Der Mörder war morgens der Knecht

Der Bochumer Schauspieler Patrick Joswig. Foto: Ingo Otto
Der Bochumer Schauspieler Patrick Joswig. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Bochum.Er spielt in Kinofilmen, Serien und Soaps. Der Bochumer Schauspieler Patrick Joswig bezeichnet sich als „Edelkomparsen“. Zuletzt war er am Ostermontag im quotenstarken WDR-Tatort zu sehen.

„Ich hab ihr gesagt: Hör auf! Es hat aber nicht aufgehört“. Der Mann im blauen Business-Hemd ist schweißüberströmt, die Haare angeklatscht. Dann das Geständnis: „War's so?“ - „Jaa! . . . Ich hab sie umgebracht, was hätt’ ich denn tun sollen?“. Rund 10 Millionen Zuschauer (so die Quote) hatte der Bochumer Schauspieler Patrick Joswig bei seinem knapp zweiminütigem Auftritt gleich zu Beginn des zweiten Teils des Tatorts „Ihr Kinderlein kommet“ am Ostermontag. Und auch für den nächsten Tatort ist er gebucht. Wieder als „Edelkomparse“.

Unter „Theaterkünstlern“

Der 1975 in Bochum geborene Mime bereichert Filmproduktionen durch durchweg markante Auftritte - meist im Hintergrund. Schon auf der Westfälischen Schauspielschule hatte er ein „schweres Standing“ bei den „Theaterkünstlern“ erzählt er. „Ich hab nach der Klasse 12 das Märkische Gymnasium in Wattenscheid verlassen, um Schauspieler zu werden. Schon während der Ausbildung hab ich in acht Folgen von ,Verbotene Liebe’ mitgespielt, das war nicht gern gesehen“. Noch vor dem Diplom ging es weiter ins Kino. In „23 - Nichts ist wie es scheint“ von Hans-Christian Schmidt - heute in Computer-affinen Kreisen ein Kultfilm - spielte er 1998 neben August Diehl und Burghart Klaußner. „Schon damals war mit klar, dass ich Film- und TV-Schauspieler werden wollte“, so Joswig.

Beckett zum Abschluss

Trotzdem war er erstmal an der Königsallee daheim. „Dimiter Gotscheff inszenierte das Absolventen-Stück. Wir trugen Glatze und weiße Gesichter in einem Beckett. Ideal, um sich als Jungschauspieler zu präsentieren. Aber wir hatten Glück, im Jahr davor mussten sich alle nackt ausziehen“, berichtet er lachend.

Früher immer der Bösewicht

Klar war für Joswig, dass er nicht in ein Ensemble wollte. „Ich hab da und dort gastiert, in Rostock und in Essen“, erzählt er, immer wieder sei er zurück ins Ruhrgebiet.Seither sucht er sich frei arbeitend seine kleinen Filmrollen aus, „möglichst breit, früher war ich immer der Bösewicht“. Und so drehte er mit Oskar Röhler („Quelle des Lebens“), mit Hans Weingartner („Das weiße Rauschen“) oder mit Adolf Winkelmann („Waschen, Schneiden, legen“). Sehr einprägsam sein Wehrdienstverweigerungsberater in „Neue Vahr Süd“(2010).

Undercober-Reportagen

Die Öffentlich-rechtlichen bezahlen halbwegs ordentlich. „Das Beste war diese Krankenhaus-Serie. Da hatte ich zehn Drehtage und lag acht im Koma“. Als Schaufensterdekorateur verdient er dazu seine Miete. Sein geteiltes Herzblut gehört dem Journalismus. Zusammen mit Bastian Schlange bildet er die „Wattenscheider Schule“. Gemeinsam recherchieren sie spektakuläre Undercover-Reportagen - nachzulesen auf dem Ruhrbarone-Blog.

Wer Ostermontag übrigens sehr viel ferngesehen hat, dem kam der Mörder vielleicht bekannt vor: es war der Knecht. Aus dem Aschenputtel-Film am Morgen.

 
 

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