettes Ausrufezeichen. Am 18. Juli 1964 war die Kongress- und Mehrzweckhalle in Betonbauweise mit Flachdach eröffnet worden. Zum Auftakt wurde die Ruhrolympiade ausgetragen.

Die Ruhrlandhalle war schnörkellos aber praktisch

Technisch, praktisch, schnörkellos – so präsentierte sich die Halle im Stil der Zeit. Und doch ist das vor jeder Veranstaltung hell erleuchtete Eingangsportal mit dem weitem Platz davor noch gut – und gern – im kollektiven Gedächtnis. Ebenso wie die Ballons, die später im Dutzend von der Decke hingen.

Die Ruhrlandhalle diente hunderten von Veranstaltungen als Austragungsort. Pop-Konzerten, Boxkämpfen und Betriebsversammlungen bot sie ebenso Raum wie diversen Fernsehshows von ARD und ZDF, man denke an TV-Dinos wie „Flitterabend“, „Auf los geht’s los“, „Verstehen Sie Spaß?“ und „Der Goldenen Schuss“.

Seniorentag, Steuerschraube und Tanzschulbälle

Das war aber noch nicht alles: Vom Seniorentag der SPD über das Gastspiel des Johann-Strauß-Orchester bis zur Verleihung der Goldenen Steuerschraube des Bochumer Finanzamtes (u.a. an Tana Schanzara) oder den Bällen der Tanzschule Bobby Linden – in all den Jahren hat die Ruhrlandhalle Maßstäbe gesetzt.

Vom 33. Bochumer Presseball im Jahr 2000 mit Harald Juhnke als Stargast reden die, die dabei waren, heute noch. Der Presseball, übrigens organisiert vom damaligen Bochumer WAZ-Lokalchef Alfred Wolf, setzte als gesellschaftliches Spektakel der Extraklasse über Jahre ein Glanzlicht in der alten Ruhrlandhalle.

Neues Ruhrcongress-Gebäude entstand 2003

2001 wurde sie abgerissen, ab 2003 durch das postmoderne Ruhrcongress-Gebäude ersetzt. Schon Ende der 1970er Jahre, also nur 15 Jahre nach der Einweihung, hatte es Überlegungen gegeben, die nun als zu klein und unflexibel empfundene Ruhrlandhalle durch ein zeitgemäßes Kongresszentrum zu ersetzen. Aber erst 2001 brachte der Rat in einer Sondersitzung mit großer Mehrheit das Vorhaben auf den Weg. In der Erinnerung aber lebt die Ruhrlandhalle weiter.