DerWesten-Nutzer diskutieren über den verkaufsoffenen Sonntag

Miriam Lessmann
Der Stadtrat hat es so beschlossen: im Jahr 2012 wird es in Bochum keinen verkaufsoffenen Sonntag geben. Seit der Bekanntgabe dieser Entscheidung ist zwischen den DerWesten-Nutzern eine lebhafte Diskussion entbrannt. Viele Leser begrüßen den Versuch, den Sonntag wieder zu einem echten Ruhetag zu machen. Doch auch kritische Stimmen werden laut. Müssen Bochums Einzelhändler nun um ihre Umsätze bangen?

Bochum. Der Sonntag ist ein Ruhetag und so soll es auch bleiben. So sehen es die Gegner der verkaufsoffenen Sonntage und begrüßen die Entscheidung des Bochumer Rates. „Meinen Respekt für die Entscheidung an die Verantwortlichen“, schreibt Volksentscheid. „Anscheinend scheint bei einigen Ratsmitgliedern noch ein Funken Verantwortung und soziales Gewissen vorhanden zu sein.“

Dongiovanni begrüßt ausdrücklich den Mut der Bochumer Verwaltung, mit dieser Entscheidung gegen den Strom zu schwimmen: „Genau so lobenswert finde ich die unpopuläre Entscheidung, auf die verkaufsoffenen Sonntage zu verzichten. In Bochum wird scheinbar eine Politik mit dem Kopf gemacht.“

Sonntag ist Ruhetag

Vielfach ist die Kritik an der Sonntagsarbeit eher genereller Natur und bezieht sich nicht direkt auf den Bochumer Einzelhandel. „Sonntagsarbeit sollte auf gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten beschränkt bleiben“, meint oeschy51. Er bestreitet nicht, dass es notwendig sei, dass Ärzte oder Krakftwerksmitarbeiter an Sonn- und Feiertagen arbeiten. Doch die Gesellschaft soll alles daran setzen, das möglichst viele Menschen einen gemeinsamen freien Tag beibehalten können

Viele Nutzer bezweifeln offen den Sinn eines verkaufsoffenen Sonntags. „Wer was kaufen will, findet sicherlich auch einen anderen Tag, gerade wo viele Geschäfte bis 22.00 Uhr und länger geöffnet haben“, schreibt Bodesein. Für ihn soll Bochum mit dieser Entscheidung die Gegenentwicklung zu einem Trend mit immer mehr verkaufsoffenen Sonntagen einläuten. Negative Folgen für den Einzelhandel sieht Bodesein nicht: „Und ich vermute, kein Geschäft wird wegen der Streichung der verkaufsoffenen Sonntage Pleite gehen. Oder andersrum: Wenn ein Laden nur mit Hilfe des verkaufsoffen Sonntags bestehen kann, sollte es besser schließen!“

Sind verkaufsoffene Sonntage wirklich notwendig?

Auch digo4165 sieht das Problem eher bei den Händlern: „Der Einzelhandel stagniert mit dem Umsatz seit Jahren. Ich erinnere mich an die Zeiten als der lange Donnerstag eingeführt wurde, schon damals war kein Mehrumsatz zu erzielen. Es war lediglich eine Umsatzverteilung.“

Hansreiner befürwortet verkaufsoffene Sonntage und befürchtet nach deren Abschaffung Wettbewerbsnachteile für die Bochumer Händler. „Schon jetzt leidet Bochums City unter der Konkurrenz durch Essen, dem Centro und Dortmund“, schreibt der Nutzer. „Auch die mir bekannten Beschäftigten im Einzelhandel sind froh, den Zusatzeuro noch einstecken zu können, den sie durch diese Überstunden verdienen.“ Gbnhufdc verweist ironisch auf die zu erwartenden Dankesworte aus der Einkaufsstadt Essen. Man freue sich dort bestimmt schon auf die zusätzlichen Kunden aus Bochum.

Bochumer Händler müssen Wettbewerbsnachteile fürchten

„Der Einzelhandel ist eine Dienstleistung. Der Kunde ist König, da kann man etwas mehr Flexibilität erwarten“, fordert nichtzuglauben. „Keiner erwartet vom Einzelhandel an allen Sonntagen geöffnet zu haben, es ist also jedem Beschäftigten durchaus zumutbar, an einigen auserwählten Tagen zu arbeiten, so wie andere Berufsgruppen es an jedem Sonntag müssen.“

Sind starre Regelungen die richtige Lösung? Sweettween fordert die Abschaffung des Ladenschlussgesetzes, so dass die Ladenöffnungszeiten direkt vom Händler vor Ort bestimmt werden können. „Kein verkaufsoffener Sonntag kann nicht der richtige weg sein. Der richtige Weg müsste vielmehr sein, das Ladenschlussgesetz vollständig zu beseitigen und dem Einzelhandel damit die Möglichkeit für selbst bestimmte Öffnungszeiten zu geben.“

Einzelhandel ist Dienstleistung

Mancher Nutzer begegnet der Diskussion mit Unverständnis. „Die Bochumer Innenstadt bietet gar keinen Anreiz, um mal eben zum Einkaufen reinzufahren“, schreibt Janko123. „Deshalb können die Geschäfte öffnen wie sie wollen.“