Detroit-Projekt stellt die Frage nach der Zukunft Bochums

Tom Thelen
Olaf Kröck, Katja Aßmann, Sabine Reich und Anselm Weber stellten das Detroit Projekt vor.
Olaf Kröck, Katja Aßmann, Sabine Reich und Anselm Weber stellten das Detroit Projekt vor.
Foto: Ingo Otto
Das Programm des internationalen Kunstfestivals Detroit-Projekt steht und umfasst in der gedruckten Ausgabe stolze 85 Seiten. Die aus verschiedenen Ländern stammenden Künstler stellen durch verschiedene Kunstformen zum Großteil dieselbe Frage: Wie steht es um die Zukunft von Bochum?

Bochum. Wer immer noch nicht recht weiß, was es mit dem Detroit-Projekt des Schauspielhauses auf sich hat, bekommt jetzt eine Antwort. Das Programm wurde veröffentlicht (www.thisisnotdetroit.de), die gedruckte Ausgabe umfasst üppige 86 Seiten. Zwanzig Künstler und kollektive aus Deutschland, Polen, England und Spanien bespielen zwischen dem 26. April und den 5. Juli die ganze Stadt. Eins ist klar: es wird ein sehr sichtbares Kunstfestival.

Dafür ist schon der Auftakt markant: am 26. April wird im Rahmen eines Motown-Picknicks eine LED-Installation des britischen Theater- und Performance-Künstlers Tim Etchells illuminiert. Er ergänzt den Förderturm um die Worte „How Love Could Be“, einer Zeile aus der ersten Single des Detroiter Motown-Labels. Ein doppeldeutiges Zitat, changiert es doch zwischen Statement und Frage. Ebenfalls an diesem Abend wird die Fotoausstellung offiziell eröffnet, die das Stadtbild ebenso eindrücklich verändern wird. 29 Fotos von Bochumer Bürgern wurden ausgewählt und werden großformatig platziert: beispielsweise am Hauptbahnhof, in der Kortum- und Huestraße, am Modehaus Balz, am Museum und an der Alleestraße. Am folgenden Sonntag wird dann ab 11 Uhr ein mobiler Gemeinschaftsgarten auf dem Schauspielhausvorplatz installiert.

Kunst für Opel

Dann beginnt ein vielfältiges Programm, das die mehrheitlich mit den anderen europäischen Opel-Standorten assoziierte Künstler für Bochum entwickelt haben. Sabine Reich und Olaf Kröck, die leitenden Dramaturgen des Hauses und Katja Aßmann, Chefin von urbane Künste Ruhr, zeigen mit dem Festival als Künstlerische Leiter ausschließlich neue, exklusiv für Bochum produzierte Projekte. Zu sehen sind Installationen, Performances und Interventionen. Einen Höhepunkt stellt das Zukunftsfest dar, das am 29.6. gefeiert werden wird und das antritt, die gesamte Kulturszene der Stadt zu bündeln.

Zentraler Programmpunkt bei diesem Fest ist eine achtstündige (!) Komposition des Künstlers Ari Benjamin Meyers. Er übersetzt einen Arbeitstag in der Opel-Fabrik mit dem allgegenwärtigen Motto „Just in Time, Just in Sequence“ in eine Partitur, die in allen Räumen des Schauspielhauses gespielt, gesungen und getanzt werden soll. Von Jeki-Kindern aus der Musikschule, von den Bochumer Chören und vielen weiteren Aktivisten.

Die Frage nach der Zukunft

Weitere herausragende Projekte sind die Installation des polnischen Shooting-Stars der Kunstszene, Robert Kusmirowski , in den bisher noch weithin unbekannten Kellerräumen der Zeche 1 an der Prinz-Regent-Straße, eine Videoinstallation zum Thema „Tauben“ im Exzenter-Haus oder ein „choreographierter Stadtplan“ einer Tanzgruppe aus Saragossa im öffentlichen Raum.

Der Zugang zur Mehrzahl der Projekte ist frei, manche werden während des ganzen Zeitraums stattfinden, andere sind an ein Datum gebunden. Sicher ist nur: Alle fragen nach der Zukunft.