Detroit-Projekt drinnen und draußen

Tom Thelen

Das Auftaktwochenende ist Geschichte, ein großes Projekt des Schauspielhauses hat begonnen. Das „Detroit-Projekt“, geplant bis Mitte 2014, hat erste Duftmarken gesetzt. In der Stadtgesellschaft, im Hause selbst und im öffentlichen Raum.

Beim Auftaktbankett hatte Intendant Anselm Weber betont, dass er überzeugt sei, „dass das Theater einer der zentrale Orte ist, an dem eine Stadt über sich selber nachdenken kann. Wir sind ein Theater für die Stadt und damit meinen wir, wir sind ein Theater für die ganze Stadt. Wir sind kein elitärer Ort der Hochkultur, sondern öffnen die Bühnen für vielfältige Formen und Kulturen.“ An dieser Überzeugung musste sich das Haus in diesen drei Tagen messen lassen.

Die Öffnung hin zu vielfältigen Theaterformen gelang dabei am besten am Samstag in der City. Hier trafen ab Mittag die unterschiedlichsten Gruppen und Solisten auf die Öffentlichkeit. Für Begeisterung sorgten dabei nicht nur Theatermusiker, sondern auch Performance-Künstler. Etwa Gijs van Bon, der als Skryf, der Sandschreiber, flüchtigen Text auf die Straße brachte. Oder die „Theorie- und Praxisgemeinschaft Dr. Fahimi“, die mit BIG, dem Bürgerinitiativengenerator, an diesem Nachmittag gut 15 Initiativen „erschufen“. Die reichten von „Hunden ins Theater“ bis zur Kritik an der A40-Anbindung.

Allesamt kleine Aktivitäten, die zum Nachdenken über die Stadt anregten. In größeren Dimensionen dachte man beim öffentlichen Symposium „Motorcities im Aufbruch“, das am Freitag im Schauspielhaus stattfand. Hier berichteten Gruppen aus Saragossa, Ellesmere Port und Gliwice über ihre Arbeit in den anderen europäischen Opel-Standorten. Als besonders reizvoll wurde allenthalben empfunden, vor Ort und persönlich miteinander zu konferieren, ist doch üblicherweise ein Gegeneinander-Ausspielen durch den Konzern an der Tagesordnung. Auch der optimistische Blick des Detroiter Aktivisten Tyree Guyton mit seinem kämpferischen „Heidelberg-Project“ ermöglichte einen neuen Blick auf das Phänomen der Krise.

Einen fabelhaft ambivalenten Kommentar zum Wochenende lieferte letztlich das Konzert von Gustav aus Wien in den Kammerspielen. Das Detroit-Projekt läuft.