Der Kirchturm fällt nächste Woche

Das Redemptoristen-Kloster wird abgerissen, der Kirchturm fällt nächste Woche.
Das Redemptoristen-Kloster wird abgerissen, der Kirchturm fällt nächste Woche.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.. "Sehr, sehr schade" findet Andreas Schenk den Abriss des Redemptoristenklosters. "Ich wohne zwar in Stiepel, doch ich bin 20 Jahre lang hierher immer zur Beichte gekommen, weil meine Eltern hier leben."

Nicht wenige Nachbarn im Wohngebiet rings um den Imbuschplatz haben einen engen Bezug zum Kloster Maria Hilf, von dem inzwischen nur noch der Kirchturm und die Kapelle stehen. "Meine Frau ist hier geboren, meine Schwiegermutter wohnt gleich um die Ecke; für die war es ein ganz anderes Gefühl, als die Abrissbagger kamen", sagt Helmut Orzschig-Tauchert. Er leitet die Sozialstation der Freien Alten- und Krankenpflegeeinrichtung an der Klosterstraße direkt gegenüber von Maria Hilf. "Als wir vor eineinhalb Jahren hierherzogen, stand schon fest, dass die Patres das Kloster aufgeben würden. Als Nachbarn hatten wir starkes Interesse daran, was aus der Kirche würde."

Anlieger genauso wie Politiker hatten lange für den Erhalt des Kirchturms gefochten, doch zwei Gutachten kamen zum Ergebnis, dass die Statik dafür nicht ausreichte. Noch ragt er aus dem Trümmerfeld als Relikt heraus. Doch nächste Woche beginnt auch sein Abriss.

"In spätestens 14 Tagen wird alles weg sein", erklärt Stephan Pütz. Der Architekt ist Projektsteuerer bei der Firma Skiba aus Herne, die für St. Johannesstift und St. Vinzenzheim den Neubau des Altenpflegeheims auf dem Klostergelände koordiniert. Fast täglich sieht er sich auf der Baustelle um, macht Fotos vom Verlauf des Abrisses. "Der Statiker hat uns versichert, dass der Turm zurzeit sicher steht, weil weder Sturm tobt noch Schneemassen ihn belasten. Doch für einen Erhalt ist er nicht ausreichend verankert, seit das Kirchengebäude weg ist."

Kein architektonischer Anachronismus

Der Bauschutt, der sich auf dem Gelände auftürmt, wird wiederverwendet. Dazu müssen Steine gebrochen und zermalmt werden und dienen später als Unterbau für das neue Heim und auch bei der Pflasterung. "Dazu brauchen wir die Begleitung von Baubiologen, um sicher zu gehen, dass keine schädlichen Stoffe verbaut werden. Denn im Kloster wurden, für die 1950er Jahre üblich, Kleber verwendet, in den Fensterbänken fanden wir Asbest." Das Recycling von Baumaterial habe natürlich auch wirtschaftliche Aspekte.

Die Kritik am Abriss sei weitgehend verstummt, findet Stephan Pütz. "Als vor acht Wochen die Glocken für eine Gemeinde in Polen heruntergeholt wurden, kamen viele ältere Leute und drückten ihr Bedauern aus. Doch die meisten sind froh, dass alle klerikalen Stücke einer neuen, kirchlichen Funktion zugeführt werden." Die Orgel kaufte die Gemeinde St. Franziskus in Weitmar. Die Hälfte der Kirchenfenster kam zum Redemptoristenorden nach Köln und Mönchengladbach. „Gut ein Dutzend haben wir nach dem Ausbau aufbewahrt. Wir werden sie später in den gläsernen Verbindungsgang zwischen Neubau und Marienkapelle einbauen.“

Das sei kein architektonischer Anachronismus: "Es ist eine Verbindung zwischen Alt und Neu, um gleichsam den Weg zu zelebrieren." Denn die Kapelle wird als Kapelle weitgehend bleiben. Nach dem Auszug der Patres wurde sie entweiht, wird von der Katholische Kirche dann später wieder geweiht. Ihr Westflügel wird sich als Mauer im Klostergarten wiederfinden.

Voraussichtlich im Spätherbst soll der Hochbau beginnen, bezugsfertig wird das Altenpflegeheim im Frühjahr 2014 sein. 89 Plätze für Demenzkranke sind vorgesehen. Hinter dem Neubau könnten in eine, zweiten Bauabschnitt Wohnungen errichtet werden.

Garten für alle nutzbar

Alles soll künftig der Öffentlichkeit zugänglich sein: der Klostergarten mit seinem imposanten Baumbestand, zu dem es eine direkte Fußverbindung vom Imbuschplatz geben wird; der Spielplatz des Vinzenzheims wird innerhalb der Fläche versetzt. Offene Türen bieten auch die Marienkapelle sowie das Altenpflegeheim selbst. "Die meisten Pflegeheime schotten ihre Bewohner ab. Hier soll ein neuer Weg beschritten werden." Ins Erdgeschoss des Heims wird ein Café oder Restaurant integriert, das nicht nur Bewohnern und Beschäftigten zur Verfügung steht, sondern alle Nachbarn nutzen können. Stephan Pütz: „Wir hoffen, dass es auch breit angenommen wird.“

Eine Idee, die Anwohnerin Roswitha Hober besonders gut gefällt. "Dass wir künftig in den Garten gehen dürfen, freut mich sehr. Es wohnen ja viele Kinder hier im Viertel, für die ist es ein schönes Angebot, und die Erwachsenen können sich auf die Bänke setzen."

 
 

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