Deutliche Worte

Der neue Spielplan trägt deutlich die Handschrift des Intendanten, und wer Anselm Webers Arbeit in den letzten fünf Jahren beobachtet hat, weiß genau, woran er/sie mit ihm ist. Das ist durchaus anerkennend gemeint, denn der von ihm forcierte Spielplan-Mix aus unterhaltsamen und ambitionierten Produktionen macht den Wert des heutigen Schauspielhauses aus. Die Zahlen sprechen für Weber: Auslastung 80 Prozent, 160 000 Besucher bis April, darunter 6700 Studenten – das sind Werte, über die man andernorts mehr als froh wäre.

Doch statt das Erreichte als Erfolg zu feiern, war die Programmvorstellung gestern eben nicht dazu angetan. Denn trotz aller vom Schauspielhaus selbst auf den Weg gebrachten Einsparmaßnahmen und der durch den guten Besuch erzielten Einnahmen, hat sich der Intendant vor allem vor dem Hintergrund der mittelfristigen Theaterfinanzierung vorzeitig aus Bochum verabschiedet. Er befürchtet, die nach der Sanierung gerade geschaffenen Rücklagen würden ab spätestens 2017 von den Tariferhöhungen wieder aufgefressen – die Stadt will sie bekanntlich nicht übernehmen. Weber sieht dadurch die Arbeit des Theaters insgesamt gefährdet.

Seine deutlichen Worte gestern mag mancher als Schwarzmalerei deuten, aber Webers Abgang vor der Zeit ist ein klares Signal an die hiesige Politik. Ob es tatsächlich als solches verstanden werden wird, darf bezweifelt werden.

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