Denkmal Ruhr-Uni Bochum: Uni und Studierende sind skeptisch

Denkmal. Die Ruhr-Uni ist die erste denkmalgeschützte Universität Deutschlands.
Denkmal. Die Ruhr-Uni ist die erste denkmalgeschützte Universität Deutschlands.
Foto: RUB
Die Ruhr-Uni steht unter Denkmalschutz. Uni-Vertreter und Studierende befürchten einen Modernisierungsstopp.

Bochum.. Seit mehr als zehn Jahren wird darüber diskutiert, seit Oktober ist es offiziell: Die Ruhr-Universität ist ein Denkmal. Das haben die Bezirksregierung Arnsberg und der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) entschieden. Vertreter der Uni reagierten auf die Nachricht verhalten. Sie wollen prüfen, welchen Einfluss der Denkmalschutz auf geplante Baumaßnahmen hat.

„Wir haben lange es verhindert, dass die Ruhr-Uni ein Denkmal wird“, sagt Dr. Karl-Heinz Schloßer. Er war bis Anfang des Monats Kanzler der Ruhr-Uni. Bis März wird er seine Nachfolgerin Dr. Christina Reinhardt einarbeiten. Schloßer aber hat die Denkmal-Diskussionen in den vergangenen Jahren begleitet. „Bisherige Regelung war, dass das Verfahren ausgesetzt ist. Dann aber ist aus Gründen, die mir unklar sind, ein Verfahren angestoßen und dann auch zu Ende geführt worden. Uns blieb keine andere Möglichkeit, als Klage einzulegen.“

Uni-Verwaltung befürchtet Hindernisse bei baulichen Veränderungen

Die Uni-Verwaltung sei nicht grundsätzlich dagegen, dass die Ruhr-Uni ein Denkmal ist. „Aber der Text mit der Begründung, warum die Ruhr-Uni Denkmal wird, lässt Interpretationen zu und wirft Fragen auf, die man klären muss. Wenn man zum Beispiel ein Gebäude wieder aufbaut, damit es in die erhaltenswerte Silhouette passt, müssen wir uns an der alten Gebäudehöhe orientieren. Aus Brandschutz-Sicht aber muss es, will man die gleiche Anzahl an Studierenden unterbringen, ein drittes Treppenhaus geben. Baut man es innen, verliert man zu viel Fläche. Außen darf man es nicht anbauen, weil es nicht den Denkmal-Bestimmungen entspricht.“

Aktuelle Bau-Projekte (Wiederaufbau IA/IB, Neubau GD) sind nicht betroffen. „Die Sanierungen der Gebäude NA und GC sind aber noch nicht abgestimmt. Wir werden begründen, warum wir konkretere Aussagen haben wollen. Im Zweifel gehen wir vor Gericht. Ich glaube aber nicht, dass es soweit kommt. Auf beiden Seiten gibt es den guten Willen zur Einigung. Wir laufen nicht wie zwei Lokomotiven in voller Fahrt aufeinander zu.“ Fraglich blieb zudem, wie lange eine solche Auseinandersetzung dauern würde.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hält die Sorgen für unbegründet

Dr. Hans Hanke vom LWL-Fachamt für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur wundert sich über die Reaktion der Uni. Er hat die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Bochum begleitet. „Alle Beteiligten sitzen seit zehn Jahren zusammen an einem Tisch. „Die Entscheidung ist aktuell weder besonders forciert worden, noch kam sie schnell.“ Die Sorge, der Denkmalschutz könne zu einem Modernisierungsstopp führen, sei unbegründet. „Wie bei allen Baudenkmälern müssen auch bei der RUB Veränderungen möglich sein, um sie zukunftsfähig zu machen“, sagt Hanke.

„Die LWL-Denkmalpflege ist seit neun Jahren in alle Planungen und Baumaßnahmen einbezogen worden und hat ihnen zugestimmt.“ Dazu gehörten die Erweiterungsbauten ID und GD. „Das zeigt hoffentlich, dass die LWL-Denkmalpflege nicht die stets beschworene „Käseglocke“ über die RUB stülpen will, sondern dass es ihr um ein Weiterleben und Weiterentwickeln unter Wahrung der gebauten Botschaft geht.“ Laut Hanke sind sich die Beteiligten weiter einig. „Wir werden nun aber regelmäßig Gesprächsrunden führen.“ So könnten auf minimal-bürokratischem Weg alle Fragen geklärt werden.

Das sagen Studenten der RUB zur Denkmal-Entscheidung

"Ich finde es gerechtfertigt, dass die Uni unter Denkmalschutz steht. Sie hat eine Schönheit für sich – der Beton und das Bunker-artige haben was für sich. Wenn das aber heißt, dass wichtige bauliche Veränderungen nicht mehr gemacht werden, finde ich das schlecht.“

Markus Radigk, der 20-Jährige studiert im ersten Semester das Fach Medizin

"Ich habe gar nicht mitbekommen, dass die Uni unter Denkmalschutz stehen soll. Aber jetzt frage ich mich: wieso? Die Uni ist meiner Meinung nach architektonisch nicht so herausragend. Ein Farbanstrich würde ihr mal ganz gut tun, vor allem jetzt im Winter.“

Natalie Malocha, die 20-Jährige studiert im zweiten Semester Germanistik und Japanologie

"In ihrer Markantheit ist die Uni schützenswert. Sie verkörpert für mich den typischen Ruhrpottcharme. Außerdem ist sie ein Ort zum Lernen – und keine Entspannungsoase. Aber ich weiß nicht, was das für Auswirkungen auf Modernisierungsmaßnahmen hat.“

Marius Fritz, der 24-Jährige studiert im dritten Semester Rechtswissenschaften

"Im Prinzip finde ich es schon gut, dass die Uni unter Denkmalschutz stehen soll. Das Gebäude ist nicht schön, aber ein typischer Bau aus den 60er Jahren. Viel schlimmer als andere Unis in Deutschland ist die Ruhr-Uni auch nicht.“

Harriet Bouvain, die 29-Jährige studiert im zwölften Semester Anglistik und Japanologie

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